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Montag, 21.07.2014
Tag 12 - Von Maushuette zu Maushuette
Refugi J. Folch Girona → Cabana dels Esparvers → Refugi de l'Illa → Refugi de Fontverd → Coll Jovell → Encamp
Die Huette in der Mitte vom Nirgendwo
(image by Julie Baudouin)

Heute stand wohl einer der laengsten und beschwerlichsten Wege, allerdings auch einer der Schoensten an. Zuerst wurde es aber Nachts etwas unruhig.

Viel unternahmen wir Nachts nichts mehr. Draussen tobte der Wind, und innen froren wir etwas. Allmaehlich verzog sich jeder in's Bett. Dann ging ich nochmals nach draussen um meinen Fuss in das kalte Bachwasser zu halten, bis ich es vor Kaelteschmerz nicht mehr weiter aushielt. Alles nur, um einer Schwellung vorzubeugen. Ich war der Letzte, der auf seine angeknabberte Matratze kroch und sich mit 2 T-Shirts und einem Fliesspullover in seinen Schlafsack schluepfte. Das Matratzenlager hatte 3 Etagen und in den 2 obersten wurde genaechtigt, da unten niemand schlafen wollte weil es hier ja eine Maus geben koennte. Aus irgendeinem Grund versammelten sich sehr viele Kuehe um die Steinhuette herum, sodass wir die ganze Zeit von einem Muhen in den Schlaf gemuht wurden. Relativ schnell konnte ich dann endlich einschlafen. Ich war auch richtig kaputt von den relativ schlaflosen Tagen zuvor. Irgendwann in der Nacht um 2 Uhr wurde ich dann wach, da irgendwas in der Huette raschelte. Naja, das ist ja nur der Wind, der die Tueten etwas durchwirbelt und auch den Regenschutz des einen Rucksacks, der auf dem Stuhl stand. Wieder und wieder wurde etwas in der Huette bewegt. Nach einer Maus klang das aber nicht. Dann wurde es etwas seltsam. Es kamen Raschelgeraeusche direkt aus einem bestimmten Rucksack von der Frau, die als letzte von den beiden letzten die Huette betreten hatte. Als man dann mit der Lampe draufleuchtete, waren diese wieder vorbei. Hm... seltsam. Die Frau von oben meinte dann, dass doch bitte jemand wg. der Maus nachschauen sollte. Wie bitte? Warum macht die das nicht selbst, wenn sie schon ihren Regenschutz auf den Boden runterhaengen laesst, sodass die Maus jederzeit zu ihrem Rucksack hochkommt. Beim zweiten mal packte ich dann eine Matratze neben mir und bewegte damit den Rucksack ein bisschen hin und her, aus dem ich das Rascheln gehoert hatte. Hm... nichts zu hoeren. Eigentlich gehe ich davon aus, dass die Maus die Flucht ergreift, wenn jemand den Rucksack bewegen wuerde. Tja. Also war alles doch nur Einbildung. Irgendwie liess mich das aber nicht in Ruhe und etwa beim vierten mal, als ich ploetzlich mit meiner Stirnlampe den Rucksack direkt anleuchtete, konnte ich das graue Teil erkennen: Eine Maus huschte schnell auf dem Boden hin und her, immer aus dem Lichtschein entfliehend. OK, also haben wir jetzt definitiv ein Maeuseproblem. Vorsichtshalber schaute ich noch mal auf den Essenstisch, ob irgendwas von meinem Zeug angeknabbert war. Ich ging naemlich davon aus, dass die Maus nicht auf den Essenstisch kommen kann, da die Tischbeine nach innen versetzt angebracht waren und ein Effekt aehnlich wie bei den Maeuseplatten an alten Getreidelagern vorlag. Von meinem Zeug war auch nichts angeknabbert, nicht mal der Apfel, der ungeschuetzt einfach auf dem Tisch stand. Prima, passt alles. Also wieder hoch auf meine Matratze und die Maus den einen Rucksack halt zerfleddern lassen. Schon seltsam, wie Leute ihre Rucksaecke hinstellen, wenn wir ihnen ganz klar sagen, dass wir hier ein Maeuseproblem erwarten. Die Matratze packte ich auch in die Ecke, um evtl. der Maus den Aufstieg zur zweiten Etage zu erschweren. Ich hatte sicher keine Lust auf eine Maus auf meiner Etage.
Himmelfarben
(image by Julie Baudouin)

