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Donnerstag, 11.09.2014
Tag 20 - Abkuerzen und ab in die Therme
Rouze → St-Lizier → Col d'Fitte → Col d'Escouts → Cascade du Fouillet → Aulus-les-Bains

Der heutige Tag war doch noch relativ anstrengend und auch lange, obwohl ich eine Abkuerzung genommen habe. Ansonsten haette es aber nicht mehr mit der Therme geklappt und in diese wollte ich unbedingt noch rein um meine Fuesse wieder etwas aufzupolieren.
Eines der fast verlassenen Doerfer

Es ist fuer mich fast unfassbar, dass heute schon der 20-ste Tag ist. Aber es sind jetzt auch nur noch weniger als 2 Wochen bis zum Mittelmeer. In der Nacht konnte ich sehr, sehr gut schlafen. Immerhin hatte ich umgerechnet 5 Halbe Bier getrunken und noch ein bisschen Wein, den es zum Abendessen gab. Der eine Englaender dem seine Huegel zuhause zu klein sind stand schon um 6 Uhr oder sogar frueher auf, da er irgendwo sehr weit hinfahren wollte. Kurz vor 7 Uhr stand dann auch der andere Franzose auf und um 5 nach 7 rappelte ich mich auf. Die Sonne stieg gerade auf und huellte die Spitze des Mont Valier in ein schoenes Morgenrot. Man hat von dieser Gite aus wirklich einen wahnsinnig schoenen Blick auf diesen Berg. Dann wurde auch schon das Fruehstueck geliefert. Es gab kalte Milch, Kaffee, frisch gebackenes Brot, wohl selbstgemachte Butter und 3 unterschiedliche Sorten an Marmelade die auch selbstgemacht aussahen und vor allem schmeckten. So ein wahnsinnig tolles Fruehstueck hatte ich ja schon seit langem nicht mehr. Gerade das frische Brot und die anderen frischen Zutaten... ein Traum. Diese Gite ist uebrigens fuer ihr hervorragendes Essen bekannt. Angeblich gibt es hier das beste Essen auf dem ganzen GR10.
Diese Kuehe koennen den schoenen Ausblick jeden Tag geniesen

Die Milch machte ich mir auf dem Gasherd warm den es hier fuer Selbstversorger gab und machte mir so ein paar Schuesseln heisse Schokomilch. Zig Brote verputzte ich auch noch. Es wurde mir auch der Proviant gebracht, den ich mir gestern zusammenstellte. Ein halber Laib Brot, ein Apfel und ein selbstgemachter Stinkerkaese. Jedenfalls wird er bald in meinem Rucksack herrlich zu stinken anfangen. Das ist die gleiche Kaesesorte wie einer von denen, die ich gestern probieren durfte. Ich machte mir auch Gedanken ueber die Rentabilitaet von dem Unternehmen hier. Da die hier sehr vieles selbst anbauen und auch Tiere halten ist es sicher schwer, sich ueber Wasser zu halten. Dass sie hier aber auch direkt die Ware an den Mann bringen, duerfte der Grund dafuer sein, warum sich das hier auch rentiert. Ich kaufte auch noch zwei Suppenpackungen ein fuer alle Faelle. Der Angestellte vom Wirt oder vllt. war das auch der Wirt selbst war nicht schlecht ueberrascht, als er meine Bierflaschensammlung auf dem Tisch sah. Hier werden naemlich Kinderbier verkauft, also 0.25 Liter Flaeschchen. Den Restkaese von gestern holte ich auch noch aus dem Kuehlschrank in meine Fresstuete und so startete ich dann mit 2 Liter Wasser in den heutigen Tag.
St-Lizier

