Translate page to English
Traduire la page en fran├žais
GR11   Vorwort   1   2   3   4   5   6   7   8   9   10   11   12   13   14   15   16   17   18   19   20   21  22  23  24  25  26  27  28  29  30  31  32  33  34  35  36  37
GR10   Vorwort   1   2   3   4   5   6   7   8   9   10   11   12   13   14   15   16   17   18   19   20   21  22  23  24  25  26  27  28  29  30  Tagebuch herunterladen
 
 
 

 

Mittwoch, 03.09.2014
Tag 12 - Hammerabstieg von der hoechstgelegenen Huette
Refuge de Bayssellance → Cabane de Lourdes → Sausse-Dessus → Refuge des Granges de Holle → Saugue → Granges de Bue → Sia → Pont Napoleon → Luz-Saint-Sauveur

Der heutige Tag gehoert wohl zu einem der aufreibenderen Wandertage nachdem, was ich bereits gestern geleistet habe. Wieder habe ich 2 Etappen zusammengelegt, welche gemeinsam ueber 14 Stunden dauern haetten sollen. Allerdings packte ich das in etwa 10 Stunden, wenn auch mit einer kleinen Abkuerzung.
Der Gletscher hoch zum Vignemal - aber nicht der GR10

Die Nacht selbst war sehr kalt. Aber ich habe auf ueber 2650 HM auch nichts anderes erwartet. Das ist fast so hoch wie die Zugspitze. Ich bin mit angezogener langer Hose, dem Flies und Socken in meinen Schlafsack gekrochen, aber es war immer noch ein bisschen kalt. Mit Julie waere das sicher anders gewesen :-). Die Nacht war sternenklar, weshalb die Waerme welche den Tag ueber vorhanden war, schnell in den Himmel gefluechtet ist. Wenn es naemlich ueber die Nacht wolkig ist, haelt sich anscheinend die Waerme laenger nahe des Bodens. Ein paar Mal bin ich tatsaechlich aufgewacht, aber das war wohl wg. der raschelnden Sicherheitsdecke die ich unter das Zelt gelegt habe, nicht wg. der Kaelte. Dabei stellte ich aber fest, dass es wirklich sehr, sehr kalt ist und mummelte mich noch mehr in den Schlafsack rein. Oh Mann, meine Fuesse schmerzen beim Schreiben sehr. Denen goenne ich erst mal wieder eine Massage nach dem, was die heute geleistet haben... So, fertig. Meinen Wecker stellte ich auf 6:30 Uhr um den Sonnenaufgang sehen zu koennen, falls dieser schoen sein sollte. Als ich dann aus dem Zelt schaute, war aber nicht viel zu sehen. Um 6:45 Uhr war zwar etwas Morgenroete, aber sonst nichts Besonderes zu sehen, aber ich stand trotzdem gleich auf und packelte in vllt. 10 Minuten meinen Schlafsack, die Thermorestmatte und das Zelt zusammen. Dann brachte ich alles in die Huette, wo ich meinen Rucksack deponiert hatte fuer den Fall, dass es aus irgendeinem Grund heute Nacht feucht werden sollte (Regen, Nebel, etc.). Fuer 3 EUR erstand ich mir dann eine heisse Schokolade, welche ich mir selbst aus heissem Wasser, Milchpulver und Schokopulver vom Fruehstuecksbuffet mischen durfte. Dann holte ich meine Fresstuete, zog das Baguette und den geraeucherten Schinken heraus und machte mir damit ein Festmahl, wie es niemand sonst auf der Huette hatte. Es gab hier naemlich nur ein kleines Fruehstueck mit Marmelade, etc. waehrend ich einen sehr sehr geilen geraeucherten Schinken hatte. Die heisse Schokomilch war auch super und ich holte mir sogar noch etwas Nachschub von dieser koestlichen braunen Fluessigkeit. Als Wasservorrat holte ich mir 2 Liter fuer den Abstieg inkl. dem darauf folgenden Hatsch auf fast gleicher Hoehe bis zu dem Refuge. Meine Wanderhose war gestern nach dem Trocknen uebrigens so steif, dass ich diese sicher einfach so auf den Boden haette hinstellen koennen. Es wird hier mal wieder Zeit fuer eine Waesche, aber dafuer muss ich frueh genug ankommen oder eine Waschmaschine mit Trockner finden.
Eine der in den Stein geschlagenen Notunterkuenfte

