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Sonntag, 03.08.2014
Tag 25 - Wandern durch den Grand Canyon der Pyrenaeen
Refugio de Goritz → Puente de los Navarros → Camping Valle de Bujaruelo → Camping San Nicolas

Der heutige Hatsch war urgemuetlich. Die erste Haelfte galt es nur abzusteigen und bei der zweiten Haelfte ging's dann lediglich 300 HM ganz langsam nach oben. Das war ein wahrer Erholungstag.
Die Huette
(image by Tobias Neckel)

Die Nacht verbrachte ich doch nicht so schnarchfrei. Irgend so ein Mensch ist aus dem Matratzenlager gefluechtet und hat es sich doch tatsaechlich direkt neben mir auf einer anderen Bank gemuetlich gemacht. Erfreulicherweise schnaubte er aber nur ein paar mal auf und schnarchte nur sehr selten. Die beiden Sitzbaenke waren doch nicht so gemuetlich wie erwartet. Ich konnte mich nur sehr umstaendlich umdrehen und richtig einschlafen konnte ich trotz diverser alkoholischer Getraenke auch nicht. Mit Tobi habe ich ja ordentlich Wein getrunken. Dem muss es am naechsten Tag noch schlechter gehen als mir und er will am kommenden Tag noch zusaetzlich auf den Monte Perdido hoch. Irgendwann bin ich dann doch noch eingeschlafen um dann von meinem Wecker geweckt zu werden. Draussen war's aber noch dunkel, weshalb ich den Wecker gleich weiterstellte. So eilig habe ich es auch nicht. Um 6 Uhr stand ich dann aber endgueltig auf und es war auch schon nach 5 Minuten zusammengepackelt. Viel gab's ja nicht zu tun ausser den Schlafsack und die Thermorestmatte einzupacken.
Der Grand Canyon der Pyrenaeen
(image by Tobias Neckel)

Beim Blick aus der Huette heraus konnte ich weiter oben 2 Stirnlampen erkennen, welche herumleuchteten. Das waren wohl Julie und Tobi, die im Zelt uebernachteten. Da war ich schon froh, dass ich in der Huette bleiben konnte, da es heute Nacht auch noch geregnet hat und deren Zelte jetzt nass waren. Hm... was mache ich jetzt nur. Es dauert sicher noch 20 Minuten, bis die beiden bei der Huette sind. So machte ich eben schon mal das Wasser mit meinem Gaskocher heiss. Die weitere Zeit vertrieb ich mir, indem ich schon ein bisschen das Fruehstueck aufbaute. Dann kam auch schon Julie und meinte, dass Tobi erst gar nicht herunterkommt, sondern sobald es hell wird, gleich zum Gipfel hochstuermt. Da bin ich ja gespannt, ob er den Gipfel und den heutigen Hatsch schafft. Das wird ein sehr, sehr anstrengender Tag fuer ihn werden und morgen steht auch nochmal eine etwas weniger anstrengende Etappe an. Julie und ich entschieden uns aber, beim GR11 zu bleiben und so fruehstueckten wir gemuetlich. Das tolle an dem heissen Wasser war, dass wir ohne Probleme das Fruehstuecken anfangen konnten, waehrend die anderen Wanderer in dem mittlerweile schon wieder gefuellten Gastraum auf die Huettenbediensteten warten mussten, bis diese die heissen Getraenke bereitgestellt hatten. Dann durften die meisten immer noch ueber 15 Minuten anstehen, bis die an das Buffet kamen. Das bestand aber auch nur aus Brot und Marmelade sowie billigem Gebaeck. Hier wird das Fruehstueck wirklich nicht hoch gehalten. Wir waren auch schon bald mit unserem Fruehstueck durch, sammelten unsere Sachen in dem Chaos in der ueberfuellten Huette zusammen und starteten dann auch schon in die heutige Etappe.
Wasserfall direkt nach dem steilen Absteig
(image by Tobias Neckel)

