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Samstag, 20.09.2014
Tag 29 - Auf dem letzten Berg
Gite d'etape Moulin de la Palette → Coll erda → Coll de Sant Marti → Coll dels Pos → Las Illas → Autobahnhatsch → Le Perthus → Gite d'etape l'Oulliat

Der heutige Hatsch war ganz sicher ein Hammerhatsch. Es waren ueber 40 km, die geschafft werden mussten. Nachdem die erste Etappe ein relativ schoener Wanderweg war, so war die zweite Etappe wohl eher etwas in Richtung Autobahnhatsch mit ein bisschen Wandern am Schluss.
Gite d'Etape Moulin de la Palette

Gestern Abend unterhielt ich mich noch sehr schoen mit dem Englaender, der mittlerweile mehr in Paris als in London lebt. Dieser erzaehlte mir noch mehr wilde Geschichten aus der Welt der GR10 Wanderer. U.a. gab es einen Wanderer, der in seinem Zelt von einem Fuchs angefallen wurde, der sich an seiner Fresstuete zu schaffen machte. D.h., dass sich der Fuchs auch durch das Innenzelt gefressen hatte, um an das Futter zu kommen. Deshalb hatte dieser Wanderer auch kein Innenzelt mehr, da dies vom Fuchs kaputtgefressen wurde. Dann sagte er mir auch noch, dass es noch weitere Unterkuenfte gab, bei denen es nur vegetarisches Essen gab. Fix. Wenn ich das gewusst haette, haette ich mir eine Ladung Bolognesesauce mitgenommen und haette selbst etwas gekocht. Aber das Essen war insgesamt gut. Nicht herausragend, aber gut. Einzig der Preis war etwas hart, aber dafuer war es wohl Biofutter, da das hier eine Bio Gite d'Etape ist. Hm... Fleisch, FLEISCH!
Wegweiser auf dem GR10

Das Nachtlager war sehr schoen und angenehm. Nur ich und der Englaender schliefen hier und der Englaender wurde in das eine Zimmer und ich in das Vorzimmer einquartiert. Er schnarchte irgendwann in der Nacht mal, aber das hoerte ich fast nicht durch die Tuere. Um 6:40 war das Aufstehen angesagt. Ich bemerkte, dass ich momentan wieder an Schlafmangel leide. Zwar schlafe ich ungefaehr 7 bis 8 Stunden am Tag, aber die zusammengelegten Etappen wuerden deutlich mehr Schlaf fordern. Ab morgen kann ich das aber nachholen. Irgendwann wird auch mein rechter Fuss, dessen rechte Seite sich seit 2 Wochen wie eingeschlafen anfuehlt, wohl auch wieder erholen. Das Fruehstueck war einfach, aber gut. Es gab eine heisse Schokolade, gutes Brot, wohl selbstgemachte Marmelade und das war's dann aber auch schon. Da die Qualitaet aber stimmte, reichte das auch. Das war wohl seit langer, langer Zeit das erste mal, dass ich wieder nicht-getoastetes Brot ass.
Ueber den Grat

