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Samstag, 09.08.2014
Tag 31 - Das letzte mal ueber 2000 HM und ein bisschen Klettern
Zuriza → Ezkaurre → Pena del Ibon → Isaba

Der heutige Tag war wohl der kroenende Abschluss des Pyrenaeengebirges. Ab sofort werde ich nicht mehr auf ueber 2000 HM kommen.
Die guenstige und gute Unterkunft
(image by Tobias Neckel)

Wir stellten den Wecker tatsaechlich auf 5:30 Uhr. Das war fuer mich und auch fuer Julie sehr frueh, sodass wir erst mal 5 weitere Minuten nach dem Alarm liegen blieben. Dann kramte ich allmaehlich mein Zeug als Erster zusammen. Heute schliefen wir naemlich zur Abwechslung mal in meinem Zelt. Tobi kam dann auch schon bald aus seinem Zelt und meinte, dass es ihm nicht so gut ginge und er Magenprobleme hat. Anscheinend war das Essen gestern wohl nicht so gut. Deshalb wird er heute die Variante gehen, die ich mir als Notfallplan bereit gehalten hatte naemlich die Abkuerzung ueber's Tal. Der richtige GR11 verlief heute ueber einen Gipfel bei dem der Auf- und Abstieg im Fuehrer alles andere als harmlos beschrieben wurde, ja sogar davor gewarnt wurde. Aber Julie ist das Ganze schon mal gelaufen und meinte, dass es nicht so schlimm ist. Tja, die hat sich aber nicht mehr an alles erinnert :-). Nach ueber 1,5 Stunden waren wir dann auch schon abmarschbereit. Ich stellte vor Tobis Zelt noch die Reste vom Fruehstueck und dann starteten wir "schon" in den heutigen Wandertag, der lt. Fuehrer angeblich 8,5 Stunden Gehzeit benoetigt. Der Gipfel war immer noch wolkenfrei und so hoffe ich, dass es auch dabei bleiben wuerde.
Schmales Gaesschen auf dem Weg zur Unterkunft
(image by Tobias Neckel)

Zuerst liefen wir noch ein bisschen der Strasse entlang und schon bald bog nach links der Wanderweg ab. Der erste kurze Teil war noch wunderschoen zu gehen. Hier haette man versehentlich schon davon ausgehen koennen, dass der ganze Teil des Weges so angenehm sein koennte. Dann aber fing der tatsaechliche Aufstieg an wie ich ihn noch nie erlebt hatte. Ich kenne ja steil aufsteigende Wege, aber einen solchen hatte ich bisher noch nie erlebt. Fuer mind. eine Stunde verlief der Weg einfach nur geradeaus aufsteigend, entlang des groessten Aufstieges, den Berg nach oben. Da gab's kein Pardon. Meinem Magen ging es immer noch nicht so gut und ich fuehlte mich wie in der Frueh am Tag davor, allerdings ging es mir nach jedem Schritt besser. Julie hielt ein gutes Tempo vor, das ich beinahe mithalten konnte, aber eben nur beinahe. Der Aufstieg hielt sich so lange wie moeglich im Wald auf und ich freute mich auch darueber, dass es anscheinend neue Markierungen gab. In beiden Fuehrern stand geschrieben, dass die Markierungen hier naemlich sehr spaerlich sein sollten und damit sollte es besser werden. Hinter mir versuchte auch irgendjemand der am Parkplatz direkt an der Stelle, wo der Wanderweg von der Fahrtstrasse abzweigt, uns nachzukommen allerdings hatte dieser wenig Chancen sondern hustete immer oefters. Wir waren mittlerweile einfach zu gut durchtrainiert. Nach dem knackigem Aufstieg in dem Wald endete dieser auf den letzten Metern im Wald damit, dass er fast eben verlief. Was fuer eine Erholung! Das hielt aber nur fuer ein paar Minuten an. Danach ging's gleich weiter ueber Felsen fast direkt steil noch. Wieder wurde meine Wade gefuehlt [Wieder fuehlte sich meine Wade wie] bis kurz vorm zerreissen gespannt [an]. Eine andere Moeglichkeit gab es im Felsen aber auch nicht, da der Wanderweg direkt einer der Furchen folgte, die schraeg steil aufsteigend in dem Berg sind. Auch das dauerte wohl weitere 20 bis 30 Minuten und dann kam endlich die Erleichterung: Wir waren auf der flachen oberen Seite des Berges angekommen. Von hier an verlief der Weg ueber eine steinige Landschaft weiter. Die Markierungen wurden seltener, allerdings standen hier genug Steinmaennchen herum, sodass die Wegfindung nicht zum Problem wurde. Was eher zum Problem wurde, waren die aufziehenden Wolken, die uns bald jede Weitsicht nahmen. So stapften wir weiter durch die Suppe, folgten den Steinmaennchen und Markierungen. Im Nebel sahen wir dann bald auch aufgestellte Steine, welche wohl den Gipfel markieren sollten. Allerdings wusste ich auch, dass eine quaderne Steinsaeule der tatsaechliche Gipfel war und diesen fanden wir auch nach lediglich 1 Stunde und 50 Minuten Aufstieg. Das war wirklich nicht schlecht. Im Fuehrer stand fast die doppelte Zeit drin.
Ezkaurre, der Berg auf den Julie und ich hochgelaufen sind. Leider gibt es davon keine weitere Bilder, ausser gute Erinnerungen
(image by Alain Collet)

