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Montag, 25.08.2014
Tag 3 - Sonne, schoene Aussichten und noch mehr Sonne
Bidarray → Col d'Iparla → Pic d'Iparla → Col d'Harrieta → Buztanzelhay → Stain Etienne-de-Baigorry → Campingplatz Baigorry

Der heutige Tag hatte wieder alles, was man sich wuenschen konnte. Eine schoene Aussicht, schoene Berge, einen interessanten Weg und das Wichtigste: Ein schoenes Wetter.
Die Unterkunft bei der ich noch unterkam

Den gestrigen Abend habe ich u.a. damit zugebracht, zu versuchen den linken grossen Zehernagel zu entfernen, allerdings gelang mir das nur teilweise und immer wieder fing dieser an, am linken und rechten Nagelbett wo ich den Nagel herausreissen wollte zu bluten. So ein Mist. Dadurch, dass der Nagel schon mal sehr dick nachgewachsen ist, scheint dieser besser als die anderen verankert zu sein. Das dauert wohl noch etwas laenger, bis ich diesen loswerde. Wie geplant stand ich dann um 6:45 auf und hoerte auch schon das Zelt neben mir rascheln. Ich war naemlich nicht der einzige, der es bevorzugte im Zelt zu uebernachten, allerdings hatte die Wanderin neben mir nur noch 3 Tage vor sich oder wenn sie sich wie ich beeilt, nur noch 2 Tage. Aber auch wenn diese schon laengere Zeit vor mir aufgestanden war, hatte ich mein Zelt doch sehr routiniert und alles andere deutlich schneller zusammengepackelt. Aber sie macht ja auch irgendeinem Grund auch zuerst das letzte Drittel, will dann das Mittelstueck und dann das Anfangsstueck des HRP machen. Achja, sie ist hier auf dem GR10 unterwegs, weil angeblich das Wetter fuer den HRP zu schlecht ist. Aber das kann nicht sein. Irgendwie scheint diese Frau sehr seltsam zu sein, aber das ist auch nicht mein Problem.
Anfangs sah der weg noch relativ unspektakulaer aus

Als ich dann in die Schuhe schluepfte musste ich feststellen, dass das Herumdoktorn an meinem Zehernagel alles nur noch verschlimmert hatte und jeder kleine Druck auf den Zehernagel ziemlich schmerzte. Ich hatte schon die ganze Zeit, auch waehrend dem GR11 die urspruenglichen Einlegesohlen von meinen Wanderschuhen mitgetragen und das war dann auch eine Teilloesung. Diese sind naemlich etwas duenner als die anderen Sohlen und so wechselte ich diese gleich und so ging's dann einigermassen. Nach den ersten paar Schritten lies auch der Schmerz wie erwartet etwas nach und so konnte ich wenn auch etwas humpelnd weiter Richtung Atlantik [Mittelmeer, nicht Atlantik!] laufen.
Blick zurueck

Der erste Weg fuehrte mich aber nicht bergauf, sondern zum naechsten Einkaufsladen, denn ich hatte noch nichts zum Fruehstueck eingekauft und da gestern Sonntag war, konnte ich auch nichts in einem Supermarkt einkaufen. Diese sind hier naemlich in Frankreich am Sonntag geschlossen was mir entfallen war. So stapfte ich die paar Meter zum Supermarkt und machte mich an den Einkauf. Ein Baguette, 2 Scheiben Schinken, Salami, Kaese, 2 Flaschen spritziges Wasser und eine Packung O-Saft. Damit machte ich es mir dann nebenan auf einer Bank gemuetlich und begann erst mal das Fruehstueck. Ich zwaengte mir regelrecht ein halbes Baguette mit Schinken und Kaese rein. Dazu noch ein halber Liter O-Saft und ein halber Liter spritziges Wasser. Bier kaufte ich mir heute nicht um das Bier-frei-Experiment, so sinnlos mir das persoenlich auch erscheint, weiter fortzufuehren. Auf Wein verzichte ich uebrigens nicht, wie das Weinglas zum gestrigen Abendessen zeigt. Es hat irgendetwas mit dem Sprudelwasser mit Geschmack zu tun. Den Rest des O-Saftes schuettete ich in die Wasserflasche und steckte die andere Wasserflasche in meinen Rucksack. Damit hatte ich ungefaehr 4 Liter an Getraenken mit dabei, was mir viel zu viel vorkam, allerdings hatte ich das Gefuehl, dass ich es bereuen wuerde, wenn ich die extra Flasche spritziges Wasser nicht mitnehmen wuerde. Waehrend dem Fruehstueck sah ich auch die Frau die mir gestern mit der Unterkunft geholfen hatte sowie ihren Mann an mir vorbeilaufen. Anschliessend liess sie aber ihre Sachen liegen und lief eilig zurueck. Tja, da hatte die wohl irgendetwas vergessen dachte ich mir und so war es dann auch. Jedoch war ich nicht schlecht ueberrascht, als sie in der einen Hand mit ihren Wanderstoecken zurueckgelaufen ist und in der anderen mit meinem Funktionshandtuch. Das hatte ich ja total vergessen. Damit trocknete ich mein Zelt ab und haengte es dann draussen an irgendein Fenster. Somit war ich wieder vollstaendig, bedankte mich vielmals bei der Frau und gedachte der alten Muenchen-Venedig Zeiten, als ich ganz und gar ohne Handtuch unterwegs war und mich mit meinem Fliespullover abtrocknete, den ich immer noch mit dabei habe.
Die plattenfoermigen Gesteinsformationen oben am Grat