Irgendwann schlummerte ich dann wieder ein und wachte mit dem Wecker von Julie und Ben auf. Das war um 5:30. Eieieiei, so frueh stehe ich jetzt wirklich nicht auf. Gegen 6 Uhr beschloss ich dann erst aus dem Bett zu steigen und bekam noch mit, wie die beiden die letzten Sachen einpackten und sich dann schon auf den Weg begaben. Mein Fruehstueck viel sehr spaerlich aus. Ich machte mir erst mal ein Wasser heiss, wobei meine erste Gaskartusche damit geleert war. Diese Teile halten wirklich sehr lange, aber die grauen Kartuschen sind hier sehr schwer herzubekommen. Da muss ich mir noch was einfallen lassen. Mit der zweiten war das Wasser dann sehr schnell heiss und ich goennte mir eine heisse Schokomilch, von denen ich immer noch ein paar Packungen mitschleppte. Das Zaehneputzen erfolgte am Bach, bei dem allerdings weiter oben Kuehe herumstanden. Beim Auswaschen vom Mund nach dem Zaehneputzen schmeckte das Wasser dann auch irgendwie wie Guelle. Ja Pfui! Schnell lief ich in die Huette zurueck, um mir mit dem mitgebrachten sauberen Wasser vom Refugi Malniu nochmals den Mund auszuwaschen. Nun hatte ich tatsaechlich auch noch ca. 2,5 Liter Wasser von dieser Huette und musste nicht wie z. B. Julie eine Chlortablette in den Wasserbeutel schmeissen. Das war mir die Tragerei bis hierher ganz sicher wert. Dann wurde der Rucksack noch gepackt und nach einem endgueltigen Check ob alles gepackt war, startete ich dann mit kurzem T-Shirt in die heutige Tagesetappe.
Einer von vielen Seen
(image by Julie Baudouin)

Ziemlich windig war's hier in der Frueh und ab und zu musste ich geradezu eine Pause machen um die Aussicht zu geniessen. Wenn mir eine Speicherkarte meiner Kamera abrauchen sollte, dann hoffe ich nicht, dass es diese ist, da die Bilder einfach wunderschoen sind. Mein linker Fuss schmerzte schon den ganzen morgen, aber in den Wanderschuhen wird dieser irgendwie stabiler gehalten, sodass ich damit zwar unter Schmerzen aber dennoch relativ gut weiter wandern konnte. Leider ist er heute im Vergleich zu gestern auch noch geschwollen. Hin und wieder fluchte ich halt vor mir her, aber das ist ja nix Neues. Ueber eine steinige Wiesenlandschaft fuehrte der Weg in Schlangenlinien weiter nach oben. Ich konnte nie erahnen, wo denn genau der Weg hingehen wuerde, da dieser immer anders verlief, als erwartet. Die Schlangenlinien konnte man auch kaum aus der Karte herausinterpretieren. Schon bald kam ich an den Pferden vorbei, welche gestern Nachmittag wohl noch bei der Huette in der Naehe waren und jetzt den Sonnenaufgang hier oben genossen. Nicht nur, dass die Sonne den Horizont in ein herrliches Morgenrot tauchte, auch die Seen und der schroffe Stein machte diesen Anblick wie einen aus dem Bilderbuch. Der Wind war teilweise doch sehr bitter kalt, sodass ich mir immer mal wieder ueberlegte, nicht vllt. doch das Fliess anzuziehen. Immerhin befand ich mich hier auf weit ueber 2000 HM und die Sonne geht erst jetzt auf. Dieses mal war ich ueber jeden Sonnenstrahl froh, der den kalten Wind in seine Grenzen wiess. Der Weg fuehrte mich links an den ganzen Seen vorbei, von denen es lt. Karte hier ca. 4 bis 5 Stueck gab. Wieder mal kam mir der Weg laenger als erwartet vor. Ich hoffe mal, dass das meine letzte 1:50k Karte ist, da ich doch sehr gerne wieder mehr Details in Karten haben moechte und nicht mehr das Gefuehl, nicht mehr voranzukommen.
Das steile vereiste Schneefeld
(image by Julie Baudouin)

