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Samstag, 23.08.2014
Tag 1 - Guter Start
Campingplatz → Hendaye → Biriatou → Pitara → Ventas d'Ibardin → Venta Insola → Gite d'etape Olhette → Col de Trois Fontaines → Sare → Camping petit Rhune

So, das war heute den Umstaenden entsprechend eigentlich ein guter Start. Mein von Schnecken befreites Zelt konnte ich die ca. 30 km weit schleppen und ich bin soweit gekommen wie geplant. Desweiteren uebernachte auch wieder im Zelt bei irgendeinem Campingplatz.
Morgens beim Strand: Die Strassenbeleuchtung war noch an

Gestern Abend nahm ich statt dem Menu dann doch die Pizza, da mir von dem Menu nichts zusagte. Dann sah ich auch noch, wie die Bedienung fuer die Nachspeise zustaendig war und mit ihrem Finger das Tiramisu beruehrte. Ja ne. Das muss ja nicht sein. Vor allem werden die Nachspeisen (inkl. Kuehltruhen fuer das "offene" Eis) hier in dem Gastraum aufbewahrt und nicht in der Kueche. Das ist nicht gerade die beste Kueche, aber wg. der guten Lage spielt das hier wohl auch keine Rolle.

In der Nacht raschelte dann auf einmal meine Sicherheitsdecke ohne dass Wind ging. Als ich nachschaute, hatten sich schon 2 Schnecken darauf verirrt. Sehr toll. Hier gibt's anscheinend eine Schneckenplage. Nicht nur, dass mir ein absolut beschissener Platz gegeben wurde der vor Dreck nur so strotzte, jetzt kommt auch noch eine Schneckenplage hinzu. Nachdem ich immer wieder mal Schnecken mit meinem Wanderstock in die Ferne befoerderte, kroch dann tatsaechlich auch noch eine andere entlang der Zeltaussenhuelle um das Zelt herum und hinterliess dabei eine wunderschoene Schleimspur auf meinem Zelt. Ja vielen Dank!
Startpunkt des GR10

Dann klingelte auch schon mein Wecker den ich auf 6:15 gestellt hatte. Draussen war es allerdings noch dunkel, so stellte ich ihn auf 6:30 und beschloss dann doch sofort aufzustehen. Zusammengepackt war alles in 15 Minuten und ich stopfte mir noch das bereits fertig gestellte Baguette von gestern teilweise rein und nahm den Rest mit auf die Wanderung. Beim Zelt lies ich dieses mal sowohl in der Innen- als auch der Aussenhaut einen kleinen Spalt offen. Vllt. war das der Grund, warum das Zelt heute beim Loswandern absolut trocken war - bis auf die Schneckenschleimspuren... Die Toiletten waren einfach nur noch grauenhaft. Obwohl man hier erwarten koennen sollte, dass man gute, saubere Toiletten so nahe an der Zivilisation vorfinden sollte, gab es hier nur die "Geh in die Hocke" Toiletten, die auch noch verdreckt waren. Als i-Tuepfelchen kam hinzu, dass es kein einziges Blatt Klopapier gab. Zum Glueck habe ich noch eines im Rucksack gehabt. Das ist einfach ein Drecksloch und ich war froh, als ich den Campingplatz verliess. Der Strandpromenade entlang gelangte ich so zum Startpunkt des GR10 der eher unscheinbar aussah: Es gab nur ein kleines Schild mit einer Uebersicht der Pyrenaeen. Beim Zielort gibt's dann aber vllt. ein schoeneres Schild.
Schon nach kurzer Zeit stieg der Weg auf den ersten Huegel hoch

