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Sonntag, 20.07.2014
Tag 11 - Uebernachtung in einer Nothuette
Puigcerda → Saneja → Refugi de Malniu → Refugi J. Folch Girona
Blick zurueck
(image by Julie Baudouin)

Das duerfte heute wohl wirklich das erste mal sein, dass ich auf einer Huette uebernachte. Viel hat diese Huette aber nicht zu bieten aber es ist gut, dass ich bis hierher und nicht weitergegangen bin, da das Wetter schnell umgeschlagen hat.

Wieder mal klingelte der Wecker um 6:30 Uhr und ich stand bald darauf auf. Dieses mal wurde mein Rucksack wieder komplett neu eingepackt. D.h. alles raus, die ueberfluessigen Sachen wegschmeissen - z. B. ein paar Chinesensocken und 1 Paar von den 5 EUR teuren, da ich ja jetzt sogar 2 Paar Wandersocken hatte. Fertig gepackt verabscheute ich mich dann von diesem Loch mit Wasserschaden an der Decke und lief dann mit allem drum und dran zum Fruehstueck runter um dort das erhoffte Buffet zu geniessen. Lange hat das nicht gedauert. Nachdem ich die harten Brote angeschaut habe, war ich ja noch bereit, eines zu essen. Dann machte ich die abgepackelte Butter auf und musste feststellen, dass diese absolut verranzt war. Bei der Marmelade war dann das Ablaufdatum auch schon ueberschritten. So reichte es mir, ich trank noch meinen O-Saft welchen ich mir gestern noch fuer's Fruehstueck gekauft hatte und auf ging's in die naechste Etappe!
Heissluftballons
(image by Julie Baudouin)

Zuerst stand wieder mal ein Autobahnhatsch bevor und zwar erst mal rueber nach Sanea vorbei am Campingplatz. Der Hatsch ging dann noch weiter zur naechsten Ortschaft, bei der mal wieder keine Wegmarkierungen angebracht waren. Aber irgendwo da oben musste der Wanderweg weitergehen. So lief ich einfach eine der beiden Strassen abwechselnd nach oben und kam nach 1 1/2 Stunden endlich auf einen Wanderweg, der gleich steil nach oben fuehrte.
Langer Weg bis zur Huette die hier noch nicht sichtbar war
(image by Julie Baudouin)

Der Himmel war "herrlich" bewoelkt und die Sonne kam so gut wie nie heraus. Ein bisschen kalt war es auch, was mir aber nicht viel ausmachte, da ich dann einfach etwas schneller laufen konnte. Teilweise musste ich mich schon sehr bemuehen, um die Wegmarkierungen wiederzufinden. Mehr und mehr bekam ich einen wunderschoenen Ausblick in's Tal und auf andere Berge in den Pyrenaeen, allerdings sah es bei den anderen Bergen ganz schoen dunkel in den Wolken aus und fing an, zu mir rueberzuziehen. OK, dann eben noch bisschen schneller. Ueber viele weitere Huegel ging der Weg nach oben und irgendwann auch noch ueber einen Bereich, bei dem es vor kurzem gebrannt haben muss. Dort gab's natuerlich keine Wegmarkierungen mehr, dafuer aber einen Trampelpfad, den man sehr deutlich erkennen konnte. Wieder mal hatte ich aufgrund der 1:50k Karte das Gefuehl, ueberhaupt nicht voranzukommen und endlich hatte ich dann den hoechsten Punkt der Etappe erreicht, ab dem es ueber eine Forststrasse noch weiter zu einer Huette ging. Bald zweigte von dieser auch bald wieder ein Wanderweg ab und verlief in einem Wald ein bisschen Auf und Ab, bis ich endlich hinter ein paar Baumwipfeln die Huette sehen konnte. Noch einmal hiess es, die Markierungen zu suchen, dann war ich auch schon bei der Huette und begruesse Julie und Ben. Die Huette war direkt an einem Parkplatz, weshalb dort eigentlich alle moeglichen Grattler herumliefen. Allgemein scheint dieser Berg auch total befahren zu sein. Auf der vorher erwaehnten Schotterstrasse parkten sehr viele Autos am Rand und deren vorherige Insassen waren auf Schwammerlsuche.
Ben
(image by Julie Baudouin)

Da es doch ein bisschen kuehl war, bestellte ich mir dort eine Suppe um mich etwas aufzuwaermen. Wirklich warm sollte es heute auch nicht mehr werden. Fuer ca. 45 Minuten pausierte ich dort und fuellte anschliessend alle meine Behaelter mit Trinkwasser auf. Auf den kommenden Etappen kann es naemlich kein sauberes Trinkwasser mehr geben und ich bevorzuge es, meine Tabletten zur Wasserreinigung nicht zu nutzen. Bei einem der Angestellten erkundigte ich mich dann noch nach dem Wetter. Er meinte, dass es am Nachmittag gewittern wuerde und die Temperatur sehr stark abfaellt. Das hiess fuer mich, dass ich so schnell wie moeglich zur kommenden Huette muss und das Weiterwandern am heutigen Tag auch flach faellt. Eigentlich wollte ich noch zu einer Huette, welche angeblich viel schoener ist als die Zielhuette.
Noch kann man's in der Huette aushalten...
(image by Julie Baudouin)