Um halb 8 startete ich in den heutigen Tag, was hell genug war, sodass ich ohne Stirnlampe starten konnte. Meine Wanderhose war auch trocken genug, sodass ich diese von Anfang an anziehen konnte. Der anfaengliche Weg verlief erst einmal ueber die Strasse weiter. Ich besass auch eine ganz, ganz alte Karte von 1991. Das sind schon fast zweiter Weltkriegszeiten ;-). Aus dieser konnte ich herauslesen, dass es hier damals keine Gite gab und der Weg auch direkter gleich weiter verlief. Vermutlich gab es damals wirklich nicht soviele Etappen und es waren vor 50 Jahren vllt. wirklich nur etwas ueber 30 Tage, die man dafuer investieren musste. Nach dem bisschen Strassenhatsch zweigte der Weg auch bald nach rechts auf einen Wanderpfad ab. Dieser verlief dann auch einigermassen auf gleicher Hoehe bleibend entlang des Berghanges rueber nach Montalba. Dieses kleine Dorf erschien aber wie ausgestorben und auf dem Wegweiser stand auch etwas von "Deviation". Hm. Gibt's hier eine Umleitung?!? Der Weg schien aber mit dem Weg in der Karte uebereinzustimmen. Nun galt es, um die 900 HM zu schaffen. Die ersten HM verhielten sich noch relativ angenehm. Es ging durch einen Wald leicht bergauf. Die rot-weiss Markierungen waren hier nicht allzu reichlich gesaeht. Allerdings gab es Tupfer von einer anderen Farbe, welchen ich einfach folgte. Der Himmel zog doch relativ schnell mit Wolken zu, wobei ich sicher nichts dagegen hatte. Das war mir in dieser Hoehenlage sogar sehr angenehm, da es nicht so warm wurde. Dann gelangte ich auch schon bei der Schotterstrasse heraus der ich noch etwas bergauf folgen musste. Danach knickte der Weg auf einmal nach rechts ab, statt dem Wanderpfad geradeaus zu folgen und dieser Pfad verlief dann in einem groesseren Bogen hoch zum Coll Cerda, womit die ersten 500 HM geschafft waren. Die weiteren 400 HM zum Col de Sant Marti verliefen zu schnell, dass ich auch nicht mehr genau weiss, wie diese ausgeschaut haben. Das war aber sicher ein angenehmer Hatsch, ansonsten koennte ich [mich] nicht daran erinnern.
Ausblick auf dem Grat

Nun erwartete ich aber einen etwa auf gleicher Hoehe verlaufenden Weg der auch in der Karte so eingezeichnet war. Nur verlief dieser ganz und gar nicht auf gleicher Hoehe, sondern immer wieder mal viel Auf- und Absteigend. Abwechslungsreich war dieser aber wirklich. Mal ueber Halden von Blockstein, die es hier tatsaechlich auch noch gab, mal ueber Waldwege, mal ueber felsige Wege. Hier war immer vieles geboten, was das Wanderherz begehrt.
Auf einmal ging's ueber Geroell

Ich muss allerdings auch sagen, dass sich der Weg wegen den vielen Kehren um den Berg herum ewig hinzog. Den HRP sah ich auch in der Karte eingezeichnet und dieser geht deutlich direkter ueber die Berge. Hier wird wohl nicht Wert auf einen schnellen Weg, sondern auf umstaendlich zu gehende gelegt. Aber ich sollte wohl auch beruecksichtigen, dass der GR10 schon ueber 50 Jahr alt ist. Was fuer ein beeindruckendes Alter fuer einen Wanderweg! Was ist wohl der aelteste Weitwanderweg der Welt? Hm... wohl so ein Grattler-Pilgerpfad. [Damals waren diese Pilgerpfade sicherlich nicht so einfach zu gehen.] Wie auch immer verlief der Weg zumeist im Wald und kam dann auf einer weiteren Schotterstrasse am Coll dels Cirerers heraus, womit die naechsten 200 HM herunter geschafft waren. Nach dem Aufstieg auf 1400 HM galt es jetzt naemlich, sich an den Abstieg zu machen. Achja, als ich in der Naehe der 1400 HM war, lief ich auch die paar Schritte auf den Grat hoch um Macenet de Cabrenys zu sehen. Das war das Dorf nach dem weiteren, ewig langem Hatsch in dem ich wohl das Finale (?!?) vom Fussball gesehen habe, bei dem Deutschland Weltmeister geworden ist. Das war wirklich ein seltsames Gefuehl. Ich laufe wirklich wieder bis (fast) zum Anfang zurueck. Der Weg fiel dann steil bergab, einen Bergruecken folgend. So verlor ich sehr, sehr schnell an Hoehenmeter und meine Fuesse schmerzten auch schon wieder... Ich war um diesen steilen Abstieg wirklich froh, da ich darunter in der Karte eine Fahrtstrasse sehen konnte, bei der ich auf meine Sandalen wechseln koennte. Ein paar mal kreuzte ich eine Fahrtstrasse und dann musste ich doch noch die letzten paar hundert HM dieser alten Schotterstrasse folgen um unten auf der Strasse anzukommen. Dort wechselte ich augenblicklich auf meine Sandalen. Um es vorwegzunehmen, war das das letzte mal, dass ich fuer heute mit meinen Wanderschuhen gelaufen bin.
Las Illas

