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Dienstag, 22.07.2014
Tag 13 - 2500 HM rauf und 1500 HM runter
Encamp → Coll d'Ordino → La Cortinada → Coll de les Caes → Arinsal → Refugi de Comapedrosa
Andorra
(image by Julie Baudouin)

Ich glaube, dass ich heute endgueltig in Form gekommen bin und wieder meinen Weitwanderhatsch gefunden habe. Die heutige Tour war sehr anstrengend und trotzdem konnte ich am Schluss doch noch zu einer Huette aufsteigen um damit das erste Mal auf der Tour auf einer versorgten Huette zu uebernachten.

Das Aufstehen war nicht mal leicht. Ich schrieb gestern noch bis um 1 Uhr an dem Tagebuchschmarrn weiter (Jeder, der das liesst und vorher den Link zu der Website bekommen hat, bekommt ein Freibier! Bitte gleich melden!) um das dann abzubrechen, da es einfach zu spaet war. Ins Zelt gekrochen schlief ich dann auch schon schnell ein. Mittlerweile schlafe ich wirklich nur noch 6 Stunden am Tag. Fuer's Wandern reicht es, fuer die Arbeit haette es nicht gereicht. Die beiden Maedels standen bereits um halb 6 Uhr auf, was ich ganz klar nicht machte. Stattdessen klingelte mein Wecker um 6 Uhr und ich stellte diesen gleich auf 6:30 weiter um noch ein bisschen mehr Schlaf zu bekommen. Mann, mir fallen jetzt auch gleich die Augen zu, obwohl es erst 21:20 Uhr ist. Also um 6:30 musste ich dann tatsaechlich auch aufstehen, um noch rechtzeitig die Morgenkuehle ausnutzen zu koennen. Apropos Kuehle: In der Nacht wird es hier sehr kalt was sehr ungewoehnlich ist. In dieser Nacht konnte ich aber keine extra Lage anziehen, da alle anderen Wechselklamotten noch feucht waren. Diese feuchten Klamotten stellten mich auch vor die Frage, wie ich mit diesen beim Wandern umgehen wuerde. Die schlagen mit ihrer Feuchtigkeit sicherlich mind. 1/2 Kilo mehr auf das Gewicht des Rucksacks drauf. Ein paar von den Sachen packte ich in den Rucksack und die Feuchtesten kamen hinten an den Rucksack dran. Wie ein Lumpensammler musste ich somit aussehen. Nachdem ich dann noch den O-Saft getrunken hatte - mehr gab es nicht zum Fruehstueck - , startete damit meine heutige Etappe.
Pause und Waesche trocknen
(image by Julie Baudouin)

Der Start war aber schwer zu finden. Einmal lief ich eine Strasse weiter nach oben um dann festzustellen, dass das hier sicher nicht richtig sein sollte. Also wieder zurueck und weiter durch den Ortskern, der uns gestern versteckt blieb. Dort fand ich es dann doch etwas lustig, dass Julie und Geraldine auf einmal vor mir liefen. Wie ich spaeter heraus fand, haben die sich auch verlaufen, aber doch etwas mehr als ich. So waren wir wieder zu dritt unterwegs um den heutigen Tag zu bestreiten und wie sollte es anders sein, verliefen wir uns sogleich. Die rot-weissen Markierungen waren etwas inkonsistent, da 2 Wege um ein Haus angegeben wurden und wenn man dann die andere Markierung sieht, koennte man meinen, dass man den aufsteigenden Weg daneben folgen muesste. Dort fanden wir aber weder Markierungen, noch sonst irgendwelche Hinweise auf irgendeinen Wanderweg. Ganz im Gegenteil war der Weg von Schritt zu Schritt immer mehr zugewuchert und irgendwann stellten wir uns die Frage, ob das noch Sinn machen wuerde. Dann stuermte ich noch einmal voran, um dann zu rufen, dass es immer schlimmer wird. Doch da erkannte ich dann noch einen kleinen Weg, welcher rechts weg ueber ein Feld auf den richtigen Weg fuehren koennte. Allerdings hielten mich Dornen auf, von denen eine Dorne sich richtig in meiner Haut an der rechten Hand verfing um daraus ein V zu bauen. Dazu brauchte ich meine linke Hand um die Dorne wieder herauszuziehen. Und schon schaute ich wieder aus wie ein blutendes Schwein allerdings nur kleine Wunden. Ob sich das nun rentiert, stellt sich in den kommenden Minuten heraus. Quer ueber irgendein Feld, weiter ueber ein anderes Feld und dann noch eines. Dann sah ich auch schon die rot-weissen Markierungen, von denen mich aber noch etwas entscheidendes trennte: Ein Gatter mit Schloss. Allerdings befand sich bei dem Teilstueck neben dem Gatter darunter doch noch etwas Platz, um darunter durchzukriechen, aber nur ohne Rucksack. Diesen hob ich dann oben ueber das Gatter, meine Kamera wurde unten durch's Loch gesteckt und dann zog ich mich unten durch's Loch. Prima, ich war am Ziel. Von den anderen beiden war aber nichts zu sehen.
Auf dem unnoetigen Umweg
(image by Julie Baudouin)