Dann sah ich auch schon Julie und Ben in einiger Entfernung vor mir, wie sie dabei waren zu einem weissen Schneebrett hochzusteigen. Das sieht aber interessant aus dachte ich mir, aber vermutlich wird das wieder deutlich einfacher, als es von hier aussah. So stapfte ich weiter und weiter, liess mich von dem kalten Wind nur noch mehr anspornen, noch schneller trotz schmerzendem Fuss zu laufen und schaute von der Ferne an, dass ich Ben und Julie mit dem Schneefeld unglaublich schwer taten. Hm... das scheint doch interessanter zu werden. Bei dem vllt. 150 HM hohen Aufstieg zu dem Schneefeld hielt ich es dann mit dem ganzen Wind nicht laenger aus, warf meinen Rucksack hin und holte mein langaermliges Fliess heraus. Das ist mittlerweile auch schon 7 Jahre alt und ich sollte mir mittlerweile wirklich etwas aktuelleres besorgen. Aber es tut noch seinen Zweck und hielt auch das Groebste von dem Wind von mir ab. Bald bemerkte ich, dass J&B auf mich warteten um vllt. auf Nummer sicher zu gehen, dass ich das Schneefeld mit dem kaputten Fuss schaffe und ueberhaupt war das Schneefeld als ich dort ankam, nicht gerade leicht zu begehen. Soweit es die Steine zuliessen, kraxelte ich hoeher. Dann stand vor mir 2,5 Meter festgefrorener Schnee, bei dem es sehr schwer war, einen Stand mit den Schuhen in den Schnee zu hauen. Ben fragte mich gleich, ob ich Hilfe brauchen koennte, was ich aber verneinte. Das Ganze war hier zu rutschig, als dass ich auch noch Ben mit herunterreissen wollte, falls ich ausrutschte. Mein Rucksack muss als Airbag ausreichen. Ueber den 2,5 Metern fast senkrechter Wand ging es im guten 20 Grad Winkel auf total vereistem Schnee weiter. Da waere es natuerlich prima gewesen, wenn die Sonne den Schnee erst mal aufgeweicht haette. Kurzum verwendete ich meine Wanderstoecke als Eispickel, indem ich diese ganz unten anfasste und die scharfen Spitzen in den Schnee rammte um mich so ueber die Kante zu ziehen. Einfach so Halt im Schnee zu finden schien mir ohne solche Hilfsmittel nicht moeglich. Auch als ich oben angekommen war, trennten mich noch vllt. 7 Meter zu sicherem Fels. Diese Strecke legte ich dann auf allen Vieren zurueck. Hier war einfach alles zugefroren und lieber habe ich eine verdreckte und nasse Hose, alsdass ich hier herunterrutsche. Wenn ich anders herum gelaufen waere, waere diese Stelle wohl eine der gefaehrlichsten Stellen, welche ich jemals in meiner Wanderzeit begangen waere. Aber zum Glueck lief ich den GR11 ja nicht anders herum. Auch wenn diese ganze Aktion vllt. nur 2 Minuten benoetigte, war ich nachher doch sehr entkraeftet, da ich mit aller Anstrengung Schritt fuer Schritt und auch die Spitzen von den Wanderstoecken in den Schnee schlagen musste.
Beim hochquaelen
(image by Julie Baudouin)

