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Donnerstag, 28.08.2014
Tag 6 - Wegaenderung und eine normale Etappe
Gite d'etape Logibar → Cayolar d'Olhadubi → Kalla → Senta
Der gemuetliche Aufstieg ueber Steinplatten

Fuer die heutige Etappe habe ich wg. einer Wegumgestaltung ca. 1 Stunde laenger gebraucht als erwartet. Da ich auch mal meinen Fuessen wieder etwas Erholung geben moechte und da ich morgen definitiv 2 Etappen zusammenlegen kann, lief ich heute nur eine einzige Etappe. Das Wetter war wieder super schoen, ich habe mind. 3 Liter Wasser unterwegs getrunken und habe nun ein Dach ueber dem Kopf.
Die beiden Schluchten

Gestern Abend flickte ich noch ein kleines Stueck der aufgegangenen, selbstgenaehten Naht an meiner Hose. Dann bin ich auch schon in's Bett und bin zwischendurch immer wieder aufgewacht. Warum passiert das denn ueberhaupt? Hat das Wandern so eine besondere Bedeutung fuer den Koerper, dass es meinen Schlaf durcheinanderbringt oder waren es einfach nur die kribbelnden Fuesse? Als mein Wecker um halb 7 klingelte, stelle ich ihn gleich auf 7 Uhr weiter. Ich brauche unbedingt mehr Schlaf dachte ich mir. Heute schreibe ich schon um kurz vor 16 Uhr an dem Tagebuch, um etwas frueher in's Bett gehen zu koennen. Kurz nach 7 Uhr stand ich dann auch auf, packelte allmaehlich meine im Zimmer ausgebreiteten Sachen zusammen. Dann lief ich runter in den Gemeinschaftsraum und holte meine Sachen aus dem Kuehlschrank. Das Fruehstueck bekam ich aus irgendeinem Grund beim Uebernachtungspreis inklusive. Die Milch machte ich mir in der Mikrowelle warm, dazu noch das Schokopulver. Dann futterte ich noch die Haelfte von einem kleinen Mini Baguette mit Marmelade, packelte die andere Haelfte ein und den O-Saft verwandelte ich zusammen mit einer Flasche spritzigem Wasser das ich mir noch gestern geholt hatte in ein SOS Wasser. Nach ein bisschen weiterem Zusammengepackel ging's nun um 8 Uhr los in die heutige Etappe bei der ich eigentlich vorhatte, 2 Etappen zu verbinden. Aber es kam dann doch anders.
Haengebruecke

Der Weg zweigte gleich nach der Ueberquerung des Flusses sogleich von der Fahrstrasse ab und war gut markiert. Nach einem kurzen Aufstieg erwartete ich eine Fahrstrasse, der ich weiter folgen wuerde. Nur da kam nichts. Weiter ging es entlang eines wunderschoenen Wanderweges, immer den rot-weissen Markierungen weiter einen Fluss entlang der sich durch das Tal schlaengelte. Als ich oben herauskam, war ich in einer Schlucht und konnte in der Ferne auch schon die Bruecke sehen, mit der fuer dieses Tal geworben wird. Diese ueberspannt naemlich die Schlucht. Wenn ich nicht in Taiwan ueber eine Haengebruecke von der vllt. 3-fachen Laenge gelaufen waere die deutlich spartanischer war, haette mich diese ja vllt. sehr beeindruckt. Ich bin wohl die letzten Jahre zuviel herumgekommen als noch vom Hocker gerissen zu werden. Aber es passiert immer mal wieder. Auf der Haengebruecke blieb ich sehen und blickte in die Tiefe. Ja, das macht schon einiges her. Da geht's sicher 100 Meter tief runter. Nach der Bruecke schlaengelte sich der Weg weiter durch einen Wald und kam dann auf einer verbeulten Forststrasse heraus. OK, nun bin ich auf einer Strasse, aber irgendwie passt das ueberhaupt nicht zu dem, was in meiner Karte ist. So orientierte ich mich etwas und stellte dann fest, dass tatsaechlich der GR10 umgelegt wurde um nun in einer Schlucht einmal auf der einen Seite vor und auf der anderen Seite wieder zuruecklaufen musste. Das bedeutet wohl in etwa 1 Stunde Extrafussmarsch und das Zusammenlegen konnte ich damit auch vergessen. Immerhin musste ich so heute nicht 2000 HM aufsteigen was mir eine teilweise Erleichterung brachte. Die Hoffnung, dennoch rechtzeitig anzukommen gab ich aber nicht auf.
Hier sieht man den Weg zurueck auf der anderen Seite der Schlucht