Der Strassenhatsch zog sich auch sehr, sehr lange hin. Erst zum Berg hin, dann wieder herauslaufend und dann um den einen Buckel herum nach Las Illas. So galt es, um die 3,5 km einen Autobahnhatsch zu erledigen, aber es erwartete mich bei weitem noch mehr Autobahn fuer heute. Beim Dorf angekommen suchte ich erst mal abweichend vom GR10 das Restaurant auf, wo ich mir gleich Cola+Bier holte. Zu Essen gab es aber fuer mich nichts, da ich ja selbst etwas dabei hatte. So legte ich meine Fresstuete auf einem Stuhl neben mir ab und futterte daraus heimlich und versteckt immer mehr von meinem Baguette, dem Kaese und den paar Scheiben Schinken. Dann gab's nochmal einen Nachschub von Cola+Bier. Es galt nur noch 200 HM Aufstieg und dann einen laengeren Abstieg bis Le Perthus zu bewaeltigen. So versandelte ich dort wohl fast eine Stunde, was aber auch so geplant und gut fuer meine Fuesse war. Diese Etappe brauchte auch deutlich laenger als geplant. Der Drecksfuehrer gab fuer diese Tour auch nur 12-Komma-irgendwas Kilometer an, wobei es in Wirklichkeit ueber 20 km waren. Der Fuehrer gehoert sich wirklich in die Tonne geschmissen. gegen halb 2 brach ich dann in die naechste Etappe auf. Es war bereits sehr spaet, aber nach La Perthus wollte ich auf jeden Fall noch gehen. Ob ich danach noch weitergehe, war noch nicht klar, aber so und so wuerde ich damit den GR10 in 30 Tagen schaffen was ich mir vor ein paar Tagen als Ziel gesteckt habe.
Die verfallenen Haeuser nach dem Aufstieg bei Las Illas

Mit den Sandalen an den Fuessen und den Wanderschuhen ueber meinen Schultern haengend ging's nun weiter zurueck durch das Dorf zu den GR10 Markierungen und die Strasse weiter. Vom Besitzer der vorherigen Gite wusste ich, dass der Weg hier etwas umgeleitet wurde, aber darauf hatte ich keine Lust, da dieser wohl ueber einen Wanderpfad gehen wuerde, ich aber mit Sandalen auf einen Autobahnhatsch eingestellt war. So folgte ich den uebermalten Wanderwegzeichen, die jetzt im Rueckblick verdammt schwer zu finden waren. Warum ich das tat war relativ einfach: Ich vermutete, dass die Umleitung mind. 1 km mehr dauern wuerde, da ich nicht genau wusste, wo die Umleitung verlief. Deshalb beschloss ich eben, dem alten Pfad zu folgen. Die meisten Markierung waren ueberpinselt, aber bei jeder Weggabelung folgte ich entweder den ueberpinselten Markierungen oder meiner Intuition. Der Teerstrasse folgend gelangte ich auf diese Weise ganz langsam hoeher. Diese zog sich naemlich in vielen Kehren nach oben, statt direkt irgendeinem querfeldein verlaufendem Wanderweg zu folgen. Die Teerstrasse wurde bald zur Schotterstrasse die mit vielen Abzweigungen vor sich herlief. Ich war jedes mal sehr, sehr erleichtert, als ich wieder eine uebermalte GR10 Markierungen gesehen habe. Normalerweise werden die alten Markierungen nachdem diese aus Sichtweite sind, beibehalten. Nicht so aber hier. Hier waren wirklich alle rot-weiss Markierungen welche parallel verliefen und somit den richtigen Wanderweg anzeigten ueberpinselt. Nur die Kreuze die den falschen Wanderweg anzeigten, waren teilweise noch erhalten. Nach einer gewissen Zeit gelangte ich dann nach "Mas Nou" und endlich sah ich wieder klar erkennbare Markierungen. Uebrigens ist der Grund fuer die Umlegung des GR10 wohl der Neubesitz eines Grundstueckes, durch den der GR10 verlaeuft.
Die Abkuerzung welche von der Autobahn wegfuehrte