Der Abstieg verlief dann erst mal ueber eine langsam abfallende Wiese, bei der ich einfach J&B die in etwa 2 Minuten Entfernung vor mir gelaufen sind nachlief. Der Weg fuehrte naemlich auch hier in Schlangenlinien herunter und ich konnte so ein paar Meter Laufstrecke einsparen. Dann aber fuehrte der Weg sehr steil ueber loses Gestein herunter und ich nahm meine 2 Wanderstecken als Krueckenersatz um den linken Fuss wenigstens etwas zu entlasten, was doch relativ gut half. In der Ferne sah ich schon die moegliche Fortfuehrung des Weges, hoffte allerdings instaendig, dass ich nicht bis in's Tal absteigen musste, um dann wieder hochlaufen zu muessen. Wenn hier Nebel waere, haette man es sehr schwer, den Weg zu finden. Die rot-weissen Markierungen waren sehr unregelmaessig angebracht und teilweise wurden wohl von den hier herumlaufenden Tieren die Wege etwas anders getrampelt als es fuer die Wanderer gedacht ist, sodass man auch nicht danach gehen konnte.
Die Nothuette bei der ich lt. Fuehrer haette zelten sollen
(image by Julie Baudouin)

Letztendlich gelangten wir doch ganz runter in's Tal zwischen den beiden Uebergaengen und waehrend J&B irgendwo anders etwas machten, setzte ich mich vor die Cabana dels Esparvers, bei der ich letzte Nacht eigentlich haette zelten sollen. Das waere ja ein wahrer Spass gewesen. In der Mitte vom Nirgendwo das Zelt aufschlagen und dann das Zelt von Wind und Regen bearbeiten lassen. Da war mir die Huette von gestern schon lieber. Allgemein wundert es mich, warum der Fuehrer nicht explizit auf die vielen anderen Huetten und der guten Uebernachtungsmoeglichkeit dort im Falle von Regen hinweist. Mehr als einen Regenschutz bot diese Huette allerdings wirklich nicht, hatte allerdings einen Kamin welcher deutlich vielversprechender aussah als unser gestriger. Allerdings war in dieser Nothuette weder Platz fuer Tisch noch sonst etwas, sondern nur fuer eine oder vllt. auch zwei Schlafmoeglichkeiten. Auf dem Stein futterte ich dann erst mal etwas, was sozusagen meinem Fruehstueck entsprach. Ein bisschen Wurst und etwas von dem Baguette von vorgestern, welches ich gut in eine Tuete packte, sodass es nicht austrocknete. Nach 10 Minuten war das dann auch beendet und ich verfolgte nun wieder J&B, welche mich mittlerweile wieder ueberholt hatten. Der jetzt kommende Weg war wirklich wunderschoen, allerdings waere er bei strahlendem Sonnenschein statt bei einer Kaelte und ganz leichtem Nieselregen doch etwas schoener gewesen. Langsam zog sich dieser Weg rechts entlang des Flusses weiter nach oben. Nie musste man den Fluss ueberqueren, durfte aber seiner Schoenheit mit jedem Schritt folgen und das Schoene war auch noch daran, dass die Hoehenmeter nur sehr langsam gemacht wurden. Dann gelangte ich auf eine Wiese, bei der gleich 5 Zufluesse diesen Fluss speisten, welchen ich gerade entlang gelaufen bin. Nachdem der Weg weiter auf etwa gleicher Hoehe verlief, ging er dann noch einmal sehr steil nach oben ueber einen steinigen Weg zum hoechsten Punkt der heutigen Etappe. Der Wind bliess schon wieder sehr stark und ich war froh, dass ich meine Fliessjacke noch nicht ausgezogen hatte. Oben befand sich dann ein Stausee in Kleinformat, bei dem ich mir die Frage stellte, ob sich dieser ueberhaupt rentiert.
Der huebsche Fluss weiter oben
(image by Julie Baudouin)

