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Samstag, 30.08.2014
Tag 8 - Uebernachtung in einer Kapelle?
Lehrs → Col de Barrancq → Borce → Chemin de la Mature → Baigt de Saint-Cours → Col d'Ayous → Refuge d'Ayous → Bious Artigues → Gabas

Tja, der heutige Hatsch war wohl wirklich etwas uebertrieben. Allerdings habe ich wieder das Gefuehl, dass es das Beste war, was ich machen konnte.
Die tief haengenden Wolken konnten nur eines bedeuten: Aufstieg in die Wolken

Die gestrige Unterkunft war der heftigste Unterschied zu der heutigen. Gestern hatte ich nicht nur ein gutes Essen, eine warme Stube, eine Dusche, etc. sondern auch noch das erste mal seit Anbeginn der Reise eine Bettdecke. Das ist wahrer Luxus! Kurz vor 7 hoerte ich schon irgendjemanden unter mir herumscheppern. Das war wohl die etwas hektische Chefin hier die sich um alles kuemmerte. So lieb und gut sie auch alles macht, sie macht alles sehr, sehr hektisch. Als ich um 7 Uhr in den Gastraum ging, stand mein Essen schon bereit. Es gab sogar irgendwelche runden Teilchen fuer eine heisse Milch. Dazu gab ich dann gleich das Schokopulver und hatte damit eine heisse Schokolade mit Chocopops oder so etwas aehnliches. Mit dem O-Saft war das Fruehstueck genau das, was ich brauchte. Ein bisschen Marmelade, Honig und getoastete Brote gab's auch. Das war's dann auch schon mit meinem Aufenthalt in dieser aus meiner Sicht schoenen Gite d'etape.
Kurz vor dem Ueberstieg

Um 7:30 Uhr startete ich dann los. Es war zuerst ein Aufstieg von 600 HM zu schaffen. Nach einem kurzen Strassenhatsch ging's sogleich rechts den Hang hinauf. Der Nebel hing schon wieder sehr tief, genauso wie gestern und ich hoffte wieder mal, ueber den Nebel hinwegsteigen zu koennen. Und wenn nicht auf diesem Aufstieg, dann auf dem Naechsten, denn es erwartete mich heute sehr, sehr viele Hoehenmeter, die ich hochlaufen sollte. Ueber Farnwiesen verlief der erste Weg hoch, dann ueber den Wald. Teilweise zick-zack, teilweise direkt hoch. So ganz genau weiss ich es nicht mehr, weil heute einfach schon zuviel passiert ist. Teils ueber kurze Strecke auf der Schotterstrasse um dann wieder auf einen Waldweg abzubiegen. Weiter oben, kurz vor dem Uebergang laechelte mich dann die Sonne etwas durch die Wolken an. Es gab dabei so schoene Sonnenstrahlen, die vereinzelt hinter ein paar Baeumen hervorschossen. So etwas habe ich bisher auch nur selten in Natura erleben koennen. Der Nebel verlieh dem Ganzen etwas so Mysthisches. Der Aufstieg war also sehr schnell hinter mich gebracht. Ich glaube, dass dieser nur 1,5 Stunden oder weniger benoetigt hat.
Ein Teil des Abstieges verlief wieder ueber Farnwiesen

Dann ging's sogleich weiter bergab, es gab keine Zeit zu verlieren. Einen Ausblick gab's hier auch nicht. Im Nebel verfolgte ich die Markierungen zuerst ueber einen Waldweg, dann ueber eine Wiese, dann wieder ueber einen Waldweg, bis der Weg unter dem Nebel herauskam und ich freie Sicht auf das Dorf darunter hatte, wohin ich zuerst musste. Ueber einen weiteren Farnhang ging's weiter bergab mit sehr grossen Zick-Zack Kurven um dann ueber ein weiteres Waldstueck weiter herunterzufuehren. Den ganzen Weg bin ich relativ schnell heruntergewandert, da es ja nicht viel zu sehen gab. Der Weg an sich war aber schoen und ich war schon in ganze Vorfreude auf das heutige Highlight was spaeter noch kommen wuerde: einen von Menschenhand in den Berg gehauenen Weg. Nach dem Waldstueck ging's nochmal auf die Fahrtstrasse um dann auf einen weiteren Wanderweg abzubiegen, wo ich 2 Franzosen kennenlernte. Mit denen plauschte ich ein bisschen, erfuhr, dass diese nicht auf dem ganzen GR10 unterwegs sind, wo ich den naechsten Supermarkt finden wuerde und was sonst so los ist. U.a. erfuhr ich, dass hier noch 2 Franzosen unterwegs sind, von denen einer den GR10 bis zum Schluss durchlaufen will.
Borce