Dann gelangte ich auch nach den vllt. 200 HM Anstieg an den Uebergang fuer heute, von dem ich mir einen schoenen Ausblick erwartet haette. Tja, nur war damit nichts. Der Weg war in dichtes Buschwerk eingerahmt und bot mir weder Ausblick, noch Handyempfang, um wieder meine Oma anzurufen. Schon den ganzen Tag ueber hatte ich nur max. einen Balken zum telefonieren und damit viel zu wenig um damit ein sinnvolles Telefonat zu fuehren. Hier versuchte ich es bei 2 von 4 bis 5 max. Strichen nochmal, aber das Gespraech brach dann wieder ab. Der Autobahn lief ich so weiter nach mit meinen, naja, nicht wirklich meinen ..., wunderbaren Sandalen. Der Weg stieg ganz, ganz langsam weiter bergab. Ich war heilfroh ueber meine Sandalen. Es galt ueber diesen Weg tatsaechlich 400 HM abzusteigen, was gar nicht so einfach wg. der geringen Steigung war. Dann zweigte auch noch ein richtiger Wanderpfad ab. Hm... was ist denn nun los? Ein Blick in der Karte verriet mir eine prima Abkuerzung von einem langen, absolut sinnlosen Strassenhatsch. Prima, der wird mit Sandalen mitgenommen. Allzuviel Auf und Abstieg war aber auch hier nicht zu schaffen. Die Landschaft hier war wieder furz trocken und ich freute mich regelrecht, dass der Himmel bewoelkt war. Andernfalls waere das wirklich zur Qual geworden. Danach kam ich aber auf der Strasse mit einem Ausblick heraus, der mir nur allzu bekannt vorkam. Le Perthus. Dem Ort der Obergrattler und von einer Festung die mich schon beim GR11 interessiert hat.
Die Befestigung bei La Perthus in der Ferne

Der Weg zog sich tatsaechlich erst absteigend, dann wieder lange aufsteigend in der Naehe der Festung vorbei und so gelangte ich in's Dorf Le Perthus. Das ist genau der Grattlerort, bei dem ich wegen dem Verhatscher beim GR11 herausgekommen bin. Damit war mir auch eines ganz klar: Die Wanderwege vom GR10 und GR11 von meinem GPS Log werden sich nun unweigerlich beruehren und sogar noch kreuzen wie ich befuerchtete. Ich sah naemlich schon beim GR11, dass es einen laengeren oder kuerzeren Alternativweg zum GR10 gab. Im Dorf suchte ich aber erst mal den Supermarkt auf, den ich vor ungefaehr 2,5 Monaten aufsuchte und deckte mich dort mit frischem Zeug ein: 2 Flaschen spritziges Wasser und Orangensaft aus dem ein SOS Wasser gezaubert wurde. 2 Dosen Bier, wobei eine fuer sofort war und eine fuer den morgigen letzten Huegel. Dann noch eine Dose Cola, welche sogleich in meinem Magen nach der Dose Bier verschwand. Ich rief vorsichtshalber auch das Chalet beim Col l'Ouillat an, um zu sichern, dass ich auch etwas zu spachteln bekomme. Ansonsten muesste ich noch ein bisschen Nudelsauce hochschleppen um mir ein Schlemmermenue zu bereiten.
Zurueck in dem grauenhaften Ort La Perthus

