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Mittwoch, 13.08.2014
Tag 35 - Regen, keine Sicht, alles nass
Refugio de Sorogain → Aratun → Urkiaga → Autrin → Elinzondo

Das war heute wohl so der beschissenste Tag, den ich seit dem ganzen GR11 miterlebt habe. Es hat fast den ganzen Tag gepisst, von den Aussichten war ueberhaupt nichts zu geniessen, die Klamotten wurden nicht wirklich trocken, es gab keinen einzigen Unterstand und irgendwie war alles Mist.
Da es kein Foto vom heutigen Tag gibt, repraesentiert dieses selbstgemalte Bild eben diesen Tag

In der Nacht wachte ich desoefteren mal auf, vermutlich weil mir die Fuesse etwas schmerzten. Um 6:30 ging's dann an's Aufstehen und Julie musste mich mehr oder weniger aus dem Bett zerren. Das wird zum Ende hin immer schlimmer. Die langen Etappen zehren jetzt doch noch an den Kraeften auch wenn es nicht mehr viele HM nach oben und unten zu laufen gibt. Julies Rucksack gibt immer mehr den Geist auf. Der Reissverschluss den sie vor einigen Tagen erst wieder gerichtet hat, ist heute frueh schon wieder aufgesprungen, aber zum Glueck nicht auf der ganzen Laenge wie letztes mal. So wird der Reissverschluss jetzt eben nicht mehr ganz geschlossen. Ihr Wasser von der Trinkblase ist heute auch ausgelaufen, da sie ihren Rucksack auf das Trinkendstueck gelegt hat und dann das Wasser ausgelaufen ist. Kein wirklich guter Start in den Wandertag. Das Dinner und auch das Fruehstueck war im relativ guenstigen Uebernachtungspreis inklusive und so machten wir uns kurz nach 7 Uhr mit gepackten Rucksaecken auf zum Fruehstueck. Dort bekam ich auch einen Saft, eine Schokomilch und getoastete Brotscheiben mit Marmelade und Butter. Der Bewirtende war irgendwie mit allem ueberfordert, da er alleine war. Anscheinend wird dieses Refugio nicht all zu oft besucht, was leider vllt. auch am duerftigen Essen liegen koennte. Beim gestrigen Dinner waren z. B. meine Fleischscheiben schon fast kalt und die Pommes aus meinem Ofen schmecken deutlich besser als das, was mir dort angeboten wurde. Aber irgendwie schmeisst das alles eine einzige Person die damit natuerlich etwas ueberfordert ist. Nach dem Fruehstueck starteten wir dann kurz vor 8 Uhr in den heutigen Tag, kurz nachdem es wieder kurz aufgehoert hat zu regnen. Um uebrigen hat es die ganze Nacht durchgepisst, was die weiteren Beschreibungen der Wanderwege erklaert.

Zuerst verlief der Wanderweg links der Strasse entlang ueber Wiesen und andere Matschwege. Warum war mir nicht ganz klar, da die Strasse nur 20 Meter entfernt lag und sicher angenehmer zu gehen gewesen waere und wir uns die Wegmarkierungssuche haetten ersparen koennen. Nach ein paar Minuten zweigte dann der Weg links ab und es fing auch schon wieder das Schiffen an. Unter einem Baum bei dem wir vor dem Groebsten des Regens geschuetzt waren, suchten wir dann kurz Unterschlupf um unsere Regensachen anzuziehen. Alain lief einfach weiter, aber beschloss nach 100 Metern auch unter einem anderen Baum seinen Regenschutz anzuziehen. Das Regnen hoerte dann auch fuer die naechste Zeit einfach nicht mehr auf. Langsam zog sich der Weg zuerst einen Berg entlang eines Flusses weiter hoch. Es waren ca. 400 HM nach oben zu schaffen. Der Weg an sich war ja wirklich wunderschoen, ueberquerte ab und zu den Fluss der bei entsprechendem Sonnenschein sicherlich wunderschoen anzuschauen gewesen waere und auch dessen Flora und Fauna die er um sich herum schuf. Allerdings machte das beim Regen keinen Spass. Der Wanderweg stieg bald darauf sehr steil an und war wg. dem Lehm darunter alles andere als angenehm zu gehen. Wieder mal beschloss ich, keine Wanderstoecke zur Hilfe zu nehmen und immer wieder rutschte ich mit meinen Schuhen aus. Das war wirklich kein guter Tag, aber das ist wohl der letzte steile Anstieg, der zu bewaeltigen ist. Alain verloren wir bald aus der Sicht, da er beim Aufstieg immer ein bisschen laenger brauchte und sich auch so mehr Zeit beim Wandern lies. Das war auch das letzte Mal, dass wir ihn heute gesehen hatten. Vllt. sieht man sich ja morgen wieder beim Wandern.