Im Dorf angekommen fand ich auch den Tante Emma Laden auf dem Weg, wie ihn mir die beiden Wanderer beschrieben hatten. Le Communale hiess dieser und hatte alles, was das Wanderherz begehrt. Ich selbst holte mir das Wichtigste: Apfel und Apfelsine, Baguette, einen Salat in der Dose, einen Multivitaminsaft sowie spritziges Wasser. Aus beidem letzterem mischte ich mir wieder 2 Flaschen SMS Wasser die heute sehr noetig sind. Nach dem gestrigen Waschtag fehlte eigentlich nur noch eines zu meinen Glueck. Naja, mal abgesehen von dem nie leer werdendem Bierkrug: Eine volle Gaskartusche und auch diese fand ich hier. Damit war ich wieder vollstaendig ausgeruestet wie ganz am Anfang. Die alte, noch nicht ganz leere Kartusche liess ich hier zurueck. Kostenloses Internet gab es auch noch und ich verbrachte dort wohl etwas weniger als eine Stunde um ein bisschen zu pausieren. Danach ging's auch schon weiter mit dem GR10, durch das sehr huebsche Dorf hindurch. Der Weg fuehrte mich danach noch etwas weiter bergab und ueber eine Hauptstrasse hinweg. Das war wohl abgesehen von dem ersten Tag die erste wirklich viel befahrene Strasse, die ich seitdem gesehen hatte. Der GR10 kreuzte hier einen anderen GR und eigentlich haette ich hier Stopp in Etsaut machen sollen. Das hier war das Ende der Etappe.
Die Burg

Ohne das Dorf Etsaut zu betreten lief ich dann nach rechts weiter die Strasse entlang. Es erwartete mich wohl mind. eine halbe Stunde lang ein Strassenhatsch. Allerdings behielt ich meine Wanderschuhe an. Es war immer noch vor 12 Uhr und mir taten die Fuesse noch ueberhaupt nicht weh. Nach dem Strassenhatsch, der immer etwas bergauf fuehrte, gelangte ich dann zu einem sehr schoenen Aussichtspunkt wo ich eine Burg betrachten konnte, die auf der anderen Seite der Schlucht lag. Von jetzt an lief ich naemlich in eine Schlucht hinein und das auf einem Weg, auf den ich mich schon seit Tagen freute. Ich sah schon in Logibar Werbung fuer diesen Weg. Es war naemlich ein Weg, der in den Felsen hineingeschlagen wurde. Lt. meinem Fuehrer war das noetig, um damals Baumstaemme fuer Schiffe von weiter oben herunterzuschaffen. Aber noch bevor ich auf diesen von Haenden geschaffenen Weg kam, sah ich vor mir einen Esel der von einer Frau gezogen wurde. Nur hatte dieser Esel einfach keine Lust mehr weiterzulaufen :-). So standen die beiden Frauen da, ich glaube sogar ohne Rucksack oder nur mit sehr wenig Gepaeck und versuchten, den bepackten Esel dazu zu bewegen, ein paar Schritte zu tun. Aber nix da. Der hatte einfach keine Lust mehr. Danach gelangte ich zu dem in den Felsen geschlagenen Weg. Das war in der Tat schoen anzuschauen. Links eine ovale Aushoehlung in der man lief und rechts ging's in die tiefe Schlucht hinunter. Eine Absperrung war auch nicht vorhanden, aber auch nicht noetig.
Der stoerrische Esel

Dieser Weg verlief sehr, sehr steil an und immer wieder ueberholte ich ein paar Leute die aber nicht bis zum Col d'Anyus hochliefen sondern schon weit vorher nach links einen Weg zurueck nach Etstaut laufen konnten. Nach diesem Spektakel mit dem Weg ging's ueber Farnwiesen und kleine Waldwege weiter, teils sehr steil, dann wieder flach. Dem Nebel kam ich hierbei immer naeher und wollte eigentlich vor dem Nebel Pause machen. Allerdings hoffte ich, dass es bei der auf der Karte eingezeichneten Huette eine Bank oder etwas aehnliches geben wuerde. So lief ich weiter und weiter den Flusslauf entlang, querte ein paar Zustroeme, musste mal eben, mal steil aufsteigend, mal etwas bergab laufen und dann trat ich in den Nebel ein. Tja, die Pause davor klappte irgendwie nicht.
Der in den Berg reingeschlagene Wanderweg