Wieder bliess der Wind unglaublich stark, sodass es mich sogar in meiner Fliessjacke fror und so schritt ich schnell weiter bergab, um ein paar Minuten spaeter an dem Refugi de l'Illa zu sein, zu dem ich eigentlich noch gestern laufen wollte. Das waere in der Tat noch ein richtiger Hammerhatsch geworden. Dafuer haette diese Huette aber intakte Feuerstellen geboten. Insgesamt war diese Huette in 3 autarke Huetten unterteilt, welche jeweils eine Feuerstelle sowie ein Matratzenlager hatten. Da der Wind immer noch stark herumbliess und ich das "Plastikfunktionsoberteil" anhatte welches bei Naesse ueberhaupt keine Waerme mehr spendete, setzte ich mich lieber in eine der Zimmer rein. Julie fragte dann nach meinem Fuss und bot mir an, eine Ipuprofen zu geben. OK, Hauptsache, dass laeuft bald besser. So schluckte ich auch diese in der Hoffnung, dass ich bald wieder normal laufen konnte. Dieses Herumhumpeln nervt allmaehlich. Es kostet auch viel Anstrengung, bei jedem Schritt auf die Steine zu schauen, dass ich bloss nicht einen spitzen Stein direkt unter meinen Fussballen bekomme. Mittag wollte ich hier aber noch nicht machen, da es hier einfach zu kalt war und so schlug ich J&B vor, dass wir uns einfach bei der Huette Fontverd treffen koennten, welche in 1,5 Stunden Entfernung war und aufgrund der tieferen Lage voraussichtlich deutlich waermere Umstaende bieten wuerde als diese Huette. Es war auch gerade erst mal kurz nach 11 Uhr. Damit hatte ich nur etwas mehr als 4 Stunden gebraucht, um von der urspruenglichen Huette zu dieser zu gelangen.
Die Nothuette nach dem letzten Uebergang fuer heute
(image by Julie Baudouin)

Beim Abstieg veraenderte sich die Landschaft wieder in eine Baumlandschaft. Wie auch bei der Huette wo ich uebernachtete, herrschte auch bei dieser Huette hier absolute Holznot und erst gut 100 HM weiter unten wuchsen Buesche und dann auch wieder Baeume. Teilweise konnte ich ausgetrocknete kleine Miniseen bestaunen, die die Steine in einen sehr seltsamen rot-braun Ton getaucht haben. Der Weg stieg auch nur sehr langsam rechts von einem Fluss bergab. Mehr und mehr Wanderer mit grossen Rucksaecken tauchten auf, insbesondere wohl auch deshalb, da dieser GR10 hier mit dem GR7 zusammenlief. Vorbei an alten Huetten, von denen eine nur noch als Notlager mit einer ueberspannten Decke herhielt, ueber viel Waldweg, noch einer weiteren Huette welche man auch als Nothuette haette benutzen koennen, folgte ich dem absteigenden Weg weiter und weiter, bis ich mir nach etwa einer Stunde die Frage stellte, ob ich vllt. schon an der Huette Fontverd vorbeigelaufen bin. Das waere natuerlich bitter, da Ben heute nicht mehr weiter wandert und ich mich nicht haette verabschieden koennen. Ein anderer Wanderer bestaetigte mir dann aber doch noch, dass sich die Huette weiter bergab befindet. Ich kann nicht oft genug sagen, dass ich die 1:50k Karten nicht mag.
Die wunderschoene Landschaft bei der sich nur wenige Wanderer hinverirren
(image by Julie Baudouin)