Hier oben bliess der Wind so stark, dass wir aber keine Zeit hatten hier am Gipfel ein paar Minuten zu verweilen. So machten wir uns gleich auf die Suche nach dem Abstiegsweg. Nur wo war dieser denn? Eine Markierung hatte Julie schon bald gefunden, aber die Naechste haette irgendwo in der Wolkensuppe liegen koennen. Hier und dort suchten wir erfolglos, bis ich dann eben Karte und Kompass nahm und wir im Abstand von 50 Metern in diese Richtung stapften und schon fanden wir auch die naechste Markierung, dann Steinmaennchen, dann wieder die naechste Markierung, usw. So schafften wir Stueck fuer Stueck den Abstieg ueber die Steinlandschaft und bald fuehrte der Wanderweg herunter in den sogenannten Kamin vor dem so sehr in dem Fuehrer gewarnt wurde und schon fing der Spass an: Ein sackrisch steiler Abstieg wie ich ihn nur von Klettersteigen kannte. Mal vorab gesagt konnte ich aus weiter Entfernung nach dem Abstieg nicht mal mehr erkennen, wo wir denn abgestiegen sind, da alles nicht Auf- oder Absteigbar erschien. Zuerst verlief der Weg ja relativ angenehm ueber Steinbloecke und etwas Geroell herunter bei dem wir immer weiter den weiss-roten Markierungen folgten die so ausgelegt waren, dass sie doch den angenehmsten Abstieg in dieser Steinlandschaft aufzeigten. Soweit verlief der Weg ja noch wie ein standardmaessiger, wenn auch relativ steiler Abstieg in hoeheren Lagen. Dann aber wurde es doch wilder. Es gab immer wieder Stellen, bei denen ich von den Schlaufen meiner Wanderstoecke herausging, was ein guter Indikator fuer schwierige Stellen ist. Dem folgte dann bald auch eine Stelle, bei der ich meine Stecken einfach nur noch in die Tiefe schmiss, weil ich unbedingt beide Haende zum Klettern haben wollte. Das war hier wirklich kein Wanderweg mehr, aber trotzdem verdammt toll, da es wohl das letzte mal war, dass wir mit Felsen in Beruehrung kamen. Sozusagen also ein kroenender Abschluss. Mit Haenden stieg ich so weiter ab und auch Julie tat es mir gleich. Solche Stellen gab es ein paar mal bei diesem Abstieg. Immer wieder mal ueber grobkoernigen Schotter, dann wieder ein paar Kraxeleien. Einmal sind wir dann von den Markierungen unabsichtlich abgewichen, wobei sich der Weg als deutlich schwieriger zu kraxeln herausstellte. Dann ging's wieder gemuetlicher herunter.
Wegweiser mit Hoehenprofil
(image by Alain Collet)

Mit etwas Erleichterung kam ich und sicher auch Julie dann unten bei der Gruenflaeche an. Damit war das Ende des heutigen Extremabstieges erreicht und wir konnten gemuetlich auf den gut markierten Wegen auf der Gruenflaeche weiterwandern. Direkt fuehrte der Weg aber nicht herunter, sondern verlief immer weiter ueber die Bergruecken ueber die ein heftiger Wind blies. Sogar so ein heftiger Wind, dass es Julie einmal umgeweht hat :-). Ich zurrte den Rucksack kraeftiger an meinen Koerper, sodass ich den Rucksack unter der Windeinwirkung besser unter Kontrolle hatte. Ueber ewig lange Wege ueber Bergruecken oder knapp darunter fuehrte so der GR11 weiter und immer wieder freute ich mich ueber eine neue Markierung. Die alten Markierungen waren nur sehr selten zu sehen.