Als erstes lief ich durch das Gatter, was sich mir als schoenen Wanderweg anbot und ich wurde prompt darauf hingewiesen, dass das nicht der Wanderweg sei. Dieser gehe dort unten am Haus vorbei. Prima. Schon in der ersten Sekunde falsch gelaufen... Als erstes gab es jetzt 500 HM bevor, also nicht gerade viel. Der Weg dorthin war ab und zu aber sehr, sehr steil. Wieder mal hatte ich Probleme damit, mit meinen Fussspitzen Halt zu bekommen und musste meine Wade mehr dehnen, um die Haltekraft durch die ganze Sole nutzen zu koennen. Immer mal wieder zweigte der Weg ab und fuehrte an sehr, sehr vielen teils noch brauchbaren, oft aber verfallenen Haeusern vorbei. Da der GR10 schon ueber 50 Jahre alt ist, muss das hier vor 50 Jahren noch einen ganz anderen Eindruck gemacht haben. Es waere sicher mal spannend, Fotos von dieser alten Zeit zu sehen. Ein Haus war sogar gerade bewohnt und es stuermten leider 2 bloede Koeter bellend und knurrend auf mich zu. Die Besitzerin plaerrte dann irgendwas umher, aber die Hunde interessierte das nicht sonderlich. Ich lief einfach langsamer weiter und die Hunde liessen mich dann auch mal wieder in Ruhe. Ueber weitere steile Wanderwege verlief der Weg dann weiter und weiter hoch und auch ueber einen Schlammweg, bei dem ich irgendeinen Trampelpfad durch irgendeine andere Sumpfwiese nahm, da hier kein Durchkommen war. Die ganze Zeit lief ich soweit im Schatten und dann gelangte ich in die Naehe des Col de la Serre du Cot, wo mich die Sonne blendete. So zog ich wieder meinen Schlapphut auf und [zwar] ganz tief ueber mein Gesicht.
Der Wanderweg zum Col d'Fitte hoch

Oben angekommen konnte ich nochmal einen Blick zurueck auf den Mont Valier werfen, ehe ich mich an den Abstieg machte. Naja, machen wollte waere wohl besser gesagt. Mit Markierungen hier oben sah es naemlich sehr mager aus. Das Abzaehlen der moeglichen Wanderwege und der Abgleich mit der Karte brachte dann aber eine Entscheidung und so folgte ich einem Trampelpfad bei dem ich kurze Zeit spaeter auch rot-weisse Markierungen fand. Dieser Weg stieg dann erst mal in 2 Kehren und dann weiter ab, aber bei weitem nicht so steil wie der Aufstieg war. Vllt. ist der GR10 wirklich darauf optimiert, dass die Aufstiege im Durchschnitt steiler sind als die Abstiege. Der Abstieg querte auch mal eine Schotterstrasse, verlief auch mal ueber einen Wanderweg, der eher ein Bach war als ein Wanderweg. Dann lief ich noch eine steinige Strasse fuer sehr viele Kehren weiter runter bei der die Steine aber zu gross waren, um mit Sandalen zu laufen und so gelangte ich runter auf die Hauptstrasse nach St-Lizier. Sogleich wechselte ich auf meine Sandalen. Auch wenn es nur 1 bis 2 km waren, die ich mit Sandalen laufen konnte, so wollte ich meinen Fuessen die Erholung geben, die sie verdient haben.
Der Ausblick als ich Pause machte

Als ich bei dem Campingplatz vorbeigelaufen bin, wollte ich doch einen Blick riskieren. Vllt. gibt es hier ja einen kleinen Supermarkt und auf die Toilette musste ich auch. Beides fand ich vor Ort und machte auch von beidem Gebrauch. Ich kaufte mir eine Dose Bier fuer unterwegs, holte mir eine geraeucherte Wurst, eine Flasche spritziges Mineralwasser und auch Wattestaebchen. Letztere benutzte ich nun nach vllt. 5 Wochen wieder das erste mal und diese brachten beeindruckendes zu Tage... Die Pause war aber nur kurz, da ich ja noch weiter musste und nach vllt. 15 Minuten ging's sogleich weiter. Mit den Sandalen lief ich noch etwas die Hauptstrasse entlang, dann kam die Abzweigung nach links, dann ein etwas grasigerer Weg den ich auch noch mit Sandalen lief und dann zweigten zwei GR10 ab. Der eine fuehrte erst ueber's Tal durch ein Dorf und dann nach oben. Der andere schien gleich nach oben zu fuehren. Prima, den nehme ich! So zog ich wieder meine Wanderschuhe an und machte mich an den Aufstieg ueber den Weg, der nur gestrichelt in meiner Karte eingezeichnet war. Dieser zog sich ueber einen huebschen Weg, der links und rechts mit grossen Steinen eingezaeunt war von denen manchen bereits in den Weg gefallen sind. Dann schlaengelte er sich irgendwie hoch und stieg dann in eine Richtung auf, bei der ich mir nicht sicher war, ob das die richtige war. Mit Kompass und Karte ueberzeugte ich mich dann von der Richtigkeit, aber irgendwas passte nicht. Hm... vllt. biegt der Weg bald um und verlaeuft dann richtig, dachte ich mir und stieg den steilen Weg dann weiter auf.
Der Weg zur Skistation