Nach einer halben Stunde Pause ging's dann gleich weiter. An die Unterquerung der Autobahn konnte ich mich gar nicht mehr erinnern. Nun ist es hier Sperrstunde und ich mache Schluss mit dem Tagebuchschreiben fuer heute. Bonne nuite! So, nun geht's weiter. Im Eifer des Gefechtes lief ich sehr, sehr schnell vor mir her die Strasse entlang. Als ich beim GR11 vom Weg abkam, sah ich schon, dass bei der Strasse ein gekreuztes rot-weiss Symbol angezeigt wurde, weshalb der GR10 wohl verlegt wurde und auf der Karte konnte dieser neue Weg eigentlich nur gut sein, da dieser zwischen Grenzverlauf und Strasse verlaufen musste und damit auch ohne viel Umweg sein muesste. Deshalb folgte ich auch dem neuen GR10. Auf diese Weise minimierte ich auch den Ueberlapp mit dem Fehlhatsch auf dem GR11. Der neue Weg verlief dann ueber eine ausgetrocknete Landschaft steil aufsteigend nach oben. Der Weg war damit definitiv schneller als der langweilige Autobahnhatsch auf der Strasse. Aber nicht nur schneller, sondern auch noch schoener ohne dem ganzen Teer unter den Fuessen. Uebrigens beschloss ich, heute nicht mehr die Wanderschuhe anzuziehen, ausser es ist unbedingt moeglich [noetig].
Auf dem GR10, der nicht mehr ueber die Strasse verlief

Nachdem der Weg erst auf einer kleinen Schotterstrasse hoeherfuehrte, zweigte schon bald ein kleiner Wanderpfad davon ab, der durch eine trockene Landschaft mit ein paar Bueschen und Baeumen weiter hoch verlief. Dann erspaehte ich vor mir einen anderen Wanderer, der sich mit ganz langsamen Schritten den Berg hochquaelte. Ist das etwa ein anderer GR10 Wanderer? Das konnte er mir dann auch auf Englisch bestaetigen. Er machte auf mich aber nicht gerade den Eindruck wie wenn er den ganzen GR10 bisher gelaufen ist, da er ziemlich kaputt ausgesehen hat. Dem Aussehen seiner Zaehne nach zu urteilen kam er auch aus England. Ich hatte aber nicht lange Zeit um mich mit ihm zu unterhalten und lief eilig weiter auf einer Schotterstrasse, welche nun auf gleicher Hoehe verlief. Ja zum Glueck hatte ich meine Sandalen an. In den Wanderschuhen haette ich wohl jetzt vor Schmerzen geschrieen. Auf der Karte erkannte ich den Weg dann auch schon bald wieder. Nun war ich auf einem offiziellen Wanderweg, der auch schon in der Karte von 1991 verzeichnet war. Als ich dann einen Wegweiser vor mir sah, der nach rechts Requesens zeigte kam mir diese Stelle sehr, sehr bekannt vor. Als ich nach ein paar Metern dann einen kleinen Rinnsal ueberquerte, welcher mit Beton befestigt war, war ich mir sicher, dass das die Stelle war, an der ich vom GR11 nach dem Abkommen auf den GR10 gestossen war. Da der GR10 auch noch umgeleitet wurde, hatte ich eben auch die grossen Probleme mit der Orientierung und war verwirrt. Den nun folgenden Weg kannte ich bereits, allerdings kam mir dieser bei weitem nicht mehr so anstrengend vor wie noch vor ein paar Wochen.
Wieder einmal verlief der GR10 direkt der Grenze entlang