Nach ein paar Minuten beschloss ich dann, den Wanderweg weiter zu laufen. Dieser zog sich vllt. steil nach oben. So etwas haette ich auch nicht erwartet. In unzaehligen Kehren forderte er von mir sehr viel Schweiss. Zwar war der Weg einigermassen einfach zu laufen, aber die Steigung machte das gewisse Etwas. Erleichtert hoerte ich dann auch bald das Klappern von Wanderstoecken hinter mir und konnte Julie und Geraldine (J&G) auch schon bald erspaehen. Zum Glueck warteten die nicht, bis ich zurueckgekommen war und schneller als mir lieb war, haben die mich auch schon eingeholt. Das Gewicht von dem ganzen Essen im Rucksack und die nassen Klamotten schafften mich schon ganz schoen, nur um jetzt eine gute Ausrede parat zu haben :-). Der Aufstieg kam mir deutlich laenger vor, als ich diesen erwartet habe. Als ich dann dachte, dass nicht mehr viel kaeme, gab es nochmal mehr als 200 HM zu bewaeltigen, um letztendlich oben einen relativ langen Weg zu laufen, der wieder einige HM zunichte machte. Dann schafften wir es endlich hoch zum ersten Uebergang fuer heute, dem Coll d'Ordino. Dort gab es nach dem erschwerlichen Aufstieg auf der einen Seite einen wunderbaren Ausblick auf die umliegenden Berge, und auf der anderen Seite erst mal Fruehstueck fuer mich. Davor packelte ich aber noch die nassen Klamotten aus, um diese von den ersten Sonnenstrahlen etwas weiter trocknen zu lassen um dann weniger tragen zu muessen. Zum Fruehstueck verputzte ich dann einen Teil des Baguettes mit ein bisschen Streichwurst und dann auch noch eine Orange. Diese Orangen sind ganz schoen schwer zum Mittragen aber eine weitere hebe ich mir noch fuer spaeter auf. Fuer ein Bier war es auch noch zu frueh. Da ich gestern beim Restaurant an dem Tagebuch schrieb um gleichzeitig mein Handy aufzuladen, trank ich dort Bier und die 2 Dosen, welche ich eingekauft hatte, befanden sich jetzt beide in meinem Rucksack. Die mussten schnell getrunken werden um den Rucksack leichter zu machen. Mein linker Fuss schmerzte zwar nicht beim Aufstieg, dafuer aber, als ich ihn aus meinen Schuhen genommen habe. Er ist auch richtig geschwollen. Dann bot mir Julie wieder an, eine Ihrer Ibuprofen Tabletten reinzuschmeissen, was ich dankbar annahm. Immer her mit den Teilen, solange ich weiterlaufen kann. Ich muss sonst befuerchten, dass wg. der Entzuendung irgendwann ein Leistungsbruch an Knochen oder Gelenk stattfinden koennte was das Aus fuer die Tour waere.
Der steile Aufstieg, der wie eine Schlagschnur durch den Wald gelegt wurde
(image by Julie Baudouin)