Nach dem schmierigen Aufstieg gelangten wir dann oben auf eine Lichtung, bei der der Wind auch noch seinen Teil dazu gab. Immerhin war der Wind nicht so stark wie 2 Tage zuvor, sodass wir gemuetlich weiterwandern konnten und der Regenschutz einen guten Windstopper abgab. Ein paar Schafe jagte ich dann auch noch spasshalber vor mir her. Irgendwie muss man sich ja diese Ohne-Aussicht-Regen-Wind-Stimmung verbessern und notfalls eben, indem man Hirtenhund spielt der die Schafe aber auseinandertreibt statt zusammenzuhalten. Ueber irgendwelche Marker welche den Weg quer ueber eine Wiese verlaufen liessen, gelangten wir dann bald auch auf eine Waldstrasse der wir weiter bergab folgten. Der Regen hoerte dann auch endlich mal fuer ein paar Minuten auf und ich hoffte, dass die eine Nothuette bei Urkiaga wenigstens geoeffnet hatte. Zuvor trafen wir aber noch auf ein paar Leute, welche ein paar Meter vor der Huette ihr Zeltlager aufgeschlagen hatten und erst jetzt (es war ca. 10 Uhr Frueh) damit anfingen, ihr Zelt zusammenzupackeln da sie abwarten wollten, bis der Regen aufhoert. Die Huette war dann auch verschlossen und wir kamen zu dem Entschluss gleich weiterzulaufen. Was sollten wir auch vor einer verschlossenen Huette ohne Unterschlupf?

So ueberquerten wir die Hauptstrasse, welche hier vorbeifuehrte und als wir gerade weiter auf dem Wanderweg laufen wollten, winkte uns irgendein aelterer Herr zu neben dem ein Juengerer stand. Was will der denn? Julie fragte dann, was er denn wolle und ueberrascht nahmen wir dann etwas Rotwein, Kaese auf Baguette und Sardinen mit Oliven auf Baguette entgegen. Die beiden waren hier beim Pilze sammeln und hatten bereits einen Korb vollgemacht. Nun standen wir vor ihrem Kofferraum in dem eine halbvolle Flasche Rotwein war und das andere Essen. Es handelte sich wohl um Vater und Sohn die aus Pamplona hierhergefahren waren um sich ein paar Pilze zu besorgen und nun kamen wir in Genuss von dem Rotwein und den anderen Leckereien. Genau solche Momente lassen den Regen aus den Gedanken verschwinden und Freude trotz des miserablen Wetters aufkommen. Die beiden hatten sich natuerlich auch gefreut, ein Paar GR11 (beinahe haette ich schon Via Alpina geschrieben ;-) ) Gaenger zu treffen welche am Mittelmeer losgelaufen sind. Dann mussten wir aber auch weiter, bedankten uns sehr fuer Speis und Trank und machten uns an den weiteren Aufstieg, der erst mal ueber eine Schotterstrasse weiter hoch verlief.

Mind. an zwei Huetten liefen wir vorbei, allerdings war jede verschlossen. Es gibt hier auf dem ganzen Wanderweg anscheinend keine Unterstellmoeglichkeit. Nach gefuehlten 200 HM nach oben fing die Markierungssuche an, da der Wanderweg - von einem Weg war nichts mehr zu sehen - ueber Wiesen weiterfuehrte und nur noch die Markierungen uns den Weg wiesen. Dieser Weg fuehrte genau unterhalb von Jagdboxen vorbei, bei denen mir schon Gedanken kamen, dass die GR11 Gaenger jetzt zum Schluss noch zum Abschuss freigegeben werden da die sowieso niemand vermisst und niemand glauben kann, dass die auf einem so einfachen Weg verloren gehen. Die Wolken nahmen uns hier oben wieder mal jede Sicht und fuer die naechsten Stunden werden wir uns genau in dieser Hoehenlage aufhalten. Super, wirklich toll. So ging das Wegmarkierungsgesuche weiter, ueber Felder, mal wieder ueber ein paar Felsen die nass und rutschig waren, ueber verschlammte Wege, ueber was weiss ich was. Das war nicht mehr schoen. Der Weg verlief dann auch noch bergab an ein paar wieder mal verschlossenen Haeusern vorbei. Nur bei einem konnten wir ein offenes Feuer durch die Eingangstuere sehen und als Julie mit dem Besitzer bei seinem Auto ein Gespraech anfangen wollte, winkte dieser gleich mit einer Geste ab, dass wir abhauen sollten.