Die Sonne erleuchtete bereits die Gipfel der vor uns liegenden Berge. Diese waren eben aehnlich wie der Grand Canyon geschaffen, mit sehr steilen Waenden. Allerdings wurden diese immer wieder von kleinen Gruenflaechen durchbrochen. Habe ich schon geschrieben, dass es so etwas in den Alpen einfach nicht gab? Gestern hat sich auch die Gesteinsfarbe geaendert. Von einem tiefem Schwarz hin zu einem hellen Weiss aus dem die Gebirge hier geschaffen sind. Der Weg zog sich ganz langsam weiter nach unten, zumeist ueber in Wiesen eingetrampelte Wege, welche wegen dem gestrigen Regen sehr, sehr rutschig waren. Es galt, ca. 400 HM zu ueberwinden bei denen der Weg nie direkt herunterlief sonder sich entlang der Gruenflaechen, welche die steilen Waende unterbrachen, herunterschlaengelte. Dann noch ein bisschen Geroell und nach wohl etwas mehr als einer Stunde war der Abstieg geschafft und die Muehen wurden mit einem Weg und einer Bruecke belohnt, welche direkt vor einem Wasserfall war. Das war ja wirklich schoen, nur der nun folgende Weg war nach einem kleinen Verhatscher etwas ueberraschend. Hier wurde doch tatsaechlich in die schoene Natur eine Autobahn reingebaut, bei der Steine in Beton eingelassen wurden. Das war nicht einmal schoen zu gehen, da der Weg nicht eben war. Dieser verlief das ebene Stueck weiter und weiter entlang, bis zur Nothuette, welche aber nur Platz zum Schlafen fuer vllt. 4 Personen geboten hat, dafuer aber relativ neu aussah. Allerdings gab's darin auch keine Sitzmoeglichkeit sondern wirklich nur eine Schlafmoeglichkeit. Den Fluss, den wir vorhin mit der Bruecke ueberquert haben, galt es nun zu seiner rechten Seite zu folgen und viele Zufluesse machten diesen immer mehr reissender. Der Weg stieg nun steil weiter herab auf einer halben Autobahn. Der Wanderweg war sehr oft mit Beton befestigt und leider waren die Steine nicht gerade eben verlegt. Damit war dieser Teil des Weges sehr beschwerlich, was aber noch nicht alles war. Von nun an hiess es naemlich, auf gut praeparierten Wanderwegen, teils serpentinenartig, teils gerade aus durch einen Wald abzusteigen. Der Weg fuehrte immer wieder an herrlichen Wasserfaellen vorbei, von denen wir unzaehlige passierten. Allmaehlich kamen uns auch immer mehr Grattler entgegen, bei denen ich mir nicht ganz sicher war ob die wirklich vom Parkplatz aus losgelaufen waren. Allerdings konnte das anders gar nicht der Fall sein. Immer wieder musste ich beim Abstieg nach oben schauen, hin zu den schoenen huebschen Bergen die uns umgaben. Auf der Karte konnte ich auch keinen Wanderweg finden, der dort hochfuehrte. Das war doch zu steil.
Die Selbstversorgerhuette
(image by Alain Collet)

Dann wurde der Weg etwas flacher und wurde nun zur ganz ausgebauten Autobahn. Wir folgten dem kuerzeren Wanderweg, welcher anscheinend fuer Rollstuhlfahrer ausgebaut wurde. Ohne Scherz! Zwischendurch gab's dann noch eine Pause auf einer Bank, bei der ich meine Wanderschuhe durch die Sandalen austauschte. Der Autobahnhatsch war alles andere als angenehm fuer meine Fuesse. Diese fingen auch schon wieder zu kribbeln an und die Sandalen brachten die erhoffte Abwechslung. Allerdings nur fuer ca. eine halbe Stunde. Dann musste ich wieder auf die Stiefel wechseln, da der Weg zu matschig wurde. Mittlerweile sind wir auch ueber eine Bruecke auf den Weg auf der linken Seite des Flusses gewechselt und dieser verlief wieder ueber einen wunderschoenen Waldweg, vorbei an vielen Wasserfaellen und auch hier begegneten uns viele Wanderer, die allerdings nur diese schoene Gegend geniessen wollen und sicher nicht darauf aus waren, zur Huette hochzusteigen.
Einer von vielen weiteren Wasserfaellen
(image by Tobias Neckel)

