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Samstag, 26.07.2014
Tag 17 - Gemuetlicher Hatsch und Uebernachtung auf ueber 2400 HM im Notbiwak
la Guingueta → Jou → Espot → Estany de Sant Maurici → Refugi d'Amitges → Estani dels Barbs
Die Wolken hielten sich im Tal
(image by Julie Baudouin)

Das war heute mal wieder ein sehr gemuetlicher Hatsch. Viel ist nicht passiert, bis auf das, dass wir hier auf ueber 2400 eine Art Notbiwak aufgeschlagen haben. So kann ich endlich mal auch meine Ausruestung in etwas hoeheren Gefilden testen.

Julie und ich beschlossen gestern Abend noch gemeinsam Essen zu gehen, und zwar im Restaurant Poldo, welches im Fuehrer empfohlen wurde. Zwar ist der Fuehrer fuer die Wegbeschreibung relativ nutzlos, dennoch enthaelt er gute Informationen was die Zwischenziele und moegliche Einkehrmoeglichkeiten betrifft. Beim Poldo gab's dann fuer mich eine Schaefersuppe, bei der ich an den Schaefer denken musste, der auf der Wiese sass und den Schafen zuschaute. Die war an sich sehr lecker, nur musste ich ein bisschen daran denken, dass der Schaefer vllt. vor dem Herd in der Kueche ist und diese Suppe selbst anruehrt und dabei ein paar Barthaare in die Suppe fallen. Als Hauptgericht gab's Wildgulasch das auch aeusserst lecker war und als Nachspeise Crema Catalana, bei der ich mittlerweile ja ein Experte bin. Damit kann ich auch sagen, dass das wohl die beste Crema Catalana war, die ich bisher gegessen habe. Man muss allerdings auch dazu sagen, dass diese mit einer Kugel Eis und etwas Zimt angereichert war. Aber auch der sonstige Geschmack war hervorragend. Zum Essen gab's auch noch eine Flasche Wein, die ich aber groesstenteils selbst leeren musste. Es wird ja nix weggeschenkt. Wir beschlossen dann, am Morgen uns erst um 8 Uhr zu treffen.
Ab diesem Zeitpunkt lief ich nicht mehr alleine
(image by Julie Baudouin)

Um 7:30 klingelte damit mein Wecker und da ich schon um 11 Uhr in's Bett ging, konnte ich endlich mal in Ruhe ausschlafen. Allerdings wachte ich zwischendurch um 0:30 auf und musste feststellen, dass ich ja ganz vergessen hatte, heute die Rechnung fuer's Zimmer und fuer ein paar Getraenke zu zahlen. Also nix wie runter in die Bar, welche zum Glueck noch geoeffnet hatte und so konnte ich das auch noch bezahlen. Sowas ist mir auch noch nicht passiert. Dabei holte ich mir auch noch gleich eine Flasche mit Sprudelwasser, da ich ziemlich durstig war nach der Flasche Wein. Eingeschlafen bin ich dann aber gleich wieder und um 8:00 dann fertig gepackt das Zimmer zu verlassen. Julie wartete bereits unten abmarschfertig und los ging's...
Nach Espot
(image by Julie Baudouin)

... in die Suppe. Hier unten hat sich naemlich jede Menge Nebel angesammelt. Zuerst standen vllt. 200 HM Aufstieg bevor. Vllt. waren's auch 250 HM. Wenigstens verlief dieser Aufstieg ueber einen schoenen Wanderweg. Oben angekommen, hatten wir dann einen schoenen Blick in's Tal, in dem sich die Suppe hielt und ueber uns war strahlendblauer Himmel. Das war im Vergleich zu gestern mal ein wirklich tolles Gefuehl. Ueber die Strasse ging's dann weiter und zwar sehr lange. Ich wollte mich nicht ganz an den GR11 halten, da dieser einmal sinnlos nach oben gefuehrt hat, nur um dann wieder nach unten zur Strasse zurueckzufuehren. Ueber einen weiteren abzweigenden Wanderweg gelangten wir dann an das erste Zwischenziel Espot, wo wir uns in der Naehe einer Quelle hinsetzten und ich mir erst mal ein Fruehstueck machte. Anschliessend ging's noch in den Supermarkt um Vorraete fuer die kommenden 2 Tage zu kaufen, dann noch zur Bank um mehr Geld zu holen und dann starteten wir nach ca. 1/2 Stunde weiter hoch zum See. Kurz nach einem Strassenhatsch ging dann auch schon der Wanderweg weg und fuehrte uns leicht aufsteigend durch ein wunderschoenes Tal, immer einem Fluss entlang bis zum See. Desto naeher wir dem See kamen, desto mehr Berggrattler kamen uns entgegen. Wo die denn alle herkommen?
Autobahn zum See
(image by Julie Baudouin)