Dann gab's auch noch die spanisch-franzoesische Grenze, die wir immer wieder auf- und absteigend entlang laufen sollten. Ja was fuer ein Mist ohne Aussicht. Dann stieg der Weg weiter ueber Wiesen und wieder viel Schlamm bergab, u.a. rechts an einem Haus bergab bei dem schoene Baenke davor standen und es hatte gerade zu regnen aufgehoert. Das Haus selbst war verschlossen und bot sonst auch keinen Unterstand.Nach den paar Stunden Hatsch kamen die Baenke aber relativ gut gelegen um eine kurze Pause zu machen. Kurz nachdem wir unser Essen ausgepackt hatten, fing es dann auch schon wieder an zu schiffen... Nein, das ist einfach nicht unser Tag. Immerhin gab's eine Quelle mit frischem Trinkwasser. Zwei andere Wanderer kamen dann auch aufgestiegen. Die beiden hatten noch den ganzen GR11 vor sich, da sie zum Mittelmeer aufbrachen und das war wohl alles andere als ein schoener Start. Im Regen futterten wir dann vor uns her, assen sehr viel Obst (Pfirsich, Apfel, Birne), Chorizo und Kaese. Vorher wechselte ich auch noch mein Kunststoff-Funktions-T-Shirt mit dem aus Merinowolle aus, da ich ein Trockenes haben wollte das besser waermt. Diese Plastikteile sind einfach nur Schrott wenn es mal darauf ankommt. Mein Fliess verwendete ich auch noch um mir beim Herumsitzen im Regen eine bessere Isolierung zu verschaffen. Bevor uns der Regen noch endgueltig zerweichte, beschlossen wir dann weiterzugehen. Es waren noch ungefaehr 2 Stunden Abstieg zu bewaeltigen.

Sogleich ging der Wanderweg weiter. Wohingegen der vorherige lediglich ein bisschen matschig war, schwammen meine Wanderschuhe in Diesem. Als ob das nicht ausreichte, wucherten immer mal wieder Dornengewaechse ueber den Wanderweg hinweg. Haben wir das nach den ganzen Anstrengungen wirklich verdient?!? Irgendwie verlief der Weg dann eben herunter, dann mal wieder auf Schotterstrassen und die Markierungen schlaengelten sich dann durch irgendwelche kleinen Wanderwege oder auf der Strasse in's Tal hinunter. Der Regen hoerte nun immer oefters auf und auch die Sicht wurde deutlich besser, da wir uns unter den Wolken aufhielten.

So gelangten wir unter ein kleines bisschen Sonnenschein nach Elizondo, bei dem wir uns gleich in eine Bar begaben. Bier und heisse Schokolade gab's sogleich um uns von innen etwas aufzuwaermen. Die Touristeninformation fand ich nur verschlossen auf, allerdings bot uns dann ein Restaurant eine sehr guenstige Unterkunft fuer 30 EUR fuer ein DZ. Besser kann's fast nicht laufen. Das Zimmer ist allerdings mit allem moeglichen nassem Zeug zugehaengt. Es sieht aus wie auf einem Bekleidungsbasar da auch Sachen im Rucksack, z. B. der Schlafsack, etwas feucht geworden sind.

Fuer morgen steht wieder ein 8,5 Stunden Hatsch, dieses mal aber sogar ueber 30 km an. Das Wetter soll auch nicht viel besser sein. Das kann ja ein Spass werden... Aber immerhin koennen wir morgen hoffentlich mit trockenen Sachen loswandern und mussten nicht im Zelt uebernachten. Was mich wundert ist, dass bisher kein Muskel von mir verkrampfte. Ich haette erwartet, dass ich mind. 1x in der Nacht mit einem Krampf aufwache. Einen Mega Regenwurm gab's uebrigens auch noch beim Abstieg. Der war sicher mind. 50 cm lang!

Es sind noch 2 Tage zu wandern und irgendwie ist es fuer Julie und auch mich ein seltsames Gefuehl, dass es dann vorbei sein soll. Nicht nur mit dem GR11, sondern auch die intensive Freundschaft die sich innerhalb der letzten Wochen gebildet hat. Mal schaun ob da nicht noch z. B. der Weitwanderweg HRP in einem Jahr kommt der ueber die Gipfel vom Mittelmeer zum Atlantik fuehrt :-).