Im Nebel selbst war es wieder deutlich kuehler und das war vllt. ein weiterer Grund, warum ich schneller als sonst unterwegs bin: Die Sonne brennt nicht so stark auf mich herunter. Im Nebel lief ich noch ein paar Minuten weiter und konnte dann endlich in der Ferne den Umriss von einem Haus erkennen. Das muss das Haus Baigt de Sencours aus der Karte sein. Als ich dort ankam, war sogar die Tuere offen und ich fragte, ob ich eintreten duerfe. Ja hiess es und ich stellte fest, dass das eine Nothuette war. Hier hatten es sich 2 Franzosen gemuetlich gemacht die kein Englisch sprachen (und natuerlich auch kein Deutsch, warum auch...). Die kamen von der Huette wo ich heute noch hinwollte und vesperten hier auch gemuetlich. Ich packelte dann auch meine Sachen aus und verputzte so manches. Den Apfel, den Salat, ein halbes Baguette und etwas von der Art Salami die ich seit Tagen mit mir herumtrage. Mir wurde auch staendig etwas angeboten und ich bot den anderen beiden auch immer etwas an, aber niemand nahm etwas von dem anderen, bis mir der Eine eine kleine Packung mit einem Minikuchen anbot. Das war dann mein Dessert. Die beiden hatten auch noch einen langen Abstieg vor sich und machten sich auch schon alsbald daran, diesen anzutreten.
Blick in die Schlucht die der Wanderweg entlang fuehrte

Ich musste auch bald weiter, denn es waren ja auch noch lt. Schild an der Huette 2 Stunden bis zur Huette zu schaffen. Nach den bisher vllt. 800 HM Aufstieg erwarteten mich jetzt noch um die 500 bis 600 HM. Gut gestaerkt lief ich weiter den Bach entlang und querte diesen bald auf die rechte Seite um dann weiter entfernt von diesem aufzusteigen. In der Ferne sah ich dann Umrisse, die ich erst fuer Berge hielt. Dann stellte es sich aber heraus, dass es nur ein Hang war. Im Nebel sieht alles irgendwie viel weiter entfernt aus. Vllt. ist das Auge es so gewohnt, dass es unscharfe Sachen als weiter entfernt betrachtet. Auf dem Huegel waren auf jeden Fall Kuehe, die mitten im Weg standen und den GR10 versperrten. Ein bisschen klappern mit den Stoecken half da schon etwas weiter wobei ich damit sofort aufhoerte, als ich das Jungtier sah. Damit ist nicht zu spassen und ich machte lieber ein paar Umwege mehr statt das Jungtier welches sich an das Muttertier schmiegte herumzuscheuchen.
Die unbewirtschaftete Huette, die mir einen guten Pausenplatz bot

Als ich dann noch weiter ueber die Wiese hochstieg - Baeume gab's schon seit der Huette so gut wie keine mehr - riss der Nebel endlich immer mehr und mehr auf. Die Sonne schien teilweise auch auf mich herab und desto weiter ich hoch lief, desto mehr Sonne bekam ich ab. Die erste SMS Flasche war sowieso schon leer und die Zweite war halb ausgetrunken. Der Weg schlaengelte sich dann auch schon bald sehr steil einen Hang hinauf und ich konnte in der Ferne den Uebergang sehen ueber den ich heute noch musste. Vllt. 300 HM waren noch zu schaffen und bei der naechsten guten Gelegenheit futterte ich auch noch ein Snickers das mir den letzten Energieschub geben sollte. Weiter und weiter stieg ich hoch, hoffte, dass mir die Wolken nicht wieder die Sicht versperren wuerden. Kurz vor dem Uebergang sah ich dann, wie sich eine Wolke von der Bergseite auf der ich mich befand immer mehr und mehr zum Uebergang hinschob. "Nein, hoffentlich stielt mir diese Wolke nicht die Sicht", dachte ich mir.
Blick zurueck: Die Wolken haben sich etwas gelichtet