Wieder mal bereiteten mir die fehlenden Sohlen an den Fussspitzen Probleme, aber der Weg fuehrte bald angenehm aufsteigender weiter. Immer wieder mal plagte mich eine Ungewissheit, ob das auch der richtige Weg ist, aber als dann der andere GR10 wieder dazugestossen ist, war ich wieder beruhigt. Weiter und weiter ging's durch den Wald den Berg weiter hoch und als ich oben bei der Stelle angekommen war, die in der Karte als Fitte eingezeichnet ist, sah ich vor mir etwas gar grauseliges: Ein Berg war mit unterschiedlichsten Haeusern zugepflastert und daneben lauter Skilifte. Ja pfui. Allerdings wollte ich hier auch Pause machen und so setzte ich mich auf einen Grashuegel, zog meine Schuhe und die Socken aus und machte mich an die Pause um 12 Uhr. Ich packelte erst mal den einen kleineren Kaese von gestern Abend aus und dazu ein bisschen Brot. Beides war einfach nur verdammt lecker. Dann schnitt ich auch noch ein paar Scheiben von der geraeucherten Wurst vom Campingplatz ab und genoss das Ganze einfach nur. Dazu kredenzte ich auch noch die 1/2 Liter Dose Bier die ich hochgeschleppt hatte. Tja, besser kann's fast nicht mehr sein. Das erinnert mich mittlerweile immer an die langen Pausen, die ich mit Julie eingelegt habe. Allerdings gab es fuer mich keine Siesta sondern nach einer halben Stunde ging's weiter. Das waren erst die ersten 700 HM und ca. 200 bis 300 fehlten noch.
Abstieg in den Bergeinschnitt

In der Ferne sah ich auch schon die Markierungen, welche mich an dem Mountainbikeweg vorbei wieder mal steil den Hang, fast direkt aufsteigend, hochfuehrten. Weiter oben lief ich dann kurz auf dem Mountainbikeweg, da ich keine Markierungen mehr fand und konnte weiter oben ein Schild sehen, dass es nicht erlaubt sei, auf diesem Weg zu laufen. Naja, was soll's. Dann sah ich in der Ferne auch schon einen Berg voll mit Skiliften. Pfui Teufel. Vor 50 Jahren war das wohl noch nicht hier. Der Weg verlief dann erst mal wieder ganz leicht bergabsteigend weiter herunter. Ohne die Markierungen waere es wohl schwer gewesen, den richtigen Weg zu finden, da hier oben alles mit irgendwelchen Fahrtwegen in der Weise voll war. Der GR10 wurde dann aber gluecklicherweise wieder zu einem Wanderpfad und verlief mit ein bisschen Auf und Ab den Hang rechts um einen Berggipfel entlang.
Ist das der sehenswerte Wasserfall?

So kam ich zum Col d'Escouts bei dem ich mich wieder auf die Suche nach Wegmarkierungen begeben musste. So ganz einfach war das heute aber wirklich nicht. Der Weg verlief dann weiter einem anderen Berghang entlang und ich sah ueberall ein paar Grashalme oder abgeschnittenen Farn herumliegen. Da ist wohl jemand mit dem Bergrasenmaeher ueber den GR10 gelaufen. Prima, dann ist das wenigstens kein zugewucherter Weg. Der GR10 verlief so immer etwas auf und absteigend den Hang entlang weiter, ab und zu stieg er steil ueber Steine herab und dann gelangte ich ueber den Fluss in der Bergschneise um mich dann an den Abstieg zu machen. Hier haette es die Cascade du Fouillet geben sollen und ich hielt ja wirklich danach Ausschau. Aber irgendwie konnte ich nichts wirklich Schoenes finden. Beim Abstieg ueberholte ich noch 2 ruestige alte Damen vor denen ich wirklich Respekt hatte, dass diese in ihrem Alter noch so flott unterwegs sind. Die sind wohl um die 50 oder 60 Jahre alt gewesen. An irgendwelchen Wasserfaellen vorbei schlaengelte sich der Weg weiter und weiter runter und dann kam ich an die Abzweigung, bei der ich die Qual der Wahl hatte. Entweder, ich laufe jetzt den GR10 weiter, um noch an so einer bloeden Cascade vorbeizukommen (ich habe mittlerweile schon so viele gesehen, dass diese ganz sicher nicht das toppt, was ich bisher gesehen hab') und einen riesen Umweg zu laufen oder ich laufe einfach direkt nach Aulus-les-Bains herunter, um noch rechtzeitig in die Therme kommen zu koennen. Es war mittlerweile naemlich bereits 15 Uhr und der Abstieg wuerde nochmal eine Stunde verbraten. So entschloss ich mich gleich abzusteigen. Meine Fuesse schmerzten sowieso schon wieder und vom GR11 her weiss ich, dass die Therme den Fuessen und Waden sehr, sehr gut tun wuerde.
Die alte Wandermarkierung, auf dem "nicht" GR10 Weg