Um 7:30 Uhr startete ich dann los und musste feststellen, dass meine Fuesse von gestern immer noch etwas geschwollen zu sein schienen. Jedenfalls sassen die Schuhe deutlich fester als sonst. Den Abstieg startete ich dann im Schatten, da die Sonne es immer noch nicht geschafft hatte, die anderen Berggipfel, welche direkt vor mir in Richtung Abstieg lagen, zu ueberschreiten. Der Abstieg war auch bis zuletzt fast nur ueber felsige Wege. Schon nach den ersten paar Metern spuerte ich meine Kniee. Ja, dieses mal wirklich Beide. Ein Abstieg am fruehen Morgen, nachdem sich die Kniee [nicht] so gut erholt hatten, ist einfach nichts. Aber da muessen die halt jetzt durch. Ich kann ja nicht erst nochmal 500 HM hochsteigen. Uebrigens wundert es mich auch, dass es erst der zwoelfte Tag ist. Mir kommt das eher wie 3 Wochen vor. Mit dem heutigen Tag habe ich damit 7 Etappen irgendwie mit den 12 anderen verbunden. Gar keine schlechte Leistung :-). So, zurueck zum Abstieg. Ein paar seltsame Gestalten ueberholte ich auch beim Abstieg, die wohl noch nie vorher in den Bergen waren. Von Trittsicherheit war da wenig zu sehen. Was die hier oben machen? Die gehen hoffentlich nicht ueber den Gletscher hoch zum Vignemale. Der Weg verlief selbst sehr steil absteigend. Mein linker grosser Zeher, der gestern ein bisschen leichter wurde, machte auch ueberhaupt keine Probleme. Sehr viele Serpentinen fuehrten mich bergab. Es waren erst mal 900 HM zum Parkplatz herunter zu schaffen. Teils wieder etwas aufsteigend gelangte ich dem Flusslauf folgend tiefer und tiefer.
Wasserfall der immer noch im Schatten vor der Morgensonne lag

Die Sonne versteckte sich immer noch hinter den anderen Bergen was ich absolut prima fand. Dann sah ich auch die 3 kleine Hoehlen, welche in den Berg geschlagen wurden. Diese Hoehlen wurden fuer einen der Pioniere der Pyrenaeen in den Berg geschlagen. So konnte er die eine Hoehle als Lager, die andere als Schlafraum und die andere als... vllt. Toilette benutzen. Ach - keine Ahnung. Momentan sehen alle Hoehlen wie Toiletten oder Muelleimer aus. Diese sind in einen unbrauchbaren Zustand verfallen. Auf dem Gletscher des Vignemale konnte ich auch schon in weiter Ferne ein paar Gestalten sehen, die zum Gipfel hochliefen. Es waren von der Huette aus nur noch um die 650 HM, allerdings ueber einen sehr beschwerlichen Weg der eben u.a. ueber den Gletscher geht. Ich selbst hatte aber "nur" einen langen Abstieg vor mir. Teilweise verlief der Weg auch wieder etwas nach oben, um ueber eine Steilwand, bei welcher der Fluss entlang lief, hinwegzukommen. Es gab hier, wie auch schon auf der anderen Bergseite von der ich gekommen bin viele Wasserfaelle zu sehen. Allerdings war die andere Seite deutlich schoener und gruener als diese. Hier ging's einfach nur noch steil runter bzw. fuer Aufsteigende bergauf. Dann mussten auch noch zwei groessere Schneefelder ueberquert werden was aber kein Problem war, da der "Dreck" auf diesen genug Halt gab. Das vermeintliche gruene Feld welches ich in weiter Ferne schon sehen konnte stellte sich dann doch als mit Steinen versehener Bereich heraus, der das Wandern auf diesen runden Steinen nicht gerade angenehm machte. So gelangte ich schliesslich zum Parkplatz und damit waren die ersten 900 HM Abstieg zu Ende.
Wurde dieser Weg mal wieder in den Berg geschlagen?