Dann kam ich endlich oben an und die Aufstiegs"qual" fuer heute hatte endlich ein Ende... und ich hatte freie Sicht. Der Pic du Midi d'Ossau stand alleine, losgeloest von anderen Bergen vor mir. Ganz klar zu sehen mit nur ein paar Woelkchen davor. Genau auf das hatte ich nach diesem nebligen Tag gehofft und ich wurde dafuer belohnt. Unter mir war auch der See zu sehen. Nach kurzem Genuss von dem Anblick machte ich mich bald an den Abstieg zur Huette, die ich ueber einen direkteren, unmarkierten Weg nach 20 Minuten ab dem Uebergang erreichte. Dort holte ich mir gleich ein Bier und erkundigte mich nach Uebernachtungsmoeglichkeiten. Ich hatte naemlich geplant, hier zu bleiben. Der Wirt meinte dann, dass alles voll sei, ich aber weiter unten zelten koenne. Naja, das war so nicht geplant und das Wetter ist auch mies. Dann schaute ich in meinen Fuehrer und sah, dass mich morgen nochmal so eine Hammeretappe erwarten wuerde. Also war ein Abstieg von 1000 HM in's Dorf ueberlegenswert. Nachdem beim zweiten Bier auch noch der Nebel aufzog, entschloss ich gegen 16 Uhr mich an den Abstieg zu machen. So, nun hoere ich auf, da ich zu muede bin um weiterzuschreiben. Es ist zwar nicht mal 23 Uhr, aber der heutige Tag war anstrengend.
Hier hatte ich noch einen herrlichen Ausblick auf die Huette und den Pic irgendwas

So, nun ist es am Tag darauf und ich bin dort angekommen, wo es urspruenglich geplant war und schreibe weiter. An der Huette holte ich mir erst mal Wasser fuer den Abstieg. Der gesamte, ja wirklich der gesamte Abstieg verlief im Nebel. Es gab nun keinen einzigen Ausblick mehr auf irgendetwas aber ich war gluecklich darueber, dass der Himmel wenigstens weiter oben etwas aufgezogen hat. Zuerst musste ich wieder zum GR10 zurueck, was aber nur ein paar Minuten dauerte. Dann konnte ich schon den rot-weissen Markierungen folgen, die mich erst am See vorbeifuehrten. Dort sah ich auch schon ein paar Wanderer, die ihr Zelt aufgeschlagen haben. Das waere fuer mich ja OK, wenn's nur fuer eine Nacht waere, aber nicht auf dem GR10. Diese klamme feuchte Kaelte ist nichts fuer mich. Auf dem Abstieg kamen mir immer mehr und mehr Leute entgegen. Einige davon sahen absolut kaputt und fertig aus. D.h., dass es weit mehr als 300 HM bis zum naechsten Parkplatz gehen muss, naemlich 600 HM. Die Gesichter wurden um so gluecklicher, je weiter ich abstieg. Als ich dann ein Waldstueck betrat, lief mir irgendeine Frau erst hinterher, die den Berg herunterrannte. Mit ganz kleinen Schritten die sie sehr schnell hintereinander setzte gab sie ein gutes Tempo vor. Genau hier viel mir auf, mit was fuer einem Tempo ich selbst unterwegs bin. Ich machte keine kleine Schritte sondern sehr grosse und die Laeuferin selbst gewann nicht wirklich deutlich an Abstand. Irgendwann blieb sie dann stehen um irgendetwas an der Kleidung zu richten, ich ueberholte sie und sah sie dann nie wieder. Anscheinend habe ich wirklich ein rennaehnliches Tempo beim Abstieg, aber das passt mir ganz gut :-).
Die Huette d'Ayous

Bald kam ich dann auf einer Forststrasse heraus, die den Fluss weiter bergab verfolgte. Teilweise war diese betoniert, da die Strasse sehr steil abfiel. Unten gelangte ich dann bei dem anderen grossen See heraus, von dem ich nichts anderes als das Ufer sah. Dort haette ich auch die Moeglichkeit gehabt, ein Bier oder ein anderes Getraenk zu kaufen, aber die vorherigen 2 Bier brachten auch nichts und ich lief einfach so weiter. Hier haette man auch Pferde mieten koennen... Meine eigens gesetzten Regeln sagen eigentlich nichts ueber Pferde. Das ist kein technisches Geraet wie Bus, Bahn oder Auto. Aber ich lies die Finger von den huebschen Tieren und lief weiter bis ich an dem Parkplatz ankam. Dort wechselte ich wieder mal meine Schuhe durch die Sandalen aus. Die ersten 600 HM Abstieg waren jetzt hinter mir und es fehlten noch 400 HM. Hier auf dem Weg soll es auch einen Campingplatz mit Supermarkt geben zu dem ich gehen wollte.
Nebeliger Abstieg