Damit lief ich nun nach Wegweisern und nicht mehr nach den rot-weissen Symbolen. Der Umweg haette uebrigens voraussichtlich weiter 2 Stunden verschlungen... Auf dem Abstieg fand ich allerdings 2 rot-weiss Markierungen. Der GR10 ist hier wohl fruehers verlaufen und wurde nachtraeglich umverlegt. An ein paar alten weiteren verfallenen Haeusern ging's weiter bergab und um's kurz zu machen kam ich erst auf einer Hauptstrasse heraus und folgte dann einfach irgendeinem Wanderweg der nicht in der Karte eingezeichnet war.
Der Weg beim Abstieg in's Tal

So kam ich zufaelligerweise direkt bei der Therme heraus wo hin hinwollte. Dort erkundigte ich mich nach den Preisen und Oeffnungszeiten. Die Gite d'Etape war auch nebenan in vllt. 2 Minuten Entfernung. Dort holte ich mir schnell die Unterkunft und lief dann gleich weiter zur Therme. Eine Badehose sowie eine Badekappe musste ich mir kaufen, allerdings kam ich mit etwas ueber 20 EUR davon und das war's mir auch wert. Das Bad selbst war aber eher enttaeuschend. Es gab ein grosses Becken mit ein paar Duesen und einem Whirlpool. Dazu dann noch ein Hammam, das wohl nachtraeglich eingebaut wurde und aus Plastik bestand. Naja, ich machte das Beste daraus und es hat sicher meinen Fuessen gut getan. Ich verwendete die Duesen wie schon auf dem GR11 dazu, um meine Waden sowie die Fusssohlen massieren zu lassen. Fuer 2 Stunden verweilte ich so im Bad und machte mich dann an den Rueckweg zur Gite wo ich meine Sachen waschte. Ja, das war's dann eigentlich auch schon. Nun ist es kurz vor 8 Uhr und es wird wohl Essen geben. Lt. Fuehrer muss das Essen hier auch hervorragend sein. Heute schlafe ich im Gegensatz zu gestern in einem 2-Bett Zimmer.
Das eher enttaeuschende Thermalbad

Das Abendessen beim Gite d'etape La Goulue war sehr lecker. Erst mal gab's eine Art Minikuchen gefuellt mit Fleischzeug. Das hat mich irgendwie an die Fleischtoertchen aus England erinnert. Als Hauptgang gibt's Nudeln mit Zuchini und Hasenfleisch. Als Nachspeise gab es einen leckeren selbstgebackenen Kuchen, der schon am Nachmittag den Raum mit einem wunderbaren Duft erfuellte.
Die Unterkunft mit dem prima Essen

Ich habe gerade ausgerechnet, dass ich im schlimmsten Fall (Umkehren wg. Unwetter nicht eingerechnet) am 25. September am Mittelmeer ankommen werde. D.h., dass ich noch genau 2 Wochen unterwegs sein werde. Die kommenden Etappen werden wohl auch etwas kuerzer, da man diese nicht so gut zusammenlegen kann. Aber das werde ich dann spontan entscheiden, je nach koerperlicher Verfassung. Dass ich so schnell unterwegs bin wie bisher, hatte ich sowieso nicht fuer moeglich gehalten. Vllt. klappt das auch in den kommenden 2 Wochen.