So lief ich nun der Schlucht entlang auf einem Weg, der nur ganz leicht nach oben fuehrte. Damit machte ich tatsaechlich keinen Fortschritt. Vllt. befindet sich aber an dem Ende ein Weg, der in meiner Karte nicht eingezeichnet war. Die Schlucht selbst war schon ein schoenes Stueckchen Natur. Von unten hoerte ich die ganze Zeit Wasser, konnte aber kein Wasser sehen, da es so steil nach unten abfiel. Wie diese Schlucht wohl entstanden ist? Der Weg fuehrte bis an's Ende, wo das Wasser in die Schlucht hineinlief und dort konnte ich auch den Fluss ueberqueren um nun auf der anderen Seite wieder "zurueck" zu laufen. Dieser Weg stieg aber zumindest mehr an, sodass ich immerhin Hoehenmeter machte. Waehrend der Weg auf der vorherigen Seite sehr breit und fuer einen Unimog ausgelegt war, so war dieser Weg hier sehr schmal und eher ein Trampelpfad. In der Ferne konnte ich ein huebsches Maedel entdecken, was eilig vor sich herlief. Jedenfalls sah sie aus der Ferne huebsch aus. Rennt die etwa von mir davon? Spaeter bog sie dann auf irgendeinen unmarkierten Weg ab, in der einen Hand ihren hoelzernen Wanderstock haltend. Als ich vor dieser Abzweigung stand, sah ich auch wohin sie abgebogen war: Sie lief zur dortigen Alm und damit war sie fuer immer fuer den Rest des GR10 verschwunden.
Aufstieg zur Schotterstrasse

Als der Trampelpfad dann endlich auf einer gruenen Wiese mit Fahrspuren herauskam, fuehrten die Wegmarkierungen ueber irgendwelche Farnfelder weiter nach oben und ich war immer mehr und mehr kaputt. Der gestrige Tag liegt mir immer noch schwer in den Beinen und selbst diese paar HM machten heute sehr viel aus. Es waren immerhin 1000 HM heute zu schaffen und ich fuehlte mich jetzt schon sehr schlapp. Nach der Ueberschreitung von den paar Farnhuegeln auf denen der Weg mit Pfosten und einem rot-weissen Schildchen an dessen oberen Ende markiert war, sah ich auch schon die Strasse auf die ich sollte. Vorerst galt es aber noch ein paar Abkuerzungen zu nehmen, naemlich den GR10 Markierungen folgend direkt den Berg hoch statt jeder Kehre der Strasse zu folgen. Oben auf der Strasse angekommen, vorher machte ich keinen Schritt auf dieser Strasse, lief ich diese weiter entlang und das fuer eine gefuehlte lange Zeit. Das waren sicherlich 3 km und ich beschloss ab der Haelfte lieber mal auf meine Sandalen zu wechseln um mir etwas Erleichterung zu verschaffen. Immer wieder mal fand ich ein paar rot-weiss Markierungen was mich immer wieder beruhigte, da der Weg vllt. nochmal anders verlaufen koennte und ich dann hoffnungslos verloren waere.
Diese Schotterstrasse musste ich ewig lange entlang laufen

Dann schon bog er bald nach links ab um nochmals 100 HM weiter zu dem heute hoechsten Punkt aufzusteigen. Wieder wechselte ich mein Schuhwerk und machte mich an diese letzten 100 HM Aufstieg die mir wieder sehr anstrengend vorkamen. Mittlerweile hatte ich auch bereits 2 Liter Wasser weggetrunken und die Sonne schien wieder sehr stark. Teils ueber Wiesen und teils ueber ein kleines schattiges (!!!) Waldstueck verlief dieser kurze Aufstieg und auf der anderen Seite bot sich mir ein Anblick, der irgendwie enttaeuschend war. Naemlich nichts wirklich ueberraschendes. Aber was hatte ich mir schon erhofft? Einen 5000er vor mir? Noe, so etwas gibt es hier nicht, aber irgendetwas Schrofferes oder Hoeheres haette ich mir schon erwartet. Der Blick zurueck war auch nicht wirklich spektakulaer. Weder gab es einen Atlantik zu sehen, noch sah ich wo ich herkam. Auch von der spanischen Seite war nicht wirklich viel zu sehen. Wenn ich mich recht erinnere, war es bereits kurz vor 13 Uhr, als ich oben ankam, sodass das Kombinieren mit der naechsten Etappe zwar noch moeglich war wenn ich bis halb 3 unten ankam, vllt. auch etwas spaeter, aber wohl nicht wirklich empfehlenswert.
Der Abstieg ueber die Autobahn