Beim Parkplatz besuchte ich noch die oeffentliche Toilette zur Getraenkerueckgabe und weiter ging's bergab, nun mit Sandalen ueber die Hauptstrasse. Die Suppe liess nur eine Sicht von vllt. 30 Metern zu und so lief ich die asphaltierte Strasse herunter. Einmal bog der Wanderweg von der Strasse ab, aber statt dem Matschweg zu folgen bin ich einfach auf der Strasse geblieben, da der Wanderweg nach 2 Minuten wieder zurueckfuehrte. Von einem Campingplatz war ueberhaupt nichts zu sehen und ich lief weiter und weiter. Irgendwann begann es dann auch noch sehr feucht zu werden. Mein T-Shirt hatte schon wieder diese Wasserperlen auf dessen Fusseln. Bei allen paar Metern die ich weiter abstieg, wurde die Luftfeuchtigkeit auch hoeher und irgendwann fing es auch ganz leicht das Nieseln an. Ich entschied aber die ersten Minuten ohne Regenschutz zu laufen und beschloss dann doch, den Regenschutz mit angezogenem Rucksack darueber zu ziehen. So ganz einfach ging das aber leider nicht, ich fluchte nur so vor mir her, warum das jetzt nicht funktioniert und so war der Regenschutz eben nur zur Haelfte ueber meinen Rucksack gezogen. Waehrend dieser Aktion hielt auch ein Auto an um mir mal wieder anzubieten, mich mit runter zu nehmen. "Nein, Vielen Dank" konnte ich so auch auf franzoesisch sagen. Das ist ja wirklich gemein. Die Strasse nahm gar kein Ende, allerdings war der Fluss, der oft viele Meter links von der Strasse herunterstuerzte, schoen anzuschauen. Dann zweigte nochmal ein Wanderweg ab wobei ich dieses mal dieser Abzweigung folgte und ueber etwas matschigen Weg der gerade noch so fuer die Sandalen ging, auf der Strasse unten herauskam. Dort lief ich den rot-weissen Markierungen dieses mal nicht weiter ueber die Wiese hoch sondern folgte der Strasse um eine Kehre herum, wobei mich mal wieder zwei so Dreckskoeter anbellten die nicht angeleint waren. Dann sollte man halt einen Gartenzaun herumbauen wenn der Hund nicht erzogen und assozial ist.
Die Frau, die herunterlaufen wollte

Als ich dann weiter den rot-weiss Markierungen folgte, lief ich direkt in eine Schafsherde rein, die gerade in's Tal getrieben wurde. Hier irgendwo musste sich auch das Refuge befinden und die Nachhut der Schafstreiberei fragte ich dann, wo ich denn das Refuge finden wurde. Tja, das hatte geschlossen. Auf dem weiteren Weg des GR10 gibt's auch die kommenden 8 Stunden nichts mehr und so lief ich zurueck um dann ueber die Strasse nach Gabas zu laufen. Das Dorf selbst machte schon einen wirklich tristen Eindruck. Die Haeuser waren alle heruntergekommen. Das eine Hotel war im Zerfallen begriffen, das Buero vom Nationalpark durch den ich gerade gelaufen war schien schon laenger nicht mehr geoeffnet zu haben und ich fand hier im Dorf ein Restaurant und zwei Hotels. Beim ersten Hotel stellte ich meinen Rucksack ab und stellte leider fest, dass der Nieselregen mein Topcase sehr durchnaesst hat und deshalb auch meinen Wanderfuehrer. Aber der laesst sich gut trocknen und es [ist] nicht ganz so schlimm. In dem Hotel fragte ich dann nach einer Unterkunft und bekam dann sogleich eine Absage, da schon alles voll sei. Beim zweiten Hotel sprach die Dame sogar Englisch und erteilte mir dann auch gleich eine Absage. Mist. Das waren wohl die einzigen zwei Uebernachtungsmoeglichkeiten. Auf dem Herweg schaute ich mich auch schon nach Campingplaetzen um. Leider ueberlief ich den einen wohl, der etwa bei der Haelfte des Abstieges war und damit hatte ich auch keinen Supermarkt um mir mehr Essen einzukaufen. Als ich nach Gabas reinlief, schaute ich mich auch nach einen Platz zum Biwakieren um und hatte auch schon einen ausgemacht. Allerdings war das nur die Notloesung, da ich bei diesem scheiss Wetter nicht zelten wollte, sonst kann ich mein nasses Zelt die 1450 HM von morgen hochschleppen.
Bei dem Wetter hatte ich auch keine Lust, dort einzukehren