Nach dem Fruehstueck konnte auch der Aufstieg beginnen. Dieser war zu anfangs sehr steil und mein Zehernagel schmerzte anfangs. Allerdings ist das ja nur ein Schmerz und solange alles andere funktioniert, ist ja alles prima! Der aufsteigende Weg war nach der Teerstrasse sehr steil und steinig. Eigentlich war er fast die ganze Zeit fuer den heutigen Tag steinig. Zuerst erwarteten mich 800 HM Aufstieg, bis es leichter aufsteigend zu den ersten 1000 HM hochging. Bei diesem 800 HM Aufstieg ueberholte ich die 2 Franzosen sowie eine andere Wanderin bei der ich hoffte, dass dies nicht die beim Abendessen staendig labernde Frau war die gleich ein Gespraech mit mir anfangen wollte. Das haette sie aber gar nicht koennen, da sie ganz ausser Atem war und ich gemuetlich an ihr vorbei lief. Die Super Orangensaft-Spritziges Wasser (ab sofort SOS-Wasser) Mischung gab mir irgendwie richtig Schub. Vllt. lag's an dem etwas Zucker in dem O-Saft, an den Mineralstoffen im Wasser oder einfach daran, dass ich vom GR11 noch gut durchtraeiniert war. Auf jeden Fall konnte ich den Weg regelrecht hochstuermen. Teilweise waren die Wege nicht immer sofort klar, aber nach ein bisschen Sucherei nach den Markierungen war dann auch der GR10 gut zu finden und so ging der Aufstieg weiter. Teils fuehrte der Weg ueber einen in den Hang gefestigte Strasse fuer was-weiss-ich hoch, teils ueber steile felsige Haenge, teils ueber Wiesen und so gelangte ich an den Punkt, wo die Steigung nicht mehr so steil war und ich gemuetlicher aufsteigen konnte.
Ganz klein in der Mitte sieht man den Vogel der auf seinem Stein thront

Der GR10 schwenkte dann zum Grat der Berge ein. Links ging es immer sehr steil, fast senkrecht ca. 200 HM herunter. Diese Seite war auch sehr felsig. Die rechte Seite war dagegen leicht absteigend und von ein von Schafen zugeschissener Grashang. Der Weg selbst fuehrte zumeist nur ein paar Meter von diesem Grat entfernt und viele "Gipfel" gab es zu besteigen. Statt den Weg mit den geringsten HM Unterschieden zu nehmen, verlief dieser entlang des Grates. Schon bald verduennte ich den Rest des Inhaltes von meiner SOS-Flasche mit weiterem Sprudelwasser von der 2-ten Flasche um noch Geschmack in dem Sprudelwasser zu haben. Diese 2-te Flasche sehe ich irgendwie als Ersatz fuer das Gewicht von 3 Dosen Bier. Endlich kam der 1044 HM hohe Gipfel Pic d'Iparla, womit ich das Erste mal bei ueber 1000 HM war. Die Aussicht selbst war herrlich, insbesondere in die westliche Richtung bei der irgendwo der GR11 verlaufen sein muss. Die Sonne versteckte sich hinter keinem einzigen Woelkchen und war damit grundsaetzlich entgegengesetzt zu dem was ich auf dem GR11 mitgemacht hatte. Das Auf und Ab ueber die Huegel wollte nicht aufhoeren. Immer wieder verlief der Weg hoch und runter dem Grat folgend und etwas Seltsames stellte ich auch noch fest:
Rundumblick bei einem von vielen "Gipfeln"

