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Montag, 11.08.2014
Tag 33 - Nebel, keine Sicht und Verlaufen
Ochagavia → Passo de la Alforjas → Bizkarrandi → Verlaufen → Hiriberri

Der heutige Tag fing an sich wunderschoen an. Es gab einen schoenen Wanderweg, anschliessend einen schoenen Aufstieg. Dann wandelte sich aber das Ganze in eine regelrechte Qual, da der Weg nur noch von Wolken zugezogen war, keine Sicht bot und wir uns letztendlich auch noch verlaufen hatten. Schlimmer geht's fast nicht mehr.
Goodbye Fruehstueck fuer Tobi
(image by Alain Collet)

Da der heutige Tag an sich mit 7 Stunden angegeben war, standen wir nach dem edlen Abschlussabend von gestern mit dem prima Essen schon relativ frueh auf, naemlich um kurz nach halb 7. Nach dem Packeln von dem ganzen Graffl machten wir uns dann sogleich auf den Weg zum Supermarkt der schon kurz vor 8 Uhr geoeffnet hatte, um uns mit Proviant einzudecken. Baguette, Wurst, Schokopudding, Saft, etc. wurde besorgt, was wir dann gleich teilweise auf einer Bank vor dem Supermarkt verputzten. Dann hiess es Abschied von Tobi zu nehmen. Er hat tapfer durchgehalten und ist dem Weitwandern nicht zum Opfer gefallen. Er darf nun wieder den Annehmlichkeiten des Alltags froehnen, und fuhr mit dem Bus davon.
Weg hoch zur Kapelle (?)
(image by Alain Collet)

Fuer uns begann nun der tatsaechliche Wandertag und da meine kurze Hose noch vom Waschen gestern nass war, startete ich in den Tag mit der langen Wanderhose. Quer durch die Stadt zog sich der Wanderweg, der wohl ein Kreuzweg sein sollte und zu irgendeiner Art Kapelle oder Kloster hochfuehrte. Die lange Hose fuehrte dazu, dass ich ganz schoen in's Schwitzen kam. Allerdings blieb mir nichts anderes uebrig, ansonsten muesste ich in die kurze Hose steigen. Wirklich nichts anderes? Oben nach vllt. etwas weniger als 200 HM angekommen genossen wir erst mal den Rundumblick und ich ueberlegte mir, was ich machen sollte. Mit der langen Hose und der bereits aufgestiegenen Sonne konnte das so nicht weiterlaufen. Was also tun? Richtig! Hose runter! Nur in Unterhose bei bereits relativ warmen Temperaturen laeuft es sich sowieso viel angenehmer. So wanderte ich in Unterhose, Socken und T-Shirt bekleidet weiter. Julie und Alain freute das natuerlich, was mir aber egal war. Das hat schon irgendwie etwas befreiendes an sich. Vor der Tuere zum Kloster stehend fragten wir uns dann, wo denn jetzt der Wanderweg weiterlaeuft und nach ein bisschen herumsuchen fanden wir ihn dann auch links am Kloster vorbeifuehrend, dann noch etwas aufsteigend, dann absteigend und auf einer Schotterstrasse weiterfuehrend.
Kapelle oder was auch immer das sein soll
(image by Alain Collet)

In der Ferne konnten wir dann schon bald den Ausblick auf die Huegel geniesen, auf dessen Bergruecken wir heute unterwegs sein werden. Allerdings hielten sich dort oben immer noch Wolken auf, die wie Wasserfaelle ueber die Huegel vom Wind geschoben wurden und dann verdampften. Der nun folgende Wanderweg stieg sehr angenehm aufsteigend an, allerdings kamen wir immer naeher an die Wolkensuppe heran. Julie ueberzeugte ich dann auch noch, dass es ohne Hose, nur in Unterhose absolut toll zu wandern ist und schon gab es 2 Unterhosenwanderer die die Pyrenaeen unsicher machten. Nach weiteren 200 HM war es dann soweit. Wir steigen in die Wolkensuppe und die Sicht wurde auf unter 50 Meter eingeschraenkt. Das ist wirklich schade, da der heutige Weg staendig ueber Bergruecken fuehrte und wir so keine Aussicht hatten. Das war nur nicht das wirkliche Problem, sondern der Wind, der mehr und mehr um die Ohren pfiff, desto naeher wir dem Bergruecken kamen. Auf dem Weg dorthin machten wir dann auch noch 2 Minuten Pause bei irgendeiner Huette die offen stand, aber in keiner Karte verzeichnet war um uns kurz vor dem Wind zu schuetzen. Dann liefen wir endgueltig zum Bergruecken hoch und ich legte ein ganz gutes Tempo vor, da es hier in Unterhose und T-Shirt ganz schoen kalt war. Ich wollte aber einfach nicht mehr anziehen. Julie zog noch ihre Windstopperjacke an und sah nun so aus, wie wenn sie ueberhaupt nichts unten herum an hatte. Das verwirrte natuerlich einige Wanderer welche uns entgegenkamen, da diese zumeist mit langer Hose und Jacke bekleidet waren um dem Wetter hier oben etwas entgegenzusetzen. An den Haaren meiner Arme erkannte ich dann auch, dass sich mehr und mehr Wassertroepfchen sammelten.
Die Wolken die sich wie eine Decke ueber die Berge legten. Genau dort ging der Weg hoch.
(image by Alain Collet)