Dann zweigte der Weg endgueltig in den Wald ab und bei einem bald erreichten, verfallenem Haus machten wir fuer eine halbe Ewigkeit, naemlich ca. 2,5 Stunden, Pause. Gute Brotzeit, hm... hatte ich Bier mit dabei? Ich denke schon... ja! 1 Dose Bier, Schinken, Kaese, Schokolade. Alles wunderbar. Die Sonne brannte auf uns ein bisschen herunter und wir vergasen mal wieder die Zeit. Nach der erweiterten Siesta machten wir uns dann an den weiteren Abstieg ueber irgendwelche Waldwege, bei denen wir zwischendurch einmal mehr den Weg verloren um diesen durch Aufteilen der Suchbereiche wiederzufinden. Vorbei an Kuehen durch dichte Farne, vorbei an drecks Dornen die ich alle mit dem Wanderstock zusammenschlug um den nachfolgenden GR11 Wanderern etwas Erleichterung zu verschaffen, ueber einen Fluss und schon waren wir auf einer Schotterstrasse und hatten damit das Groebste hinter uns. Bald erreichten wir auf dieser Strasse auch schon die Abzweigung von der Variante, von der Tobi wohl bereits gekommen war.
Pista! Pista! nach Isaba
(image by Alain Collet)

Ueber einen weiteren kurz abzweigenden Wanderweg gelangten wir dann nach weniger als einer Stunde nach Isaba. Der ganze Weg haette lt. Fuehrer 8,5 Stunden nehmen sollen, allerdings hatten wir diesen in insgesamt lediglich 5,5 Stunden Gehzeit geschafft. In Isaba selbst riefen wir immer wieder "Tobi", um eben Tobi zu finden. Das klang in etwa so, dass wir nach einem kleinen Jungen suchten und fuer mich war's eigentlich ganz lustig. Nur Tobi war nicht zu finden. Per SMS erfuhr ich dann, dass er erst an der Kreuzung der Variante war und eben noch etwas mehr als eine halbe Stunde hierher benoetigen wuerde. Unsere Rucksaecke platzierten wir auf irgendeiner Sitzbank und besuchten den gegenueberliegenden Super- und Eisenwarenmarkt. Das war eine sehr seltsame Kombination aus einem Einkaufsladen, der von 2 aelteren Herren betrieben wurde. Dort versorgten wir uns dann mit dem Wichtigstem: Bier, Cola, fuer mich ein Salat und Julie holte noch Schokoplaetzchen. Alles wurde dann auf der Bank bei denen wir unsere Rucksaecke platziert hatten verputzt und schon bald stiess auch Tobi dazu. Fehlte nur noch eine Unterkunft und Julie legte zum Glueck keinen Widerspruch ein, dass wir heute nicht zelteten. So begaben wir uns ohne Rucksack auf die Suche nach etwas billigem, landeten zuerst bei einem Auberge, einer Art Huette in der Stadt, wobei uns dessen Besitzer versicherte, dass hier alles andere deutlich teurer als 40 EUR waere und uns einen Platz in seinem Matratzenlager anbot. Davon unbeirrt lief ich dann noch eine ganz klitzekleine Gasse weiter hoch und konnte an einem Schild etwas erkennen, das wie Unterkunft auf Spanisch aussah. Dort fanden wir dann eine normale Unterkunft mit Zimmern und eigenen Betten fuer im Durchschnitt weniger als 20 EUR pro Person. Da wundert man sich doch nur ueber die Scheinheiligkeit von dem Kerl bei dem Auberge.
Kapelle auf dem Weg nach Isaba
(image by Alain Collet)

Nach Duschen und Waschen der Sachen gab es als einzige Aufgabe nur noch (diesen Eintrag schreibe ich gerade am Tag darauf) die Suche nach Essen. Uns wurden von Dorfbewohnern diverse Restaurants empfohlen, allerdings haetten wir so gut wie ueberall vorher reservieren muessen :-/. So landeten wir im gleichen Lokal (das schreibt sich in etwa Trixi) wie Alain, der schon gegessen hatte und orderten dort das Menu. Kurzgefasst war das wohl das Schlechteste, was ich auf dem ganzen GR11 bisher bekommen habe. Alles eine Fertigpampe oder geschmacklos, wie ich es nur aus der Mensa in Garching kannte. Bei diesen Gerichten muss man ja schon absichtlich etwas falsch machen, um es so zu verhunzen. Die Nachspeise war immerhin einiger geniessbar. Nach dem doch relativ anstrengenden Tag bin ich einfach nur noch in's Bett gefallen und relativ schnell eingeschlafen. Der Schlafmangel schlaegt schon wieder zu. Das war auf den anderen Wanderungen etwas einfacher, da ich alleine unterwegs war oder eben jeder beim Essen am Tagebuch schrieb.