Dieser Berg schien nur aus Geroell zu stammen. Geroell in der Form, dass viel Geroell unter dem Gras lag, ueber das es oft zu Laufen galt. Ab und zu wenn es steiler bergauf und bergab ging, erschienen aber groessere Felsbrocken oder gar groessere Loecher im Boden. Teilweise Loecher, bis zu deren Boden ich nicht blicken konnte. Das hier scheint fuer mich eine ueberwachsene Geroellhalde zu sein als ein Berg. 1500 HM weiter oben waere das wahrscheinlich ein Geroellfeld ohne irgendeine Wiese. Stellt sich nur die Frage, warum das so ist. So ein Geroell entsteht ja auch nicht ohne weiteres. Vllt. ist das eine der Stellen, an denen die Pyrenaeen entstanden und deshalb eine grosse Beugung der Steinplatten diese in viele kleine Stuecke zerspringen liess. Aber dafuer sollte ich vllt. mal einen Geologen fragen.
Schlange!

Gestern hatte ich auch noch eine Idee bezueglich der Menschheit und der Erde. Angefangen hat es damit, dass immer irgendwelche Strassen in Haenge gebaut wurden. Allerdings sind diese Strassen ja mit Maschinen, haendisch oder allgemein nicht natuerlich entstanden. Wenn man jetzt die Natur gleich dem Menschen setzt und den Menschen gleich einem Parasiten, waere fuer den Menschen ein Parasit wie fuer die Erde der Mensch ein Parasit oder ungewuenschter Nebennutzer waere. Beide leben z. B. davon, dass man den Wirtskoerper (Im menschlichen Falle die Erde) ausbeutet. Wir kratzen entweder an der Oberflaeche der Erde, indem wir Strassen bauen, aehnlich wie Milben unsere Hautschuppen essen, betreiben Bergbau, aehnlich wie die Moskitos die sich an unserem Blut bereichern, oder hantieren mit Atombomben oder Fracking weiter in der Erde herum, aehnlich wie ein Krebs wuetet. Dabei stellt sich mir nur die Frage, was immer dann passiert, wenn der Wirtskoerper nicht ueberlebt. Dann glaubt der Fremdbewohner im Normalfall auch daran. Aber das nur als Abschweif durch meine Gedanken. Hoffentlich verzettelt sich die Menschheit nicht einmal mit dem Raubabbau an unserem Wirtskoerper. Man kann wie die Putzerfische auch in einer Symbiose gut miteinander leben, wenn jeder auf etwas verzichtet. Ansonsten koennte es zu einer spontanen Selbstheilung der Erde kommen...
Blick zurueck zur ersten Haelfte des Wanderweges

Der Abstieg zum Col d'Harrieta war abweichend vom GR10, da ich die Wegmarkierungen nicht mehr sah und den vor mir liegenden Weg verwendete. Spaeter wurde mir dann klar, dass man immer entlang des Grates laufen sollte. Damit bin ich doch tatsaechlich auf spanischer Seite gelaufen. Neeeeeeein ;-). Beim einem Col, welches sich nach ca. 150 HM Abstieg befand bei dem auch der Notabstieg bei schlechtem Wetter waere, haette sich schoener Pausenort angeboten, aber der weitere Aufstieg wartete noch. Ich wollte erst danach Pause machen um diese auch wirklich geniessen zu koennen. Direkt nach diesem Uebergang kam auch schon ein Waldstueck in dessen Schatten sich ein Paerchen tummelte. Eigentlich folgte ich dann nicht den rot-weissen Markierungen, da ich hoffte, dass der Alternativweg bald eine Kehre machen wuerde um damit einen steilen Aufstieg zu verhindern. Aber dieser Weg stellte sich dann als falsch heraus und ich lief im Wald ca. 100 Meter querfeldein, um auf den GR10 und dessen prima rot-weiss Markierungen zurueckzukommen. Dieser Weg fuehrte dann ueber viele weitere Steine weiter hoch, wobei die Steine immer wieder mit Gras verbunden waren. Eine solche Wegbeschaffenheit habe ich bisher auch nur selten gesehen, aber am Besten laesst sie sich mit dem Geroell beschreiben, welches mittels Gras verbunden wurde. Teilweise sehr grosse Steine, teilweise sehr kleine und sich irgendwo hochschlaengelnd ein Wanderweg. Mich wuerde es ja auch mal interessieren, wie es unter diesem Berg aussieht. Liegen dort noch weitere Geroelllagen darunter oder ist dort harter Fels oder gar andere Erde?
Suizidpferde? Oder warum sind diese so nah am Abgrund?

