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Montag, 28.07.2014
Tag 19 - Den Berg raufhetze
Refugi dera Restanca → Port de Rius → Refugi de Conangles → Pont de Salenques → Refugi d'Anglos
Der Anfang von dem langen Weg der sich in's Tal hinterzog
(image by Alain Collet)

An sich war das heute auch wieder ein gemuetlicher Tag, wenn es nicht so oft geschuettet haette. Das duerfte jetzt mein dritter Regentag sein und das ist fuer Spanien doch sehr, sehr ungewoehnlich.

Die Nacht war gelinde gesagt beschissen. Als ich in das Matratzenlager reingegangen bin, hat es in diesem einfach nur noch bestialisch gestunken. Irgendwelche altnasse Kleidung die seit Tagen nicht gewaschen wurde und irgendwelche Klamotten mussten hier schon lange Zeit herumliegen um einen solchen Gestank zu verursachen. Aus irgendeinem Grund gab mir die liebe Frau auch das Bett im Stockbett oben, obwohl das untere noch frei war. So musste ich mich eben auch noch ueber die unbequeme Leiter mit meinem schmerzenden Fuss nach oben hieven. Was fuer ein Mist. Richtig warm war's hier auch noch, so stiess ich vom oberen Bett aus das Fenster auf. Richtig einschlafen konnte ich aber auch nicht und so waelzte ich mich auf der gefuehlt 1 mm dicken Matratze hin und her. Dann fingen auch noch die Schnarcher an und einer hatte auch noch Schlafapnoe, naja, eher Schnarchapnoe. Ja wie geil. Dann hatte ich auch noch das Gefuehl, dass mir das Blut in den Kopf laeuft. Vllt. war das Bett schief? Ich wechselte dann mal lieber Kopf- und Fussseite. Irgendwann schaffte ich es dann doch noch, einzuschlafen und wachte kurz bevor mein Wecker klingelte dann doch schon auf und wurde dann von meinem Wecker endgueltig um 6:30 zum Aufstehen aufgefordert. Schnell war mein Schlafsack eingepackt und alles andere konnte ich auf einmal nach unten tragen. Ich war mal wieder der Erste im Matratzenlager, der aufgestanden war. Allerdings traf ich weiter unten auf vllt. 10 weitere Wanderer, die auch schon bereits wach waren und den Waschraum belagerten. Noch schnell zaehneputzen, dann zusammenpackeln, dann kam auch schon Julie an die Huette und waehrend sie ihren Kaffee trank, goennte ich mir wieder eine sehr, sehr geile heisse Schokolade.
Noch war es ein begraster Wanderweg
(image by Alain Collet)

Irgendwann kurz nach halb 8 stiefelten wir dann in die naechste Etappe los. Die Wolken hingen schon wieder sehr tief und irgendwie hatte ich das Gefuehl, dass es sicher noch regnen wuerde... und natuerlich habe ich wieder nicht von vornherein das Regenzeug angelegt. Zuerst liefen wir ueber den Staudamm um dann gleich mal an der Wegmarkierung zu verzweifeln. Na wohin zeigt nun der Wegweiser und wo sind diese weiss-roten Markierungen? Wir beschlossen dann links weiterzulaufen, was anscheinend doch nicht so richtig war. Nach ein paar weiteren HM erkannten wir dann etwas abseits von dem zugewucherten Trampelpfad wieder rot-weisse Markierungen und konnten so wieder beruhigt dem Weg weiter nachlaufen. Naja, so richtig laufen klappte aber auch nicht, da der erste Teil ueber sehr viel Steinglump bergab fuehrte. Teilweise nahm ich mal wieder meine Haende aus den Schlaufen der Wanderstecken um im Falle eines Ausrutschens mich mit den Haenden festhalten zu koennen. Dann wurde der Weg wieder angenehmer zu laufen und zog sich in's Tal rein, dem wir nun wohl fuer ca. 1,5 Stunden folgen mussten bis an dessen Ende der Uebergang vorzufinden war, also das Tal zum Uebergang wurde.
Der See oben beim Port de Rius
(image by Alain Collet)

Anfangs begegneten wir so wieder einmal ganz viel Schafen, wobei irgendeiner der bloeden Hirtenhunde wohl meinte, dass ich zur Herde gehoere und mich anbellte und -knurrte. Der andere Hirtenhund war ganz lieb und liess sich sogar streicheln. Allerdings stank der auch ganz schoen gewaltig. Julie fand vom Schaefer heraus, dass dieser nur 1x in der Woche von hier in die Stadt fuhr um sich Essen zu besorgen und er nur 1x im Monat seine Freunde trifft. Das ist wirklich ein einsames Leben, aber ihm scheint das gut zu gefallen. Desto weiter wir hochliefen, desto steiniger wurde mal wieder die Landschaft. Nach gut einer Stunde seit dem Aufbruch ueberholten wir noch einen aelteren Herren und kurz danach durften wir alle 15 Minuten ein Donnergrollen hoeren. Ja hoffentlich kommen wir bald beim Uebergang an dachte ich mir. Trotzdem zog es sich sicherlich noch eine weitere Stunde hin, bis wir an dem sehr grossen See oben angekommen waren. Bei diesem blitzte es dann auch, wobei der Einschlag ein paar km weit entfernt war - vermutlich bei einem anderen Bergmassiv vor uns, was uns damit egal sein konnte. Weiter zog sich der Weg rechts entlang des malerischen Sees dahin, bis wir nach ein bisschen weiterem Auf und Ab beim Port de Rius ankamen. Nun waren wir aus meiner Sicht vor einem moeglichen Gewitter sicher, da wir lediglich absteigen mussten.
Die geschlossene Huette
(image by Alain Collet)