Jetzt musste eine Entscheidung gefaellt werden: Entweder ich laufe auf der Strasse herunter, was mir mind. eine Stunde einspart, oder ich folge dem Wanderweg welcher immer wieder in Bergschneisen einkehrt, dann wieder raus und immer rauf und runter laeuft. Allerdings brachte mich der Wanderweg auch naeher zum GR11 auf der gegenueberliegenden Seite. Das ist wirklich ein seltsamer Grund, aber ich hatte wirklich Lust, dem GR11 irgendwie wieder nahe zu kommen. U.a. deshalb lief ich den Wanderweg weiter, der mich sogleich wieder 100 HM hoeher brachte und ueber Wiesenwege in ein Bergtal hineinfuehrte hin zu einer leider verschlossenen Huette. Von dort aus waeren es nur 400 HM Aufstieg gewesen, um dann runter nach Bujaruelo zu steigen, wo wir das viele Essenszeug eine Stunde lang vom entfernten Supermarkt herschleppen mussten. Dann verlief der Weg wieder auf der anderen Talseite heraus, wieder hin zum "Haupttal", verlief diesem in etwa gleichbleibender Hoehe entlang und ging dann wieder in's naechste Tal rein. Auch dort fand sich eine verschlossene Huette sowie eine Bruecke, nach der mich der Weg wieder zurueck zum Haupttal fuehrte. Der nun folgende Wanderweg war wirklich schlecht markiert. Allgemein habe ich auch das Gefuehl, dass die Wanderwege in diesem Bereich hier etwas schlechter markiert sind als ich es bisher gewohnt war. Aber ich verliess mich auf meine Intuition und hatte trotz immer wieder abzweigender Wege und vielen verschiedenen Entscheidungen welcher Weg zu waehlen ist, das richtige Fuesschen um auf dem richtigen Weg zu bleiben. Dieser stieg dann nochmal hoeher, teils wieder etwas steiniger, und dann vorbei an einer kleinen Alm. Auf diesem Weg gab es auch immer mal wieder Murmeltiere zu sehen, welche aber nicht wild herumpfiffen wie ich es sonst von denen kannte, sondern sich sehr nah an die Menschen heranwagten. Eines sass sogar ganz still auf einem Stein als 2 Wanderer vllt. 20 Meter daneben pausierten. Ueber einen Bergruecken stieg der Weg dann steil herab. Das Wasser hatte ich mir gut eingeteilt. Bisher hatte ich 1,5 von den 2 Litern getrunken. In meiner Trinkblase befand sich noch ein "Notvorrat" von etwa einem halben Liter, falls ich vom Weg abkommen wuerde und laenger brauchen wuerde. Der Abstieg verlief dann noch kurz ueber die Hauptstrasse um dann sogleich weiter ueber einen Wanderweg runter zum Refuge des Granges de Holle zu fuehren.
Wasserfall

Bei dieser Huette machte ich dann erst mal Pause. Die ersten insgesamt vllt. 1400 HM Abstieg waren geschafft und meine Fuesse pochten schon wieder. Die bekommen wirklich kein Erbarmen, was das Weitwandern bei mir betrifft. Bei dieser Huette holte ich mir gleich ein grosses Bier und eine Cola, welches ich wieder zusammenmischte. Das grosse Bier kostete tatsaechlich 6 EUR. Deshalb habe ich in Frankreich auch nicht so viel Bier getrunken sondern mehr Rotwein, allerdings meine ich, dass ich das Bier deutlich besser vertrage und ich am naechsten Tag mit deutlich mehr Energie in den Tag starte als mit Wein. Als ich dann fragte, ob ich Brot kaufen koennte, meinte der Wirt, dass es das unten in Gavarnie geben wuerde. Darauf antwortete ich, dass ich dort aber nicht runter will. Aber das brachte auch nichts. Auf die Frage, ob ich denn ein Sandwich haben koenne, bekam ich nur die Antwort, dass das jetzt nicht moeglich sei. Ich hatte naemlich kein Brot mehr dabei und ansonsten nur Kaese und Wurst die ich haette pur essen muessen. Auf die Frage, wo denn die Toilette sei, meinte der Wirt, dass ich diese erst in 10 Minuten nutzen koenne. Ja so eine seltsame Huette! So meinte ich, dass ich das eben in der Natur erledigen wuerde und verabschiedete mich. Bei der Huette konnte ich auch nochmal meine Wasserflaschen auffuellen und war damit wieder mit 2 Liter + Reservewasser ausgestattet. Das muss ausreichen. Falls ich unterwegs nichts finden werde, rationiere ich eben das Wasser.
Die schoenen blauen Orchideen