Schon beim Herlaufen gestern versuchte ich nicht auf dem GR10 zu laufen um diesen heute ganz auskosten zu koennen. So lief ich erst durch die Stadt, dann dem verkehrsfreien Weg dem Meer entlang, hatte auch wieder eine schoene Aussicht auf den Leuchtturm, der der Zielort des GR11 war und gelangte schon bald ueber kleine Straesschen weg von der Zivilisation. Das war wirklich ueberraschend und kein Vergleich zum Ende des GR11, bei dem man von einer Stadt ueber Autobahnen in die naechste Stadt geleitet wurde. Abwechselnd verlief der Weg ueber Teer-, Schotter- und Wanderwege, allerdings hatte ich das Gefuehl, dass es deutlich mehr Wanderwege waren. Das Wetter war relativ gut. Die Sonne huellte beim Losmarschieren noch die meisten Berge in ein Morgenrot und der Himmel war nur von kleinen Wolken durchsetzt. Alles in allem schien das ein sehr schoener Wandertag zu werden. Fuer die erste Etappe waren ca. 600 HM zu schaffen, wobei 500 HM fuer einen Aufstieg noetig waren. Ich beschloss auch, von Anfang an mit Sandalen zu laufen. Warum sollte ich mich auch schon jetzt in die Bergschuhe zwaengen, wenn ich diese erst viel spaeter brauchen werde? In der Ferne konnte ich einen Berg mit sehr felsiger Spitze sehen und hoffte, dass mich der heutige Weg dort vorbeifuehren wuerde. Leider war das dann doch nicht der Fall. Aber der Weg war trotzdem schoen und ich war 1x mehr froh, dass es heute nicht regnete. Denn schon bald verlief der Weg zwischen Farnen hindurch ueber einen sehr lehmigen Boden bei dem mehr Wasser diesen sehr glitschig gemacht haette. Bei diesem Aufstieg wechselte ich dann auch meine Schuhe, da ich das Gefuehl hatte, dass sich bereits eine Blase an meinem linken Fuss bildete. Gut bereift ging's damit weiter hoch und ich war doch sehr ueberrascht, dass der Weg nicht an dem Gipfel vorbei, sondern ueber diesen darueber verlief. War das wirklich der GR10 oder der HRP welcher in der Karte eingezeichnet war? Naja, egal. Die rot-weissen Markierungen fuehren mich schon richtig und ein grosser Umweg war es auch nicht. Nun ist es auch wieder an der Zeit, die Wanderstecken herzunehmen. So zog ich diese aus meinem Rucksack ohne diesen abzunehmen und war somit wieder mit Schuhen und Stoecken voll ausgestattet.
Das herrliche Wetter - kein Vergleich zur Ankunft beim GR11

Nach einem Abstieg bin ich so bei Pitara angekommen, bei der nur ein einziger rot-weiss markierter Weg, der mit GRT ausgeschildert war, weiterfuehrte. Na hoffentlich komme ich da nicht beim GR11 heraus, da die GRT's eigentlich die Uebergaenge zwischen beiden GRs sind. Ein Wanderer der gerade von diesem Weg kam, gab mir aber die Gewissheit, dass das auch der GR10 ist. Dieser Weg stieg wieder etwas leicht auf, war angenehm zu gehen und die bisherigen Beschilderungen waren ja sowieso ein Traum. Ich hoffe, dass das auch beim Rest des GR10 so gut markiert ist.
In der Ferne an dem Zipfel sieht man Cabo Higuer

Dann kam ich an einem Ort heraus, bei dem es anscheinend eines dieser Ventas gibt. Das sind Orte, bei denen Ware an der Grenze guenstiger verkauft wird. Hier angekommen fand ich auch ein paar Haeuser vor, von denen eines einen Supermarkt hatte. So konnte ich endlich zwei Packungen Nudelsuppe fuer Notfaelle einkaufen. Ohne diese waere ein Notbiwakieren sehr arm an "gutem" Essen. Eine Flasche spritziges Wasser gab's auch noch dazu, deren Inhalt ich in meine Plastikflasche umfuellte. Als ich dann weiterlief, traf mich halb der Schlag. Hier gab's nicht nur diese paar Haeusern sondern es war ein wahrer Einkaufsrummel. Hier oben trieben sich Grattler zuhauf herum, und dann auch noch diese ganzen Autos! Sehr schnell lief ich von diesem grauenhaften Anblick davon. Es ist ja schoen und gut, dass hier oben ein paar Haeuser stehen, aber einen Bazar brauche ich hier oben nicht. Eine kurze Zeit lief ich die Strasse entlang, bis ein Wanderweg nach rechts abzweigte und das nur, um nicht der Strasse entlang laufen zu muessen. Jeden HM, den ich jetzt naemlich machen werde, muss ich nachher gleich wieder herunterlaufen. Leicht ansteigend verlief dieser Weg ein paar Meter hoeher, bis eine scharfe Abzweigung durch die Markierungen angezeigt wurde. So ganz konnte ich nicht glauben, dass das ein Wanderweg sein sollte, aber die Markierung zeigte das an. Es ging knackig bergauf, bis sich der Wanderweg nach ein paar Minuten, nachdem er einem Zaun entlang gelaufen ist, wieder flacher verlief und schliesslich nach links kehrte um dann wieder bergab ueber eine Art Schotterstrasse zu laufen. Das war's dann auch schon was die Umgehung der Strasse betraf. Haette ich das vorher gewusst, waere ich der Strasse entlang weitergelaufen...
Die sehr, sehr grosse Venta, bei der es lauter Supermaerkte mit ganz viel Schrott gab