Der Gipfel war dann auch relativ schnell erreicht, allerdings hatten wir wieder mal ueberhaupt keine Aussicht. So ein Mist. Aber so ist das nun mal. Beim Weiterweg suchten wir dann immer wieder nach Wegmarkierungen, die sich irgendwo im Nebelsumpf versteckten. Der Kompass leistete hierbei wieder sehr gute Hilfe um zumindest die Richtung feststellen zu koennen in der wir die Markierungen suchen mussten. Als Karten verwendete ich sowohl die Karte die gefuehlt aus dem zweiten Weltkrieg stammt, als auch die neuere IGN Karte. Allerdings bot keine genug Details, alsdass man bei Nebel haette blindlings ohne Markierungen haette wandern koennen. Nach einem kurzen zick-zack Weg querten wir noch eine Strasse um dann auf einer Schotterstrasse weiterzulaufen und das wieder mal fuer eine gefuehlte Ewigkeit. Wegweiser gab es hier immer mal wieder, die uns bezueglich der Restzeit beruhigten. Es waren definitiv noch weniger als 3 Stunden zu laufen und auf diese Wegweiser hier konnte man sich tatsaechlich verlassen. Dann gelangten wir zu einer Abzweigung, bei der wir den linken Weg nehmen sollten. Zumindest ist das so in der Karte eingezeichnet und genau so verhielten wir uns auch und liefen wie erwartet den Weg weiter herunter. Ein bisschen ueber Beton, dann wieder ueber eine Schotterstrasse und da es schon nach 12 Uhr war, machten wir uns auch daran, eine Moeglichkeit zu suchen, wo wir uns in einen trockenen Bereich setzen konnten. Das war gar nicht mal so leicht, da hier entweder alles zugeschissen war oder feucht.

Auf 2 Steinen erschien es uns dann gemuetlich genug und ich machte mich daran zu ueberpruefen, ob das hier wirklich noch der richtige Wanderweg ist, da wir schon seit 20 Minuten keine einzige Markierung mehr gesehen hatten. Das kommt mir etwas spanisch vor! So stellten wir fest, dass wir wohl eine Markierung uebersehen hatten, obwohl wir eigentlich immer sehr gut darauf geachtet haben. Doch wo befanden wir uns nun? Da wir uns links hielten, koennen wir uns eigentlich nur links von dem Berg befinden und lt. Fuehrer haetten wir ueber diesen drueberlaufen muessen. Aber zuruecklaufen wollten wir auch nicht mehr. Dafuer hatten wir schon mind. 100 HM Abstieg geschafft und die Strasse schien auch zu passen. Hinzu kam, dass oben sowieso keine schoene Aussicht war, da die Wolkensuppe dort vorherrschte. Immer trieben mich Unsicherheiten, ob denn diese Strasse auch die Richtige war, da diese einfach weder zur Karte aus dem 2-ten Weltkrieg, noch zu der neuen Karte passt. Aber egal, da die Himmelsrichtung einigermassen passte. Bald hatten wir auch einen Blick herunter ins Tal und ich versuchte mal wieder, die Karte mit dem was ich sehen konnte, abzugleichen. Das konnte aber nicht sein was ich hier sah. Die Ortschaften und deren Strassen wiesen darauf hin, dass wir rechts statt links am Berg entlang vorbeigelaufen waren. Aber das konnte doch gar nicht sein, da wir uns immer links gehalten haben! Wie konnte denn das passieren? Spaeter fanden wir dann heraus, dass eine drecks Mountainbiketour die tatsaechlichen unterschiedlichen Strassen und Wanderstrecken ueberdeckte und wir deshalb nicht die eine Abzweigung noch weiter links nahmen, die sich neben der Strasse befand.
Aufstieg ueber die Wiese hoch
(image by Alain Collet)

Beim Abstieg erkundigte sich Julie dann vorsichtshalber nochmal bei einem Traktorfahrer, ob diese Strasse auch tatsaechlich nach Hiriberri fuehrte und zum Glueck bestaetigte er das auch. So liefen wir weiter die Strasse entlang, kamen so endlich an den heutigen Zielort und kehrten sogleich in der einzigen Bar des Ortes ein. Dort trocknete ich auch noch mein Zelt das ich heute wieder relativ nass mitnahm, trank 2 Bier und dann suchten wir noch eine Unterkunft wobei uns eine empfohlen wurde. Diese kostete zwar 30 EUR, war dafuer aber auch sehr luxorioes und hatte ein modernes Bad. Fruehstueck ist auch inklusive, wobei ich gespannt bin, wie gut das ist. Angeblich sind auch die ganzen Dosen im Kuehlschrank umsonst und in den 30 EUR mit inbegriffen. Das wird sehr interessant heute Abend, da auch Bier im Kuehlschrank ist :-).
Schafe im Nebel
(image by Alain Collet)

Zum Essen ging's in die Bar, bei der ich eine zwar ueberschaubare Portion Schweinefleisch mit Pommes, dafuer aber auch eine ziemlich gute Portion bekam. Zum Nachtisch gab es dann eine Art Kaesekuchen, der mit Marmelade ueberzogen war. Das Lokal wird anscheinend von einer Frau betrieben, die sehr viel Wert auf gute Hausmannskost legt. So, das war's dann. Morgen geht's rueber zu dem Pilgerpfad bei dem wir ein paar Grattler sehen duerfen.

Meine Fuesse scheinen dadurch, dass ich die Wanderstoecke nicht mehr benutze, staerker belastet zu werden. Bestimmte Bereiche davon schmerzen auch noch am naechsten Morgen und auch mein rechtes Knie macht sich ab und zu bemerkbar. Aber die letzten 4 Tage kann ich auch noch so weiterlaufen.