Der Abstieg erfolgte nun zuerst ueber eine Strasse und nach den ersten paar hundert Metern wechselte ich wieder mal zu den Sandalen ueber. Nach ein paar Minuten lief ich auch an einem Haus entlang, bei dem irgendetwas von "eau ..." (Wasser ...) stand mit einem Pfeil nach unten der auf einen Wasserhahn zeigte. Perfekt. Hier bekomme ich frisches Wasser her. Sogleich fuellte ich meine 1 Liter Flasche auf, trank diese zu 2/3 leer und fuellte den Rest gleich nochmal auf. Herrlich frisches, kaltes Bergwasser. Sau lecker! Dann ging's weiter an den Abstieg auf der Strasse mit sehr vielen Kehren. Ein paar Abkuerzungen haette ich hier liebend gerne genommen aber es waren ueberall Zaeune gespannt. Dieser Strassenhatsch war alles andere als angenehm und dann kuerzte der GR10 auch noch ein paar Serpentinen ueber Wiesen ab. Das hinderte mich aber nicht daran, den Weg mit Sandalen zu gehen. Spaeter zweigte der Weg dann endgueltig von der Schotterstrasse ab. Darueber, dass ich umknicken koennte machte ich mir ueberhaupt keine Sorgen. Vielmehr bekuemmerte mich, dass der Weg evtl. gleich viel matschiger werden koennte und ich wieder in meine Wanderschuhe muesste. Bis auf ein bisschen Matsch war aber nichts. Meine Socken wurden etwas schmutzig, aber das war's dann auch schon. Der Weg kam bei einem alten Haus heraus, wo er nun wieder einer etwas breiteren Strasse folgte und kurz danach wieder zu einem Wanderweg, jetzt deutlich felsigerem abbog. Dieser schattige Weg fuehrte mich zwischen Feldern weiter runter. Die Felder konnte ich aber nicht sehen, da der Weg selbst ca. 2 Meter tiefer lag. Zu meinem Erfreuen war keine Stelle dabei, bei der ich tatsaechlich auf meine Wanderschuhe wechseln musste. So schaffte ich den ganzen Abstieg ueber die vllt. 900 HM und kam nach ein paar seltsamen Wegleitungen auch auf der Hauptstrasse heraus. Dieser durfte ich nun ganze 3,5 km folgen. Das ist sicher nicht das, was man einen Wanderweg nennen kann, aber es hat eben nochmals eine dreiviertel Stunde verschluckt. So kam es, dass ich erst etwa um halb 3 hier ankam und dann auch gleich beschloss, nicht mehr weiterzulaufen.
Senta

So bin ich nun hier, quartierte mich in dem Gite ein, da das Zelten nur 5 EUR guenstiger gewesen waere. Das rentiert sich aus meiner Sicht nicht wirklich. Als ich dann aus dem Gite gelaufen kam, stand davor ein mobiler Supermarkt im Minibus. Diese gibt es hier oefters um die abgelegenen Doerfer mit Waren zu versorgen und ich kaufte ordentlich ein. Kaese, Wurst, Nudeln, Tomatensauce, Zwiebel, Radler, Wasser, Limo, Cola, Duschgel, Orange, Apfel, Toastbrot und sicher noch das ein oder andere, das ich jetzt vergessen habe. Damit war ich fuer's Lunch, Abendessen und das Fruehstueck gut ausgestattet. Zu Abend machte ich mir dann aus den Zwiebeln die ich anduenstete und den puerierten Tomaten eine Sauce und kochte die Nudeln auf. Damit stopfte ich mich bis zum geht-nicht-mehr voll. Dazu gab's Panache (Eine Art Radler mit <1% Alkohol).
Der fahrende Supermarkt! Vielen Dank!

Abends zogen die Wolken ueber die Berge, sodass ich beim Kombinieren mit der naechsten Etappe jetzt in den Wolken waere. An meiner Hand hat sich auch eine Blase wg. der Benutzung der Wanderstoecke gebildet. Darauf darf ich nun die kommenden Tage besonders gut aufpassen. Morgen ist wieder Wochenende und ich bin dann seit 1 Woche unterwegs. Mit der Unterkunftssuche wird es dann wieder schwieriger werden aber wenn alles klappt, bin ich morgen entweder auf einem Campingplatz oder auf einer Huette weiter oben. Ich musste hier auch noch von einem Aushang erfahren, dass der GR10 umgelegt wurde und nun in der zweiten Etappe morgen 200 HM mehr Aufstieg fordert. Allerdings verlaeuft dieser dann auch auf dem HRP. Wenn alles gut geht, kann ich die kommenden Tage immer wieder auf Huetten uebernachten. Aber nur, wenn ich den morgigen Hatsch richtig durchziehe und das heisst vor allem frueh aufstehen. Meine Kartenstatistik sagt, dass ich bisher 2 Karten von den 9 durchwandert habe. D.h. dass 20% des GR10 fertig waeren. Wenn diese Zahl mal 3-stellig wird, waere ich sehr gluecklich. Wobei ich dann wieder zum Alltag uebergehen muesste.