Zuerst verlief der GR10 Weg weiter einer Mauer entlang, wobei dann mitten ueber den GR10 ein Elektrozaun gespannt war. Ja das ist ja mal gemein. Auf dem Boden rollend ueberwand ich dieses gemeine Hindernis. Nach ein paar Metern Aufstieg gelangte ich sogleich in einen Wald, der mir herrlichen, wunderschoenen Schatten spendete. Das war bei dieser Hitze genau das Richtige und ich lief froh und vergnuegt den schoenen weichen Waldboden herunter. Dieser Spass hatte nach 100 HM aber auch schon sein Ende, als ich unten ohne Baeume zuerst ueber einen Fluss und dann ueber die Strasse musste, die ich heruntergelaufen gekommen waere, wenn ich vorher den Strassenhatsch gewaehlt haette. Dann begann wieder der Aufstieg ueber den Weg, den ich von weiter oben schon gesehen hatte, aber vorerst mal nur 150 HM, dafuer aber in der prallen Sonne. Gegen ein paar Woelkchen haette ich ja wirklich nichts einzuwenden! Es war noch eine gute Stunde zur naechsten Unterkunftsmoeglichkeit, wo ich mir auch etwas zu Essen holen wollte. Ohne Baeume und nach dem ersten Aufstieg wurden ein paar HM gleich wieder kaputt gemacht, um dann wieder aufzusteigen. Dann sah ich zwei Wanderer, welche gerade an irgendeinem Bach waren, und aus diesem abwechselnd mit einer Tasse tranken. Da sagte ich nur noch "Bon apetit" und ging vorbei. Lt. meiner Karte waren darueber Gruenflaechen, weshalb dort wohl auch Kuehe sein koennten die in den Fluss scheissen. Aber wohl bekomm's! Die Markierungen fuehrte mich mal wieder teils ueber Strassen, dann wieder kleine Pfade und das ohne irgendeinen Wiedererkennungswert in der Karte. Irgendwann lief ich auch nicht mehr auf dem GR10, sondern auf einem "Standardwanderweg" mit gelben Markierungen, allerdings kam ich bald wieder auf den GR10 zurueck. Das ist teilweise schon sehr, sehr seltsam, dass der GR10 und die anderen Wanderwege fuer vllt. 200 Meter Wanderweg auseinanderlaufen um dann wieder zusammenzufuehren.
Wenn ich nicht links abgezweigt sondern geradeaus weitergelaufen waere, waere ich nach dem Uebergang beim GR11 herausgekommen

So gelangte ich auch zu der im Fuehrer als Ende dieser Etappe angegebenen Unterkunft Saugue. Es waren erst etwas mehr als 5 Stunden seit dem Start der Etappe vergangen, womit ich 2 Stunden schneller unterwegs war, als im Fuehrer angegeben - inkl. kurzer Pause. Das Bloede an der Unterkunft war aber, dass beim Eingang ein Zettel mit ein paar Worten auf franzoesisch und "18 Uhr" stand. OK, also hier gibt's bis um 6 Uhr nichts, also weiter. Die naechste Moeglichkeit ist weitere 4 Stunden Wanderweg und etwas an Aufstieg entfernt. Was mich genau erwartete, konnte ich aber nur erahnen. Den Wanderweg haette ich selbst naemlich nach dem was ich in der Karte sah etwas kuerzer von der Zeit her als im Fuehrer angegeben. Das konnte nur heissen, dass der Weg nicht ganz einfach war, was sich sobald bewahrheiten wuerde... Anfangs noch gemuetlich ueber schoene Pfade verlaufend gelangte ich so erst mal wieder in ein Tal hinein, dessen Fluss ich ueber eine Bruecke ueberquerte. Danach verlief der Weg weiter hoch, und weiter hoch, und weiter hoch.... ja wie hoch denn noch? Ich stellte mich lt. Karte auf etwa 200 HM Aufstieg ein, die sich aber wie erwartet als mehr herausstellten. Nicht nur, dass der Weg selbst etwas zugewuchert war, er fuehrte auch immer mal wieder bergab. Es war ein staendiges Auf und Ab und erinnerte mich an Korsika. Genau so etwas erlebte ich dort und war alles andere als gluecklich damit. Auf der Karte sah ich dann aber immerhin, dass ich bald in ein Waldgebiet kommen wuerde und dann Schatten haette. Nur wurde daraus nichts. Der Weg fuehrte immer hoeher und einen Wald gab es auch nicht. Das war so irgendwie nicht eingeplant. Aber OK. Es hilft ja nix. Zaehne zusammenbeissen und weiter.
Beim Blick zurueck konnte man noch das Refugio Bayssellance sehen, allerdings ist der Weg dorthin wirklich beschwerlich