Beim See angekommen, machte ich es mir gleich auf einer Wiese gemuetlich, zog mein Oberteil aus und stellte den Wecker um meine Vorder- und Rueckseite genau 15 Minuten in der Sonne brutzeln zu lassen. Mehr gab's in der prallen Sonne nicht. Nun hatte ich die Wahl, entweder bereits hier in die Huette zu gehen und es war gerade erst mal 2 Uhr Nachmittags, oder noch weiter aufzusteigen, was mir mehr zusagte, da ich morgen noch bedeutend weiter kommen wollte, als geplant. Gut erholt starteten wir dann mit dem weiteren Aufstieg. Es fehlten noch 450 HM bis zur naechsten Huette, die zwar etwas abseits vom GR11 lag, aber dafuer sparen wir uns diesen morgigen Aufstieg schon mal ein.
Die Cascaden
(image by Alain Collet)

Zuerst verlief der Wanderweg den See weiter entlang um dann scharf rechts hoch zu irgendeinem Wasserfall abzubiegen. Der war auch ganz huebsch anzuschauen - das war's dann aber auch schon und der Wanderweg fuehrte dann bald wieder zurueck zu einer Fahrtstrasse die zur Versorgung der Huette zu der wir fahren [natuerlich meinte ich hier "wandern" :-)] gebraucht wurde. Dieser Weg fuehrte uns auch an einem weiteren See vorbei, in dem sogar jemand gebadet hat. So kalt scheint das Wasser hier gar nicht zu sein. Weiter fuehrte der Weg dann schon bald hoch, immer steiler werdend. Die Berge aussen herum fingen an, malerisch schoen zu werden. Der Berg, der jetzt hinter dem ersten See lag, schien wie aus Lavagestein das von unten nach oben gedrueckt wurde zu bestehen und in der anderen Richtung (in Richtung der Zielhuette) konnte ich in der Entfernung einen Bergkamm erkennen, der einfach wie gemalt und wunderschoen aussah. So eine interessante Landschaft hatte ich auch schon lange nicht mehr gesehen. Immer wieder schaute ich mich beim Weitergehen um. Um mich herum lagen sowieso ganz viele grosse Steinbrocken aber die weiter entfernten Berge waren noch interessanter. Ein paar Kehren mussten wir noch hochlaufen und waren dann auch schon bei der Huette angekommen. Dort holte ich jedem von uns erst mal ein Bier. Wir waren ja vermeintlich schon am Ziel. Bei der Unterkunftsfrage wurde mir dann gesagt, dass sie voll ausgebucht seien, aber vllt. noch eine Matratze auf dem Boden moeglich waere. Das kostet aber genausoviel wie ein Matratzenlager. Ja wie? Ich dachte mir, dass Notlager guenstiger sind? Ausserdem gab's hier nur magere 2 EUR Ermaessigung fuer DAV Mitglieder. So beschlossen wir eben, weiterzuschauen und irgendwo unser "Notbiwak" aufzuschlagen.
Blick zurueck zum See der in dieser Atemberaubende Szenerie liegt
(image by Alain Collet)

Kurzum: Nach sehr langer Suche nach einem einigermassen brauchbaren Platz in dieser zerbeulten, mit Steinen zugestellten, von Kuehen zerschissenen Landschaft hatten wir dann endlich einen Platz gefunden, wo wir beide Zelte aufschlagen konnten. Dann gab's noch ein improvisiertes Abendessen aus einer heissen Suppe und ein paar Broten mit Zeugs drauf und dann Schokolade. Ich beschloss auch, die 2 Dosen Bier, welche ich mitschleppte, gleich heute noch zu trinken. So muss ich diese morgen nicht mehr mitschleppen. Statt dass nun jeder in seinem Zelt schlaeft, beschlossen wir auch, die Rucksaecke in ein Zelt zu schlafen [legen sollte das wohl heissen] und uns das andere Zelt zu teilen. Es wird hier oben vermutlich doch zehr kalt. Auf gleicher Hoehe befinden sich hier oben immer noch Schneefelder. Dann gute Nacht liebes Tagebuch.