Der weitere Wanderweg ueberraschte mich dann aber, da er einem Fluss weiter entlang lief und zwar auf einem wunderschoenen Wanderweg, naja, fast. Teilweise bestand der Weg aus sehr grossen runden Steinen, die dann doch etwas an meinen Fuessen schmerzten. Irgendetwas stimmt auch nicht mit meinem rechten Wanderschuh. Entweder ist es die Korksohle oder der Schuh selbst. Beim Laufen auf einem kleineren Stein fuehlt sich dieser irgendwie seltsam an, wie wenn ein Riss darin waere. Diesen Weg weiterlaufend gelangte ich zum naechsten Venta, das ich aber nicht weiter beachtete und lief einfach auf dem Weg weiter, um dann ueber einen Uebergang zu steigen, von dem es nur noch fast bergab ging. Hier kamen mir auch schon diese und jene Leute entgegen und es war nicht mehr weit bis zum Gite d'etape am Ende der ersten Etappe.
Das Meer in Richtung Norden

Dort angekommen, war das eine Gite geschlossen und das andere machte auch einen geschlossenen Eindruck. Hm. Was nu? Auf jeden Fall Pause! So lief ich in den Garten von dem einen Gite und setzte mich auf die Gartengarnitur. Ich plante eine halbe Stunde Pause ein. Mit Julie waeren es sicher wieder 1,5 Stunden inkl. Siesta geworden :-). Wie schon so oft bei frueheren Wanderungen erfolgreich angewandt, massierte ich mir auch dieses mal zuerst mal die Fuesse durch, was deutlich zur Schmerzlinderung beitrug. Dann verputzte ich auch noch das letzte Stueck von dem belegten Baguette, das ich mir zum Glueck noch mitgenommen hatte. Aber es gab hier kein spritziges Wasser. Doch Moment mal! Ich habe doch noch die halbe Bier im Rucksack. Zwar wollte ich meinen Bier und Colakonsum reduzieren, aber das war mir jetzt auch egal. Das Bier hatte ich mir verdient. Ich war naemlich in 5 Stunden statt 6,5 Stunden hier angekommen. Jedoch musste ich noch weiter, da ich so schnell wie moeglich aus dem baskischen Land raus wollte, da es mir dort zu haeufig regnete. Es ist in der Tat als ein regenreiches Land bekannt. Wie schon gestern geplant, wollte ich also noch etwas weniger als die Haelfte der naechsten Etappe weiterlaufen, was die Etappe auf ca. 30 km ansteigen laesst, aber das war ok. Waehrend ich das Bier trank, stellte ich fest, dass es statt der erwarteten 200 HM doch ganze 500 HM nach oben anstieg. Das Bier trank ich aber trotzdem aus. Man verschwendet so etwas Edles ja nicht einfach so.
Der huebsche Wanderweg entlang des Flusses

Nach etwas mehr als einer halben Stunde machte ich mich dann an den weiteren Weg. Dieser verlief relativ steil ansteigend die ueber das Tal gegenueberliegende Seite weiter hoch, von der ich heruntergekommen bin. Ein paar Jaeger mit ihren Hunden kamen mir auch entgegen was mir gut passte, denn so konnte mich niemand abknallen. Dass das 500 HM waren, konnte ich kaum glauben, da ich bis auf ein paar Fotopausen ununterbrochen durchgestuermt bin. Ich habe es eilig und keine grosse Lust, mich lange mit einem Aufstieg von nur 500 HM zu beschaeftigen. Das sollte nach dem GR11 Wanderweg wirklich kein Problem sein. Kurz vor dem Uebergang konnte ich dann schon einen Haufen Menschen sehen. Wo kommen die nur her? Ist das jetzt so, dass die Franzosen wirklich laufbegeisterter als die Spanier sind? Das dachte ich mir zuerst. Nachdem ich hier oben noch weiter gelaufen war, konnte ich dann aber schon die Zahnradbahn entdecken, die diese Grattler hier hochbrachte. Damit ist das Grattlergrenzengesetz immer noch gueltig! Hm... vllt. sollte ich vorher mal den Grattler genau definieren: Menschen auf Bergen, die sie ohne technische Hilfsmittel (Wanderschuhe zaehlen hier nicht dazu ;-) ) nicht bestiegen haetten. Also nichts wie weg hier und schon machte ich mich an den Abstieg. Bei diesem kam mir auch eine Familie entgegen die mit Zelt und Thermomatten bestueckt hier aufstiegen. Die Frau machte einen Gesichtsausdruck wie wenn sie gleich ihren Mann umbringen wuerde. Also nichts wie weiter. Die Wegfuehrung war sehr seltsam, ging mal wieder in die entgegengesetzte Richtung, mal wieder bergauf, mal auf Teer- und wieder zurueck auf Wanderwegen, etc.
In der Ferne sieht man den Wanderweg, den ich heute noch laufen werde