Hier kam mir auch eine andere Idee zum Geldverdienen: Wenn man die tektonische Plattenverschiebungen im Detail, also inkl. ein paar km kennt, und das ueber die letzten paar Millionen Jahre, so sollte man ueber ein inverses Problem ueber die momentane Bergkonstellation die interne Struktur der Berge wie z.B. Dichte, Bruchfestigkeit, etc. bestimmen koennen. Das wuerde dazu fuehren, dass man z.B. neue Minerallager entdecken koennte. Aber vermutlich hatte diese Idee wie schon so oft auch schon vorher jemand.
Der bisher unbestimmte Vogel von unten

Nach dem Aufstieg erreichte ich zunaechst den Gipfel Astate, dem ein weiterer Abstieg von 50 HM folgte. Danach noch ein weiterer Aufstieg auf den Buztanzelhay mit einer Hoehe von 1029 Meter. Genau dort, an dem Punkt an dem mich fast nur noch ein Abstieg erwartete, machte ich Pause. Direkt auf Steinhaufen am Gipfel setzte ich mich hin, da sich dort ein bequemer, bereits mittels Steinplatten praeparierter Platz befand. Nach dem Hinrichten von einer weiteren Steinplatte war das fast wie eine Couch. So begann meine Stunde Siesta, die ich mir nach den letzten 2 anstrengenden Tagen aus meiner Sicht auch wirklich verdient hatte. Zuerst fuellte ich das SOS-Wasser weiter mit Leitungswasser aus der Trinkblase auf. Ansonsten haette ich wieder nur Wasser ohne Geschmack. Dann ass ich etwas von dem Baguette welches ich mit Salami und Kaese belegte. Ich kaufte in der Frueh auch noch eine Dose kleiner mini-Shrimps. Leider konnte ich diese aber nicht mit meinem Taschenmesser oeffnen, da kein Dosenoeffner vorhanden war. So sass ich vor der verschlossenen Dose und durfte diese wieder mit nach unten in's Tal schleppen. Die Richtung in der ich sass liess mich nach Westen blicken, genau in Richtung des GR11. In der Ferne konnte ich Elizondo erblicken in dem Julie und ich im Regen ankamen, eine der regnerischsten Etappen des GR11. Das weckte wieder "alte" Erinnerungen und es war prima, auf diese Weise auf den GR11 zu sehen. Das wird wohl eine der wenigen Moeglichkeiten sein, dem GR11 so nahe zu sein, da sich der GR10 die naechsten Etappen weiter von diesem distanzieren wird. Auf einmal wurde ich von einem Flugtier aufgeschreckt, das sich mit breit ausgebreiteten Fluegeln fast direkt ueber mir hinwegschwingte. Auf dem ersten Blick sah das Fluggetier aus wie ein Adler, doch leider musste ich feststellen, dass es dann doch ein Geier war. Weder war ein weisser Kopf vorhanden, noch war der Kopf gerade sondern gekruemmt, genauso wie der Schnabel. Einen solchen Geier konnte ich bereits beim Aufstieg entdecken, der wie ein Monument knapp unterhalb eines Grates gegen die Sonne sass und nur seinen Umriss erblicken liess. Ich haette mir nie gedacht, dass diese Viecher so gross sind und das machte mir doch etwas Angst. Was nun, wenn das Viech zu mir heruntersausst, weil es denkt, dass ich tot bin und nicht weiss dass ich hier nur ein Nickerchen mache? Mit vielen Kehren nutzte der Geier jede Thermik aus um ohne einen einzigen Fluegelschlag immer auf gleicher Hoehe vor mir oder ueber mir herumzukreisen. Etwa 5 Minuten spaeter gesellte sich dann auch noch ein anderer Geier dazu und so flogen beide sehr majestaetisch in der Thermik umher. Gerade die Aussenfedern, welche weit ausgespreizt waren und die vorderste am meisten [hoechsten] erhoben, faszinierten mich am meisten. Das war ein grandioser Anblick, auch wenn mir ein Adler lieber gewesen waere. Die naehste Distanz, die einer der Geier zu mir hatte war im Uebrigen vllt. 20 Meter, also wirklich sehr nahe. Dann versuchte ich doch ein wenig die Augen zu schliessen, legte meinen Wanderschlapphut ueber meine Augen und doeste ein bisschen vor mir her. Sonnencreme benutze ich ja schon seit langem nicht mehr. Meine Haut scheint sich daran gewoehnt zu haben, auch wenn es gesuender waere, Sonnencreme zu benutzen. Hier oben kamen bald auch noch 2 Japaner an und futterten irgendwelche Nudelgerichte. Aber wie GR-Gaenger sahen diese nicht aus.
Ich bin immer noch von diesen Felsen fasziniert