Das einzig Abscheuliche, das ich anschauen musste war eine Schnellstrasse, die unten im Tal vorbeifuehrte. Genau in der Naehe von dieser wuerden auch ein paar km unseres weiteren Weges fuehren. Relativ gemuetlich machten wir uns an den Abstieg. Kehre um Kehre auf einem steinigen Weg wurde geschafft. Dann zog sich der Weg wieder hin zum Uebergang, nachdem er sich doch wieder lange Zeit davon entfernt hatte. Allmaehlich begegneten wir auch einer grossen Reisegruppe von vllt. 15 Personen, welche sich auch noch hier hochquaelten, hoch in die Suppe. Weiter unten angekommen, nach ca. 600 HM Abstieg folgten wir dann wieder den rot-weissen Markierungen, die die letzte halbe Stunde eher nicht vorhanden waren. So ging es ueber durchnaesste Wiesen leicht bergab, bis wir dann einem Fluss rechts entlang folgten, einen Seitenarm davon auf Paletten ueberquerten und dann eine Schafherde von mind. 200 Tieren teilten, da diese sich gerade auf der Strasse herumtummelten.
Waldweg hoch zur Huette...
(image by Alain Collet)

Vllt. weitere 100 HM spaeter sind wir dann endlich beim Refugio d'Hospital angekommen und davor standen schon viele Bergtouristen im Regen herum. Das Refugio hatte naemlich geschlossen. Das ist ja wirklich toll. Das hier ist eine offizielle Unterkunft und die ist jetzt auf einmal geschlossen? OK, dann weiter zum naechsten Refugi, das sich naemlich nur 15 Minuten entfernt befand und wir waren wirklich sehr erleichtert, dass dieses geoeffnet war. Ansonsten haetten wir ganz schoen in die Roehre geschaut. Das Beste aber war, dass wir dort auch noch ein warmes Mittagessen bekommen hatten. Vermutlich waren das die Reste von dem gestrigen Abendessen, aber egal. Das bestand erst mal aus einer leckeren, dickfluessigen Gemuesesuppe, dann aus einer ordentlichen Portion Nudeln mit Pilzen und dann noch gefolgt von Fleischbaellchen mit Tomatensauce. Als Nachspeise bevorzugten wir dann einen Apfel und eine Orange, da wir schon sehr gut gesaettigt waren und wir dies mitnehmen koennten. Das war wohl eines der besten Essen, die ich bisher auf der Tour hatte, sehr empfehlenswert! Wir machten es uns direkt neben dem Ofen bequem, der so aussah wie derjenige, den ich vor wohl ueber einer Woche aus der verrauchten Huette herausgezogen hatte. In der Huette hielt es uns auch ganze 2 Stunden bei einem weiteren Bier und fuer mich ein Ibuprofen. Wir versuchten teilweise auch noch ein paar unserer Sachen am Ofen trocken zu bekommen, wobei die dicken Socken einfach nicht ganz trocken werden wollten.
... der dann steiniger wurde
(image by Alain Collet)

So starteten wir dann weiter zum Aufstieg. Tobi gab per SMS Bescheid, dass er um ca. 19 Uhr bei dem Refugi ankommt. Wir selbst folgten erst mal dem Wanderweg, der abseits der Strasse einem Fluesschen entlang fuehrte, bis er nach 1/2 Stunde wieder zur Strasse zurueckkam. Genau dort, wo auch der Stausee begann und die alte schon halb zerfallene Huette "Refugi de l'Hospitaleta" ankamen [natuerlich kamen wir dort an und nicht das Refugi]. Bei der kann ja wirklich niemand mehr eine Unterkunft finden, da sogar die Fenster anscheinend nicht mehr vorhanden waren. Nach vllt. 300 Meter Hauptstrasse zweigte dann auch schon der Wanderweg ab und nun standen uns 750 HM bevor. Ich weiss nicht warum, aber Julie schien irgendetwas gestochen zu haben. Sie lief in ununterbrochenem Tempo sehr schnell den Weg entlang. Dieser verlief die erste Zeit erst mal sehr angenehm ansteigend durch einen Wald bis er dann links sehr steil den Berg nach oben fuehrte. Selbst dort machte Julie weder eine Pause, noch eine Anstrengung, etwas langsamer zu laufen. Einmal machte sie eine ungewollte Pause, um sich mit anderen Franzosen zu unterhalten. Da war ich schon ganz schoen froh, dass ich auch mal eine Verschnaufpause habe. Achja: Da Tobi heute mit dazustoesst, schleppe ich gerade noch 4 Dosen Bier mit im Rucksack herum. Das kann einer der Gruende sein, warum ich etwas langsamer bin. Dann ging es noch steiler bergauf und ich hatte das Gefuehl, dass es nie enden wuerde. Als es dann endlich nach rechts abbog und der Weg sich entlang des Berges wieder leicht nach oben zog, war ich mir dann sicher, dass es ab hier an nicht mehr so steil ansteigt.
Der See mit der Huette Anglos
(image by Alain Collet)

Recht bald konnten wir dann auch schon die Huette sehen, die wunderbar an einem sehr grossen See gelegen ist. Leider ist es hier oben schon wieder schweine kalt. Wir befinden uns gerade auf 2250 HM. Tobi ist spaeter auch noch dazugestossen und jetzt gibt's dann erst mal Abendessen. Hoffentlich wird morgen das Wetter wieder besser.