Ich war mehr als froh, als ich endlich Sare unter mir erblicken konnte und war ein paar Minuten spaeter ueber die Teerstrasse auch schon dort. Die Wegmarkierungen fuehrten mich dann auch direkt in's Zentrum. Bei dem vorherigen Gite d'etape las ich im Fuehrer, dass einmal jaehrlich auch ein besonderes Fest stattfindet. Das Datum passte dabei genau auf den heutigen Tag, weshalb ich auch nicht mit einer Uebernachtungsmoeglichkeit hier rechnete, was aber nur fuer Notfaelle eingeplant gewesen waere. Ich fragte mich nach einem Supermarkt durch um dann festzustellen, dass dieser erst um 16 Uhr aufmachen wuerde. Es war aber erst eine halbe Stunde davor. So holte ich mir einen halben Liter stilles Wasser von irgendeinem anderen Laden, da es kein spritziges gab, trank diesen aus, holte mir dann noch einen ganzen Liter falls ich heute notbiwakieren musste und beschloss dann gleich weiterzulaufen. Vom Supermarkt haette ich mir nur ein Baguette, Wurst und Kaese geholt, was ich morgen aber 2 Stunden weiter auch herbekomme.
Das Grattlertransportmittel

Der weitere Weg verlief dann aus der Stadt Richtung Sueden hinaus und fuehrte dann bald ueber Treppen in das naechste Dorf bei dem ich Campieren wollte. Dort fand ich dann auch gleich einen Wegweiser mit 300m und war schon bald beim Campingplatz um dort mein Zelt aufzuschlagen, dieses mal an einem Platz, der nicht vor Matsch strotzte. Die Duschen waren alle neu und kein Vergleich zu dem Schrott von gestern. Heute konnte ich sogar meinen eigenen Koerpergeruch riechen und war froh ueber die gute Dusche und das anschliessende Waschen der Sachen. Auch meine Wanderhose wurde heute wieder mal einer Waesche unterzogen. Das letzte mal war glaub ich 1 Woche her, dass das passiert ist.
Der steinerne Weg in Richtung des Campingplatzes

Zum Essen ging's in das Restaurant nebenan. Dort bestellte ich mir das Menu und eine kleine Flasche Rotwein. Das Menu war absolut hervorragend! Als Vorspeise bekam ich einen Salat mit Schweinelende, Schinken, Spargel und vielen anderen leckeren Sachen. U.a. Tomatenfleisch mit Kraeutern die mich an Pizza erinnerten. So kam es, dass ich sogar diese Tomatenbestandteile ass. Als Hauptgericht bekam ich dann Schweinelende mit Pommes. Der Nachtisch war auch prima. Schokoueberzogener Bisquittkuchen mit Eis und Vanillesauce. Gerade laeuft die Bedienung an mir mit vielen anderen guten Nachspeisen vorbei. Das Restaurant (Ich glaube, das heisst Pikasare) ist absolut empfehlenswert!
Das Hauptgericht des sehr, sehr leckeren Menus

Nun ist es erst kurz nach 9 und ich bin schon hundemuede. Lange werde ich heute wohl nicht mehr wach bleiben. Den Schlaf habe ich mir aber wg. der gestrigen fast schlaflosen Nacht und dem heute langen Hatsch auch wirklich verdient. Dann gute Nacht liebes Tagebuch und guten Tag GR10.