Irgendwann schaffte ich es doch zum hoechsten Punkt bei etwa 1850 HM, der aber nicht dem in der Karte entsprochen hat. Hinter dem in der Karte verbarg sich naemlich noch ein hoeherer Punkt. Dann konnte ich endlich Wald sehen. Wald, Schatten, kuehle Luft. Ja, das war sehr, sehr verlockend. Der Weg fuehrte dann ploetzlich abzweigend in den zuerst etwas lichten Wald hinein. Aber besser ein lichter Wald als gar kein Wald. Der Weg verlief dann entweder mal sehr, sehr steil bergab oder eben hin und wieder mal etwas bergauf. Das war wirklich nicht schoen und es erklaerte auch, woher die lange Angabe der Wanderzeit im Fuehrer kam. An irgendeinem kleinen Baechlein fuellte auch ein Wanderer seinen Trinkbeutel auf. Allerdings benutzte er einen Filter um das Wasser zu saeubern. Der hat wohl seinen Wasserverbrauch falsch einkalkuliert. Spaeter ueberholte ich noch vermutlich seine Begleiterin die auch nicht mehr so ganz fit aussah. Anscheinend hatten die Beiden heute noch mehr vor, ansonsten haetten die kein Wasser gebraucht. In diesem kleinen Tal kam ich dann nach weiteren 500 HM Abstieg an, wobei der Wanderweg aber nicht gleich zur Strasse herunterfuehrte sondern immer rechts ein paar Meter ueber der Strasse verlief. Bei diesem kurzen Stueck des Wanderweges ist tatsaechlich auch 2x der Hang abgerutscht. Dann ueberquerte der GR10 die Strasse und der weitere Weg ging weiter ueber den Wald steiler den Fluss folgend bergab, bis er diesen letztendlich auch ueberquerte. Meine Fuesse schmerzten zu diesem Zeitpunkt schon wirklich sackrisch. Eine Pause gab es fuer diese nur kurz bei dem Refuge.
Wanderweg zum Refugio Granges de Holle

Nach weiteren 400 HM Abstieg gelangte ich dann "endlich" zur Strasse herunter. Von nun an hiess es der Strasse fuer ein paar km zu folgen und ich wechselte meine Schuhe durch die deutlich bequemeren Sandalen aus. Hierbei beobachteten mich auch ein paar huebsche Esel und ich sah mich dazu verpflichtet, wieder ein paar von diesen am Kopf zu streicheln. Die waren sooooo putzig. Vor allem, wenn die Ohren hin und her schlackerten wenn diese den Kopf schuetteln. Mit den Sandalen laufend ging's somit der Strasse entlang weiter, welche noch nicht stark befahren war. Dann jedoch gelangte ich auf die Hauptstrasse bei der ich mal wieder meine Wanderstoecke als Abstandshalter zu den Autos verwendete indem ich die Spitzen einen guten halben Meter Abstand zu mir in die Strasse hielt. Aber ich habe das Gefuehl, dass das in Frankreich nicht noetig ist. Hm... das erinnert mich an den einen Rollerfahrer, der mich am ersten Tag beinahe ueber den Haufen gefahren hatte. Darueber habe ich ja gar nichts geschrieben. Dieser fuhr in einer Kurve einfach mit viel zu hohem Tempo und ich musste einen kleinen Sprung zur Seite machen um nicht mitgenommen zu werden. Die Strasse selbst fuehrte dem Fluss entlang weiter, welcher sich immer tiefer und tiefer in den Felsen eingegraben hatte. Nach einer gefuehlten Ewigkeit gelangte ich auch zu dem Campingplatz, wo der GR10 nach links abbog, spaeter aber wieder zur Strasse zurueckfuehrte. Ich musste mir ueberlegen, ob ich beim Campingplatz schnell einkehre, um dort etwas zu trinken. Aber ich hoffte, so frueh wie moeglich am Zielort anzukommen um noch etwas einkaufen gehen zu koennen.
Nach dem Aufstieg mit Gestruepp ging's in dieses Tal herunter