J&G machten sich dann bald an den Abstieg und ich folgte ihnen ca. 10 Minuten spaeter. Dieser Abstieg verlief deutlich entspannter als der Aufstieg und ich holte die beiden auch relativ schnell ein. Statt wie anfangs ueber eine etwas alte Schotterstrasse zu fuehren, verlief der Wanderweg weiter unten dann wieder ueber wunderhuebsche kleine Wege, vorbei an kleinen Baechen und an Feldern. Solche idyllischen Wege sind mir ehrlich gesagt die liebsten und ich koennte diesen wohl auf ewig folgen. Noch weiter unten zweigte der GR11 dann nach rechts ab und verlief wieder nach oben. Mein Vorschlag, einfach der Strasse die vllt. 3 km entlang zu laufen und damit viel Zeit einzusparen, blieb unerhoert. So stand der wohl bescheidenste Teil der heutigen Etappe bevor: Sinnloses auf- und abhatschen. Zuerst ging's mal 200 HM nach oben um dann wieder vermutlich 100 HM runterzufuehren, dann wieder 100 nach oben, dann wieder 200 runter. Gefuehlt waren das aber deutlich mehr HM welche zu bewaeltigen waren. Der Weg an sich war bis auf den ersten Teil auf der Schotterstrasse ja wirklich schoen zu gehen, allerdings gab es nicht einmal eine schoene Aussicht. Der einzige schoene Aussichtspunkt war der Blick auf einen Berg mit fetter Antenne und darunter eine Stadt. Ja prima. Dieser Weg hat sich wirklich nicht rentiert. Geraldine tat mir auch irgendwie leid, da das ihr erster Wandertag beim Weitwandern ist und Julie und ich ja schon gut trainiert waren. Uns machte das wohl weniger aus. Trotzdem war ich von der Kondition von Geraldine sehr beeindruckt. Sie konnte doch wirklich sehr gut mithalten. Als wir dann endlich unten in La Cortinada herauskamen, war ich schon sehr erleichtert, dass dieser Sinnloshatsch ein Ende hatte. Wenn es dort oben wenigstens etwas sehenswertes gegeben haette, aber da war ja wirklich nichts!!! Gar nichts!!!
Pause am letzten Col
(image by Julie Baudouin)

In La Cortinada angekommen stellten wir uns die Frage, wo wir hier gemuetlich zu Mittag essen konnten. Leider gab es hier keine Moeglichkeit, sich irgendwo in einen Schatten zu setzen und gemuetlich zu fruehstuecken. So ging's weiter nach Arans, wo ein Baum guten Schatten auf eine gemauerte Mauer spendete und dort machten wir's uns dann auch gemuetlich. Mehr Baguette und Fleisch sowie die Dose Bier machten dann mein Mittagessen aus. Dazu gab's dann noch eine weitere Tablette Ipuprofen. Ob das nun gut ist, das mit Bier zu nehmen oder nicht, war mir auch schon egal, weil's nicht viel aendern wird. Wieder packte ich viele meiner nassen Klamotten zum Trocknen heraus, insbesondere aber auch das Zelt, was von dem Morgentau immer noch nass war. So sparte ich mir wieder ein gefuehltes halbes Kilo nach dem Trocknen. Leider half das immer noch nicht bei allen Klamotten, sodass immer noch ein Teil, aber ein deutlich geringerer Teil feucht war. Julie goennte sich noch einen Kaffee in einem Restaurant in der Naehe und mit einem Alibi Cola wurde ich auch meinen Muell los und fuellte meine Wasserflasche auf. Als es dann weiter ging, hatte sich das Auffuellen aber schnell als nicht noetig herausgestellt, da wir an der Dorfquelle frisches Quellwasser bekommen hatten, aber ich hatte mit der Cola Zucker im Blut was mir hoffentlich viel Energie gab.
(image by Julie Baudouin)

So starteten wir in die naechste Etappe, um ueber den Berg rueber nach Arinsal zu gelangen. Die ersten paar HM verliefen schon wieder so steil wie heute am Anfang, wenn nicht sogar noch etwas steiler. Als es dann wieder nach unten ging, musste ich mir schon die Frage stellen, warum man nicht einfach direkt ueber das Feld gelaufen ist. Die Antwort duerfte aber wohl ganz klar sein: Weil das Feld jemandem gehoert, der das nicht moechte. So ging der Weg erst mal wieder runter, um dann anfangs in seltsam geradegezogenen langen, aber steil ansteigenden Wanderwegen nach oben zu fuehren. In dem Wald waren wir auch die ganze Zeit gut vor den Sonnenstrahlen geschuetzt. Dann bemerkte ich, dass ich auf einmal keine Probleme mehr mit dem Aufstieg hatte. Ich brauchte eigentlich auch keine Pausen mehr - ausser vllt. zum Trinken. Lag das nun an mir selbst, hatte ich endlich meinen Koerper gebrochen, oder lag das vllt. an der Mischung aus Ibuprofen und Bier, oder vllt. einfach nur an der Cola? Egal. Das fuehlte sich auf jeden Fall gut an. Geraldine machte jedenfalls keinen so guten Eindruck mehr. Ich glaube, dass die heutige Tour doch etwas an ihren Kraeften gezehrt hat. Oben angekommen legte ich mich dann ins Gras, wobei die anderen beiden dann auch das Gleiche taten. Das ist irgendwie magisch anziehend: Sobald einer im Gras liegt, muessen alle anderen auch im Gras entspannen. Nach 15 Minuten und etwas gruebeln sagte ich dann zu den beiden, dass wir uns heute ja evtl. zum Abendessen um 8 Uhr an der Kirche unten im Dorf treffen koennten und falls ich nicht da bin, bin ich schon weiter zur naechsten Huette. Irgendwie reizte mich der Gedanke, heute noch zur naechsten Huette weiter aufzusteigen. Insbesondere, da ich bisher noch nicht auf einer bewirtschafteten Huette geschlafen hatte und das am 13-ten Tag schon etwas seltsam war.