Wenig spaeter machte ich mich dann an den weiteren Abstieg. Nun warteten auf mich mit meinem schmerzenden Zeher etwas weniger als 1000 HM Abstieg auf die ich ueberhaupt keine Lust hatte. Die Schuhe schnuerte ich oben fester zu und ueber Steine deren Zwischenraeume zumeist mit Gras gefuellt waren erfolgte der erste Teil des Abstieges hinab zum naechsten Joch. Dort verlief der Weg dann nicht eben weiter sondern stieg sogleich steil weiter bergab, um dann nach rechts weiter den Hang auf etwa gleicher Hoehe weiterzufuehren. Dies war wieder mal ein Auf und Ab und irgendwann stellte ich mir die Frage, ob das ueberhaupt der GR10 sei. Ich hatte naemlich schon seit langem keine Markierung mehr gesehen. Evtl. verlief der Weg ja sogar bergab und nicht auf fast gleicher Hoehe bleibend weiter! Die 1:50k Karte sagte zwar nicht immer viel aus als die grobe Richtung, allerdings konnte ich ablesen, dass der Weg tatsaechlich ein bisschen bergauf steigte, was hier auch der Fall war. Einen steinernen Mohikanerkopf gab's auch noch zu sehen und ein Blick zurueck zeigte mir mal wieder, dass ich schon mind. 300 HM abgestiegen sein musste. In der Ferne erblickte ich dann "endlich" schon die Strasse, ab der nun der Abstieg ohne grosse Umwege beginnen musste. Kurz nachdem ich auf diese Schotterstrasse (bzw. Teer mit Kies) ankam, rannte hinter mir auch schon der Asiate herunter, der mich irgendwann auch ueberholte. Kurz nach einer Quelle bei der schon Mutter und Sohn waren und wir beide uns auch Wasser holten kamen wir dann auch in's Gespraech. Er arbeitete fuer eine japanische Tourismusargentur die Bergtouren fuer Japaner organisiert. Auf die Frage, welcher Teil der Pyrenaeen mir am Besten gefallen hat, wusste ich erst mal keine Antwort. Dann aber fiel mir der Teil mit den vielen Seen ein und interessanterweise war er dort erst 2 Wochen vorher. Bald musste er sich aber auch verabschieden, da sein Kollege ihn mit dem Auto weiter unten in der Stadt abholen wuerde. So rannte er wieder weiter bergab. Wie gerne wuerde ich das auch machen, wenn doch nur mein Zehernagel nicht waere. Hoffentlich geht dieser bald ab, aber ich befuerchte schon fast, dass das die naechsten Tage nicht der Fall sein wird. Ein paar Abkuerzungen gab es bei dem Strassenhatsch und die letzte Grosse Abkuerzung fuehrte dann direkt in den Vorort von Saint-Etienne-bla-bla (das ist ein furchtbarer Ortsname), bei dem ich mich gleich nach einem Supermarkt erkundigte. So gelangte ich wieder weiter noerdlich, wo ich ja eigentlich herkam. Unterweges Huhuuute mir dann jemand aus dem vorbeifahrenden Auto zu. Das war einer der Japaner den ich beim Abstieg kennengelernt hatte. An einer Abzweigung sah ich dann zwar keinen Supermarkt, sondern die Ausschreibung des Campingplatzes nach rechts sowie der Gite d'etape nach links. Aus irgendeinem Grund hat es mich doch mehr in Richtung Campingplatz gezogen. Im Fuehrer stand auch etwas drin, dass dieser einen Supermarkt haben soll was mir sehr entgegen kommt.
Am hoechsten Gipfel fuer heute...