So lief ich gleich die Strasse entlang weiter und sah nach ein paar hundert Metern den GR10 wieder auf die Strasse zurueckkehren. Ja das haette sich ja mal rentiert... In dem kleinen Doerfchen "Sia" war auch alles wie ausgestorben, wenn nicht ein alter Bauer irgendetwas verbrannt haette. Dann war noch eine Entscheidung zu faellen: Entweder weiter auf der Strasse oder nochmal weiter ueber den GR10 und weitere 200 HM aufsteigen, die dann wieder abzusteigen waeren. Hinzu wuerden auch noch ein paar zusaetzliche Wegstreckenmeter [kommen]. Darauf konnte ich wirklich verzichten und so entschloss ich der Strasse weiter zu folgen. Fuer heute reicht's mir wirklich. So lief ich der Strasse weiter entlang, um dann beim Point de Napoleon wieder zum GR10 hinzuzustossen, wo ich bei irgendeinem Touristenverkaufsstand auch Pause machte um mir dort eine Dose Bier und eine Dose Cola zu holen. Bei einem schattigen Plaetzchen schuettete ich mir auch beides rein und goennte mir noch 5 Minuten weiter Pause. Aber dann musste ich schon wieder weiter. Der GR10 verlief dann bald wieder von der Strasse weg und sogar wieder etwas bergauf zu einer Kapelle die ich nicht weiter beachtete. Die Strasse weiterlaufend kam ich dann zum Campingplatz, der damit den Zielort markierte. Bei einem Restaurant, das auch Zimmer anbot, holte ich mir dann ein Zimmer mit Halbpension fuer 31 EUR und war damit fuer den heutigen Tag fertig. Ja, wirklich fertig.
Pont Napoleon - Ich weiss bis heute nicht, was an diesem Ort so toll sein soll

Das uebliche Prozedere fing an. Das Duschen war unglaublich toll, nachdem ich 3 Wandertage lang keine Dusche gesehen hatte. Die Waesche war auch schnell gewaschen. Dann ging's weiter um die restlichen Besorgungen zu machen. Erst mal stellte ich fest, dass ich mein Klopapier in der Huette oben vergessen hatte. Aber einzelne Rollen gibt's nicht zu kaufen, weshalb ich im Supermarkt viele Taschentuecher einkaufte. In einem Wanderladen fand ich endlich auch einen Ersatz fuer mein zerbrochenes Gabel-Loeffel Besteck. Gestern konnte ich naemlich die Gemuesesuppe mit einem Kiwiloeffel essen. Da passt fast keine Suppe rein... In dem gleichen Wanderladen wo ich das bekommen hatte, holte ich mir auch noch ein paar neue Socken. Bei dem Paar aus Nuria kommt naemlich mittlerweile auch das Traegernetz zum Vorschein und diese stinken einfach nur noch, auch nach dem Waschen. Im Supermarkt besorgte ich mir noch ganz viel weiteres Fresszeug: Apfel, Snickers, Thunfischsalat, Wurst, Baguette, Nuss-Traube Schokolade (ganz selten in den Pyrenaeen zu finden!), 3 Dosen Bier, 2 Flaschen Wasser, 1 Multivitaminsaft, Nudeln und Tomatensauce. Zusaetzlich holte ich mir noch Geld von der Bank um sicher zu stellen, dass ich die kommenden 3 Wochen ohne Bank auskommen werde. Vllt. reicht das Geld auch bis zum Ende, was ich aber nicht so ganz glaube.
Die Kapelle kurz vor Luz-Saint-Sauveur

Dann musste ich schon weiter zum Abendessen und suchte mir dort einen Tisch bei dem ich gleichzeitig an meinem Handy arbeiten, als es auch aufladen konnte. Ich bin heute naemlich mit meinem dritten und damit letzten Akku gestartet. Damit sollte ich nach heute Abend wieder alle Akkus voll haben. Zum Abendessen gab es zuerst mal eine Gemuese-Fleisch Suppe, danach Salat, dann ein Schweinekotelett mit Kartoffelbrei und zum Nachtisch einen Pudding aus dem Supermarkt. Nicht ganz so toll, aber fuer 11 EUR mehr, moechte ich auch nicht meckern. Interessanterweise war fast ueberall etwas Knoblauch mit dabei. Wehe dem, der morgen hinter mir laeuft :-). So, dann bereite ich mal alles fuer den morgigen Hatsch vor. Mal schaun, wie weit ich morgen kommen werde... Beim Essen jedenfalls schmerzten meine Fuesse einfach nur noch und auch meine Wadeln schmerzen, wenn ich darauf druecke. Wg. dem heutigen Abstieg ist wohl auch mein rechter Zehernagel tiefblau geworden. Ich bin gespannt, wie das mit diesem noch endet :-).