Dann bog der Weg scharf nach rechts ab, wir stiegen noch gute 40 HM ab, folgten dem Flusslauf dann etwas aufwaerts und ueberquerten den Fluss wieder um nach einem weiteren kurzen Aufstieg an der Kreuzung zur Strasse anzukommen. Dort pausierten wir fuer eine halbe Stunde, streckten unsere Beine aus, futterten die Ueberbleibsel in unserem Rucksack und Alen traf dann auch schon ein. Dieser hatte die eine Abzweigung des GR11 ueber den huebschen Waldweg verpasst und musste die ganze Strecke ueber die Strasse absteigen.
Eine von den vielen Kaskaden zu denen man hinlaufen konnte
(image by Alain Collet)

Nach der Pause entschlossen wir, nicht dem GR11 zu folgen sondern lieber gleich der Schotterstrasse weiter entlang zu folgen. Diese verlief wieder entlang eines Flusses, verlief entlang einer Schlucht und querte den Fluss auch einmal um dann nach gut 50 Minuten Gehzeit und vllt. 200 HM bei dem ersten Campingplatz anzukommen, der auch einen Supermarkt besass. Dieser hatte nur leider geschlossen, allerdings benoetigten wir noch dringend Verpflegung fuer die kommenden 3 Tage. Julie fragte dann nach, ob man den Supermarkt nicht doch aufmachen koennte und tatsaechlich oeffneten die Besitzer diesen noch kurz fuer uns. Damit wurden unsere Vorraete wieder aufgefuellt. Kaese, Wurst, Baguette, etwas zum Fruehstueck, und fuer jetzt gleich eine grosse Flasche Bier. Auf einer Bank futterten wir dann Chips und tranken das Bier. Zwar war der Tag nicht allzu anstrengend, aber trotzdem tat das als Entspannung nach den bisher vllt. 5 Stunden Hatsch sehr gut.
So etwas habe ich auch in den Alpen bisher nicht gesehen
(image by Tobias Neckel)

Nach dem Abstecher zum Supermarkt beschlossen wir wieder zum Wanderweg zurueckzukehren, der uns wieder mit einer Bruecke rechts entlang des Flusses laufen lies. Dieser Wanderweg war auch sehr huebsch, verlief schoen schattig leicht aufsteigend, verlangte ab und zu einer kleinen Kraxelei und bei einem kleinen Grasfeld beschlossen wir dann, nochmal eine Siesta einzulegen. Erst mal wurde aber Julie von roten Ameisen attackiert, nach dem Verlegen des Siestaplatzes dann ich, und dann fanden wir endlich einen einigermassen ameisenfreien Platz, auf dem wir ueber eine Stunde Siesta machten und es dann sehr schwer hatten, weiterzulaufen da wir einfach nur noch muede waren. An dem bisschen Bier lag das aber vermutlich nicht sondern einfach nur an der andauernden Anstrengung. Nachdem wir uns endlich aufgerafft hatten und den Weg weiterliefen, fuehrte uns dieser weiter dem Fluss entlang, bis wir nach weiteren 20 Minuten ueber eine Bruecke zum Campingplatz gelangten. Das Refugio daneben war von Autos zugestellt. Das war nicht gerade ein schoener Anblick.

Nun die Kurzfassung des Abends: Zelt aufbauen, duschen, waschen, Abendessen. Tobi schaffte es gerade rechtzeitig zum Abendessen und war tatsaechlich oben auf dem Gipfel. Das Abendessen war prima: Suppe, Salat, Schweinefleisch und Joghurt. So, nun ist Bettgehzeit. Es ist 10 Uhr. Gute Nacht Tagebuch.