Im Eiltempo schoss ich den Berg herunter. Es war nach 4 Uhr und ich musste noch runter und dann noch voraussichtlich 2 Stunden aufsteigen. Teilweise konnte ich den Berg auf dem Wanderweg herunterrennen, teilweise musste ich sehr aufpassen, da der Abstieg sehr steil war und ueber Felsen nach unten fuehrte. Dort traf ich auch 2 Wanderer, welche wissen wollten ob der Weg noch schwieriger wuerde. Denen konnte ich dann aber auch sagen, dass der Weg nach oben nur noch leichter waere. Sehr schnell und viel schneller als gedacht kam ich schon in der Zivilisation in Arinsal an, wo mich Baulaerm begruesste. So, schnell weiter dachte ich mir und lief die Hauptstrasse den rot-weissen Markierungen folgend immer weiter nach oben. In einem Supermarkt kaufte ich mir noch 2 Dosen Cola, um mit Zucker meinen Koerper etwas zu puschen. Damit hatte ich bisher auch schon gute Erfahrungen gemacht. Beide Dosen waren nach ein paar Minuten auch vernichtet, sodass der Spurt losgehen kann. Zufaelligerweise bin ich noch an einer Touristeninformation vorbeigelaufen, welche fuer mich auch gleich bei der Huette angerufen hat, um fuer mich einen Platz zu reservieren. Prima, der Platz war mir sicher, wobei ich mir auch sicher war, dass das am Dienstag auch kein Problem ist.
Geraldine oben am Col
(image by Julie Baudouin)

Jetzt standen mir nur noch die 2,5 Stunden Aufstieg bevor, wie diese in meinem Fuehrer angegeben waren. Nach einem Hatsch auf der Hauptstrasse, welcher sogar auch noch durch Tunnel fuehrte, fuehrte der Weg alsbald auch schon erst mal auf einer Schotterstrasse weiter hoch. Der Wanderweg bog dann auch schon bald von der Schotterstrasse ab und war ab sofort ein richtiger, steiniger, schmaler und herrlicher Wanderweg. Stetig fuehrte dieser bergauf und immer wieder hoffte ich, dass bald die Huette kommen sollte. Nach dem Ueberqueren von 2 Fluessen mit kleinen Bruecken verlief der Weg dann stets auf der linken Seite des Flusses voran, dessen einspeisenden Wasserfall ich schon vorher von weiter Ferne weiter oben erkennen konnte. Das Feststellen der Hoehenmeter mit dem Abgleich von Objekten die ich erkennen konnte mit der Karte stellte sich heute als etwas problematisch heraus. Ich schiebe das mal auf die 1:50k Karte. So, ich bin muede und schlafe gleich ein. Deshalb nur noch Stichpunkte. Weg verlief weiter entlang von dem Fluss und ich musste laenger aufsteigen als erwartet. Huette war fast leer. Vllt. waren hier inkl. mir max. 10 Gaeste. Die Dusche, ja die Dusche... diese in meinem Fuehrer als heiss beschriebene Dusche wurde mir von den 2 Huettenfrauen ja schon so vorgestellt, dass die Dusche "crazy" ist, was das warme Wasser anging. So holte ich mir gleich 2 Duschmarken und begab mich zum Duschen. Nachdem ich Duschmarke eins reingeworfen hatte, dauerte es etwa eine halbe Minute, bis warmes Wasser kam. Nachdem ich mich eingeseift hatte und mich dann abwaschen sollte, stoppte aber das Wasser, nachdem ich gerade erst mal mit dem Abwaschen vom Kopf fertig war. OK, zweite Marke rein und los... Denkste. Nix los. Gar nix kam heraus, nicht einmal kaltes Wasser. In meiner alten Unterhose uns sonst nichts an kam ich dann wieder in den Gastraum um nach einer weiteren Marke zu fragen und bekam sogleich auch eine. Diese Marke wurde auch angenommen, aber es wurde kein heisses Wasser mehr geliefert, aber das hat schon gepasst. Das Abendessen zuvor bestand als Vorspeise aus einer Suppe, danach aus einer Art Gulasch mit Reis und dann eingelegten Pfirsichen. Ja, hat schon gepasst. Fuer eine Huette sogar prima. So, ich werde jetzt gleich ins Bett gehen, bin total kaputt und ich hoffe, heute 7 Stunden Schlaf zu bekommen.