Nach ein paar Abzweigungen war der Campingplatz auch alsbald erreicht und auf einer schattigen Bank breitete ich meine Sachen aus und machte mich auf die Suche nach dem Supermarkt. Hier gab's allerdings nichts. An der Rezeption wurde mir dann mitgeteilt, dass der Supermarkt gleich nebenan ist. Anscheinend bin ich daran vorbeigelaufen, da er nicht Supermarkt sondern *******irgendwas****market heisst. So besorgte ich erst mal Getraenke und Wasser sowie Saft, Joghurt und ein Baguette. Das war das allernoetigste fuer's Fruehstueck falls ich sonst nichts besseres finde. Bei anderen Campern die kein Englisch sprachen bekam ich dann einen Dosenoeffner und konnte die Dose Shrimps oeffnen. Warm schmeckten die wirklich nicht mehr angenehm. Am Campingplatz schaute ich mir noch die sanitaeren Anlagen an und erkundigte mich nach dem Preis. 3,35 EUR. Das war wohl ein unschlagbarer Preis fuer einen Campingplatz. Insbesondere konnte ich gleich direkt beim Eingang uebernachten, neben der Sitzgelegenheit. Ob man's glaubt oder nicht, ist das auch der einzige Campingplatz oder die einzige Unterkunft seit Beginn des GR10, bei dem ausreichend Klopapier fuer eine ordentliche Sitzung vorhanden ist. Da zwar Waschmaschine, aber kein Trockner zur Verfuegung stand, konnte ich wieder mal nicht meinen etwas miefigen Schlafsack, die lange Abendhose und das Fliess waschen. So beschloss ich eben, letztere beide Sachen zum Lueften nach aussen zu haengen.
... wurde Pause gemacht

Ein weiterer Ganz zurueck in das Dorf zur Apotheke ermoeglichte mir auch Nachschub von etwas sehr Wichtigem zu bekommen. Naemlich eine Salbe, die mir Nicky, die Frau meines Bruders mitgegeben hatte, um den Ausschlag an meinen Schultern wg. dem Druck von den Trageriemen zu verhindern. Diese Tube geht naemlich mittlerweile aus und ich bekomme wieder kleine Pickel was sehr unangenehm wird. Ich wundere mich sowieso, wie ich die bisherigen Alpenueberquerungen ausgehalten habe ohne diese Salbe zu besitzen.

Zum Abendessen kaufte ich dann im Supermarkt noch einen fertigen Salat, Nudeln mit Bolognesesauce sowie einen schaedelsprenger Wein ein: "Domaine clos du puits, Tautavel". Der Wein schmeckt ungelogen wie Pisse. Sehr bitterer Geruch, Vor- und Nachgeschmack. Das wird wirklich grauenhaft zum Aufstehen. Nach dem Salat kochte ich dann eben die Nudeln und ass dazu die Sauce. Dabei lernte ich auch noch einen anderen Franzosen kennen, der um ein Feuerzeug fragte, da deren Feuerzeug feucht geworden ist. Spaeter gesellte er und ein Freund sich noch bei mir dazu. Waehrend wir miteinander schwaetzen, trank ich den Wein und das Bier Leffe und er sein Zeug, das in etwa nach Ouzu schmeckte, aber keiner war.
Heute gab's nur huebsche Wanderwege

Leider gibt es auch noch eine schlechte Nachricht fuer meinen rechten grossen Zehernagel. Dieser ist waehrend der Tour vollstaendig nachgewachsen. Heute musste ich feststellen, dass er auch schon leicht blaeulich ist und leicht schmerzt. Vllt. geht dieser auch noch wieder ab. Ich weiss mittlerweile ehrlich gesagt nicht mehr, was ich dagegen tun soll. Mir scheinen staendig Naegel auszufallen, obwohl ich die Schuhe schon eine Nummer groesser genommen habe als die Schuhgroesse von der Muenchen-Monaco Tour.
Blick zurueck

Morgen erwartet mich eine sehr lange Etappe, erst mal mit 16 km und 1000 HM, dann 10,5 km + 400 HM. Mal schaun, ob das klappt, ansonsten haette ich uebermorgen nur eine 3 Stunden Etappe, was ich definitiv verhindern moechte. Es wird morgen also sehr interessant und vllt. die Haerteste der bisherigen selbst gelegten Etappen. Wenn ich sonst keine mehr zusammenlegen wuerde, waeren es damit insgesamt 50 Tage bis zum Mittelmeer und damit definitiv zuviel. Mind. 10 weitere Tage moechte ich noch herausholen, was aber kein Problem sein sollte :-). Es wuerde noch viel zu schreiben geben, aber es ist schon fast halb 1 in der Nacht und ich muss morgen unbedingt frueh aufstehen. Gute Nacht Tagebuch!