Bei der Fontverd Huette gelangte ich dann nach einem etwas laengerem Abstieg und war doch sehr erschrocken, dass sich dort sehr, wirklich sehr viele Leute aufhielten. Wie kann denn so etwas passieren? Ist hier mein 300 HM Grattlergrenzengesetz gebrochen worden? Hm.. naja, fast. In etwa 350 HM befand sich die naechste Hauptstrasse, bei dem dieses Bergtouristenvieh wohl rausgelassen wurde. Der vermeintliche Bergfuehrer war auch ganz lustig. Er schenkte erst mal ordentlich Schnaps aus, den er mit hochgebracht hatte, dann gab's noch ein bisschen Wurst und letztendlich rauchte er noch eine, wobei ich die beiden letzteren Sachen ja ganz gut fand. J&B waren dann aehnlich geschockt wie ich als sie bei der Huette ankamen. Immerhin wurde fuer uns ein Tisch frei, sodass wir in aller Ruhe zu Mittag essen konnten. Das war auch das erste mal, dass aus meinem Rucksack wirklich alles verputzt wurde, was darin enthalten war. Sogar meine Nuesse welche als Notfallreserve fuer Energie herhalten sollten, wurden von uns allen verputzt. Dann kehrte endlich wieder Ruhe ein, da das humane Viehzeug heruntergetrieben wurde. Nach dem sehr guten Mittagessen legte sich Ben dann einfach in's Gras, bei dem ich nicht anders konnte, als mich diesem anzuschliessen und Julie musste man das natuerlich auch nicht extra sagen. So doesten wir ca. 1 Stunde vor uns her, entspannten, liessen uns von dem Wind der kalt war wenn die Sonne hinter eine Wolke war etwas abkuehlen und sogleich wieder aufwaermen, wenn die Sonne hinter einer Wolke den auf uns zustroemenden Wind schon aufgewaermt hatte, bevor er uns traf. Leider hatten wir immer noch 600 HM Abstieg vor uns, der sich sehr lange hinziehen wuerde.
Blick in's Tal von Andorra
(image by Julie Baudouin)

So ging's wieder weiter. J&B gingen ein paar Minuten voraus und bei einer bald kommenden Abzweigung beschloss ich kurz den GR11 zu verlassen, um mir 100 HM Aufstieg zu ersparen. Dies stellte sich auch als die richtige Wanderwegwahl heraus, da dieser Wanderweg teils ueber herrliche Felssteine fuehrte, leider auch etwas Auf und Ab, aber ansonsten fast immer auf gleicher Hoehe bis zu dem Coll Jovell fuehrte, bei dem ich mit J&B zusammen weiter abstieg. Allerdings war das nicht wirklich ein Abstieg sondern wir gelangten sogleich auf eine breite Autobahn, bei der sogar an Rollstuhlfahrer gedacht wurde. Das ist wirklich kein Scherz. Wir befanden uns jetzt uebrigens auch in Andorra, wie mir unmissverstaendlich durch zwei SMS klargemacht wurde. Diese Autobahn machte keine HM rauf und runter, dafuer kamen wir aber auch schnell voran. Ben rief dann irgendwas auf franzoesisch und schon konnte ich sehen, wie die beiden eifrig das Futtern anfingen. Am Wegesrand befand sich ein Busch mit Blaubeeren kurz bevor wir auf die Hauptstrasse gelangten welche wir fuer eine Kehre folgen mussten. Oben angekommen lag auch schon ein Restaurant vor uns und die Frage ob wir vllt. hier ein Bier trinken sollten wurde von den beiden auch sehr befuerwortend beantwortet.
Da ist jemand sehr gluecklich
(image by Julie Baudouin)

Ich komme leider erst am naechsten Tag dazu, das hier aufzuschreiben, weil der Abend leider viel Zeit gefressen hat. Nun geht's also weiter.

So gab's erst mal ein gutes Pint Bier in Andorra. An sich fand ich das schon mal einen guten Start in diesem Land. Noch hatten wir aber noch einen guten Hatsch und Abstieg vor uns. Querfeldein lief ich die vllt. 20 HM zu einem See herunter, bei dem das Bier ganz gut halt, die hohe Steigung nicht all zu sehr zu beherzigen. Dann liefen wir auf einer Autobahn am See entlang bis wieder ein Wanderweg ueber einen Wald mit vielen Steinen nach Encamp herunterfuehrte. Dann gab Ben einen Freudenschrei von sich und als ich zurueckschaute, sah ich ihn auch schon ganz kleine Waldhimbeeren zupfen und zu verputzen. Julie hielt sich auch nicht lange zurueck. Aus irgendeinem Grund ass ich dieses mal mit. In meiner Kindheit hat man mir noch gelernt, dass man solche Fruechte aus dem Wald wg. diverser Gruende nicht essen sollte, nun war mir das aber auch egal. Diese Himbeeren schmeckten zuckersuess.
Abendessen mit Ben's Abloesung
(image by Julie Baudouin)