Nach den paar Kehren und einem steilen Aufstieg von ein paar Minuten gelangte ich dann zur Strasse hin und nun musste ich eine weitere Entscheidung treffen. Entweder wandere ich weiter auf dem GR10 und laufe den Weg, den ich schon beim Verhatscher gelaufen bin, oder ich laufe die Strasse weiter hoch. Es gab auch noch ein weiteres Entscheidungskriterium. Laut meiner alten Karte musste ich ueber den Wanderweg 100 HM weiter hochlaufen, als das Chalet hoch gelegen war. Diesen Abstieg muesste ich dann morgen wieder weiter hochlaufen, worauf ich auch keine Lust hatte. Deshalb beschloss ich, der Strasse entlang weiterzulaufen, was gut einen km mehr an Distanz forderte. Dieser Hatsch von etwa 3,5 km zog sich auch wieder mal ewig hin. Das Chalet konnte ich bei einer Wegbiegung schon von unten sehen. Auf dem Strassenhatsch spuerte ich dann auch wieder meine alte Verletzung, die ich mir ganz am Anfang auf dem GR11 zugefuegt hatte. Mein linker Fuss stach wieder sackrisch innen drin, aber erstens kenne ich das schon, zweitens ist es mir mittlerweile egal und drittens kann sich der Fuss in einem weiteren Wandertag in aller Ruhe auskurieren. Es dauerte wohl noch eine weitere halbe Stunde, bis ich dort oben beim Chalet ankam. Statt der 3 Stunden benoetigte ich nur 2 Stunden was wirklich eine gute Leistung war. Die 2 Liter SOS Wasser waren auch fast gaenzlich ausgetrunken. Mit der Ankunft bei dem Chalet war auch der Grossteil des Aufstieges von dieser Bergkette geschafft, welche ich vor 2 Tagen schon von weiter Distanz gesehen hatte. Da konnte ich fast nicht glauben, dass ich hier in 2 Tagen bin. Das ist dann auch die letzte Bergkette, die mich nach Banyuls herunterfuehren wird.
Die herrliche Wolkenkonstellation beim Sonnenuntergang

Um Punkt 7 kam ich bei dem Chalet an und erkundigte mich gleich nach dem Abendessen. Das gibt es um Punkt 7. Mist! Also ging ich schnell unter die Dusche, die im Nachbarhaus war und waschte meine Sachen nicht, da das Essen ja schon anfing. Zurueck beim Essen wurde mir dann ein Einzeltisch zugewiesen und ich stellte fest, dass das Essen hier separat fuer jeden Tisch gebracht wird. D.h., ich haette mich gar nicht so beeilen muessen, sondern haette in aller Ruhe duschen koennen. Der erste Gang bestand aus einem leckeren Salat und danach bat ich darum, dass das naechste Gericht erst in 10 Minuten geliefert werden wuerde, da ich noch meine Sachen waschen will. Zwar reichen aus meiner Sicht 10 Minuten nicht aus, um die Sachen richtig sauber zu waschen, aber fuer einen weiteren Tag sollte es das schon tun. Zum Trocknen haengte ich die Waesche ueber meine Wanderstoecke die draussen ueber ein Beton L-Stueck lagen. Der Wind sollte diese schon trockenblasen. Achja, der Wind. Dieser blies beim Aufstieg und schon seit Tagen auch wieder deutlich staerker als sonst. Man merkt regelrecht, dass man naeher zum Meer kommt. Nach dem Waschen ging's mit dem Hauptgang weiter: Spaghetties mit irgendeinem Gemuesezeug und dazu ein schoenes Stueck Fleisch. Ja!!! Fleisch!!! Genau das Richtige nach dem gestrigen Vegetarieressen. Als Nachspeise waehlte ich dann eine Art Kaese mit Honig aus. Der Himmel hatte gestern auch noch etwas zu bieten. Es bildete sich an einer bestimmten Stelle im Himmel ein Aufbauschen von Wolken. Einfach herrlich, das jetzt am vorletzten Tag sehen zu duerfen. Spaeter am Abend holte ich mir dann nochmal eine weitere Nachspeise, naemlich Crema Catalana, die ich wohl seit dem GR11 nicht mehr bekommen hatte. Evtl. erinnere ich mich aber einfach nicht mehr daran.
Prima Essen!

Irgend so eine scheiss Muecke hat mich gestern auch 2x in die linke Archillessehne gestochen, weshalb diese geschwollen ist und nicht gerade wandertauglich erscheint. Es hat sich heute aber nichts gefehlt und ich bin tatsaechlich 45 km gelaufen. Allerdings nicht mit soviel Hoehenmetern wie schon bei anderen Marathonlaeufen. Mit einem halben Liter Wein und noch 2 weiteren grossen Bier huschte ich dann nach 23 Uhr in's Matratzenlager und in meinen Schlafsack.