Also musste nun ein Uebernachtungsplan gefunden werden. So schaute ich mich erst mal im Dorf um. Zuerst holte ich mir Wasser. Der Wirt vom ersten Hotel befuellte eine Trinkflasche und auch die Trinkblase mit frischem Wasser. Dann schaute ich in irgendeinen Aufenthaltsraum der an das zweite Hotel angegliedert war. Da konnte ich aber nicht uebernachten, da ich befuerchte, dass dort jemand nachschauen wird. Bei einem Haus mit einer verblassten Hotelaufschrift war dann die Tuer nicht verschlossen. So trat ich ein, sah einen netten Eingangsbereich und dann eine Gemeinschaftstoilette. Prima. Wenn diese Tuer nicht verschlossen wird, habe ich schon mal eine Toilette fuer morgen frueh. Dann schaute ich weiter und entdeckte eine kleine Kapelle. Als ich eintrat, machte diese einen sehr duesteren Eindruck, da fast keine Fenster vorhanden waren. Dort standen Baenke ohne Rueckenlehnen herum die man zusammenschieben konnte. Ja prima! Das waere ja endlich mal das, was ich aus alten Zeiten von Kirchen gehoert habe. Naemlich, dass diese den Obdachsuchenden eine Herberge baten und nie verschlossen waren. Also das war deshalb auf jeden Fall eine Notloesung zum Uebernachten und besser als zelten.
Die Schaefer kurz vor der Strasse

So und so haette ich aber zuerst etwas zu Essen finden muessen. Mit dem Rucksack lief ich so in's zweite Hotel, bei dem alle Tische bereits reserviert waren und ging dann gleich in's Restaurant, wo ich mir das Menu und eine Flasche Rotwein bestellte. So bekam ich erst mal eine Suppe die mich gut aufwaermte, danach eine gemischte Platte mit Wurst, Spargel und Karottensalat, im Anschluss eine Portion Rindfleisch mit Pommes das aber nicht so gut war und danach einen baskischen Kuchen. Das war eine Art Bisquitteig mit Vanillefuellung und eigentlich ganz lecker. So ganz hat mich das Abendessen nicht ueberzeugt. Allerdings war ich mit der Flasche Rotwein gut fuer die Nacht vorbereitet. Eine andere interessante Sache an diesem Restaurant war, dass hier ueberall Hunde auf dem Boden herumlagen. Das Restaurant war auch von der Sorte "Das gibt's nur noch, weil die anderen Restaurants zu ueberlaufen sind und die Leute wo anders ausweichen muessen". Beim Essen machte ich auch die Bekanntschaft mit einem anderen Deutschen, der mir doch tatsaechlich das Zimmer vor der Nase weggeschnappt hat. Er ist naemlich im zweiten Hotel einquartiert und bot mir an, dass ich in seinem Zimmer uebernachten kann. Aber ich selbst hatte mich schon auf die Uebernachtung in der Kapelle eingestellt und irgendwie machte das auch etwas Besonderes aus. Falls aber eine Maus oder eine Ratte dort ihr Unwesen treiben sollte, gab er mir noch seine Telefon- und Zimmernummer, sodass ich im Falle der Faelle ihn anrufen oder an die Tuere klopfen haette koennen, um in der Nacht in sein Zimmer zu kommen.
Gabas

Als ich die Kapelle betreten hatte, stellte ich erst mal die vllt. 5 Baenke zusammen und hatte damit eine prima Ablage- und Schlafflaeche. Dann schaute ich mich weiter um und fand einen Stromkasten bei dem der Hauptschalter auf 0 war. Als ich diesen umlegte, hatte ich sowohl Licht in der Kapelle, als auch Strom. Nebenan waren auch die alten Waschhaeuser des Dorfes, weshalb ich auch "fliessend" Wassser hatte. Das ist ja besser als so manche Unterkunft! Sogar die Toilette war nur ein paar Meter entfernt! Was will man mehr? Kerzen gab's hier auch, aber fuer 1 EUR pro Stueck. Davon goennte ich mir erst mal 2 Stueck um in der Kapelle ein bisschen mehr "Stimmung" zu haben. Als ich dann die Tuere fest verschliessen wollte wusste ich auch, warum diese Kapelle offenstand: Der Schliessmechanismus der Tuere funktionierte nicht mehr. Ansonsten waere diese Kapelle wohl auch verschlossen... Nachdem ich mein Tagebuch weitergeschrieben hatte, zuendete ich noch ein Teelicht im Gedenken an meinem Opa an das die Nacht ueber leuchtete und ging zum Schlafen.