In Encamp angekommen, machten wir uns gleich auf die Suche nach dem Zeltplatz und dort erwartete uns auch schon die Freundin von Julie, die nun Ben abloest. Prima, nun wandere ich eben mit 2 huebschen Maedels weiter. Waehrend Ben sich wo anders eine Unterkunft fuer seinen letzten Tag suchte, schlugen wir unsere beiden Zelte auf. Leider ist in meinem nur Platz fuer 1,5 Personen, sonst haette Ben ja auch in meinem uebernachten koennen. Danach gab's gleich die wohlverdiente Dusche. Wg. der Raeucheraktion in der letzten Huette beschloss ich auch, die Waschmaschinen am Campingplatz zu nutzen um alles, was ein bisschen nach Rauch gestunken hat gleich zu waschen. Leider war es mittlerweile kurz nach 7 Uhr, weshalb das Zeug wohl sicher nicht mehr richtig bis morgen trocken wird, aber ich wollte unbedingt den stinkenden Rauch aus meinem Rucksack bekommen. Da nun alles an Essensresten verputzt war, liefen wir noch weiter zum Supermarkt um dort unsere Vorraete wieder weiter aufzufuellen. Dieses mal kaufte ich aber keine Tomatensauce mehr in der Dose sondern nur noch Trockennudeln mit irgendeinem Geschmack. Das fuellt genauso den Magen und ich spare mir das halbe Kilo Sauce zum Mitnehmen. Desweiteren kaufte ich wieder meine geliebten Orangen, O-Saft zum Fruehstueck, Tee, Schokolade, 2 Bier, diverse Wurst und ein Baguette.

Mein linker Fuss schmerzt schon wieder und beim Anblick konnte ich erkennen, dass dieser deutlich geschwollen war. Na das kann ja noch was werden. Der sieht schon fast aus wie ein Elefantenfuss und wenn ich aus den Wanderschuhen heraus bin, schmerzt jeder Schritt ein bisschen. So liefen wir dann auch zum Abendessen und suchten uns ein Hotel aus, bei dem uns ein 4-Gaenge Menu erwartete. Naja, das Ganze schmeckte solala, war nicht herausragend und auch nicht ganz schlecht. Allerdings war die Creme Catalana, bei der ich ja mittlerweile Gourmetexperte bin, absolut unter aller Sau. Diese war absolut ueberzuckert und der Vanillepudding schien nur irgendein kalt angeruehrter Schlonz gewesen zu sein. Nein, mit Creme Catalana hatte das nichts zu tun. Die Flasche Wein war zu viert auch schnell geleert und schon machten wir uns auf den Weg zurueck zum Campingplatz. Da es allerdings Bens letzter Tag war, ging ich mit ihm noch in eine Bar, um noch ein Bier mit ihm zu trinken. Nach der Verabschiedung lief ich dann auch zurueck zum Campingplatz, um in der Bar an dem Tagebuch weiterzuschreiben. Leider wurde ich damit nicht mehr ganz fertig... Vom Barkeeper holte ich mir dann sogar noch einen Eisbeutel um damit meinen Fuss zu behandeln. Bis auf das, dass es ziemlich schmerzte, schien das nichts gebracht zu haben. Ich werde die kommenden Tage einfach ganz viel Ibuprofen von Julie wegfuttern, auch wenn ich ungern Medikamente nehme. Aber ein Abbruch der Tour wg. so einen Schmarrn waere schon fatal und pausieren kommt fuer mich auch nicht in Frage.