Von dem Refugi verlief der Wanderweg dann weiter nach oben ueber eine Wiese, bei der ich erst mal wieder nach Wegmarkierungen suchte. Diese sind hier irgendwie seltsam angebracht. Wieder mal hatte ich das Gefuehl, dass ich deutlich langsamer vorankomme als es lt. der Karte haette sein sollen. Als der Weg rechts um den Berg herum ging in einen Bergeinschnitt herein, an dessen Ende mich die Huette erwartete, verlief der Weg dann so, wie ich ihn bisher nur von Korsika kannte: Immer wieder auf und ab, viele HM wieder kaputt machend, die man sich nur einen Moment vorher erarbeitet hatte. Ein paar mal verlor ich die Wegmarkierungen und kam dann doch wieder zu dem Wanderweg zurueck. Die Wolken ueber mir wurden immer dunkler und ich hoffte sehr, dass es nicht zu regnen anfangen wuerde, da ich den Regenschutz nicht angelegt hatte. Mein linker Fuss schmerzt auch immer noch so seltsam, aber irgendwie komme ich ja trotzdem weiter. Ich wunderte mich sehr, dass es auf 2200 HM immer noch Baeume gab, freute mich aber gleichzeitig, dass wir oben auf der Huette dann auch kein Feuerholz holen muessten. Allerdings fuehrte der Weg immer hoeher und hoeher, bis endgueltig keine Baeume mehr wuchsen und so war mir auch klar, dass das mit dem Feuerholz evtl. etwas problematischer werden wuerde.
Der rauchende Ofen
(image by Julie Baudouin)

Dann konnte ich endlich die Huette aus vllt. 800 Metern Entfernung erkennen, welche auf mich einen etwas kleine Eindruck machte, aber passt schon. Julie und Ben waren auch schon da und das erste was ich machte, als ich angekommen war, war den Ofen herzurichten, sodass wir es Abends hoffentlich schoen gemuetlich warm hatten. Nur gab's hier ja noch das Problem mit dem Feuerholz. Hier war so gut wie nichts in der Naehe der Huette zu finden und ich wollte meinen Fuss nicht weiter belasten. Ben war dann so hilfsbereit und lief dann mit der Saege los, um ein paar weitere Zweige zu besorgen waehrend ich den Fuss in das kalte Wasser des Flusses nebenan hielt. Nach 18 Uhr machten wir dann unseren Ofen an, bzw. versuchten es. Das grosse Problem war, dass der Wind von aussen durch das Ofenrohr sehr viel Luft hereindrueckte und ich war mir nicht sicher, ob wir genug Zug bekommen wuerden, um den Kamineffekt hinzubekommen. Der Ofen liess sich nicht einmal gut anzuenden. Das Papier wurde immer wieder ausgeblasen und als ich das Ofenrohr entfernte, liess sich zwar der Ofen anzuenden, aber sobald das Ofenrohr wieder auf dem Ofen war, drueckte der Wind den ganzen Rauch in die Huette hinein. Die Huette wurde so zur reinsten Raeucherbude. Mit gereizten Augen rissen wir sogleich alle Fenster auf. Draussen stuermte der Wind und bliess das meiste von dem Rauch nach draussen. Trotzdem konnte ich es in der Huette nur direkt an dem Fenster aushalten, an dem mir der Wind direkt die frische Luft in's Gesicht bliess. Ich warf alles an gutem Feuerholz in den Ofen, was zur Verfuegung stand, doch das alles half nichts. Sobald ich das Ofenrohr ansetzte, bliess der Wind den ganzen Qualm unten zum Ofen hinaus. Es qualmte immer mehr und so beschloss ich dann, den Ofen an dessen Gitter das sich aussen herum befand zu nehmen und nach draussen zu schaffen. Das war wirklich unser Glueck, dass der Ofen mobil war. Ansonsten haetten wir die Huette fuer die kommende Stunde nicht mehr betreten koennen. Also hiess es fuer heute: Ohne Ofen in den Abend. Unsere Klamotten stanken ab sofort natuerlich auch komplett nach dem Rauch. Die Rucksaecke selbst konnten wir gestern noch relativ rechtzeitig rausschaffen.
Viele Waermespender
(image by Julie Baudouin)

Erst mal gab es eine Suppe, um den fehlenden Ofen etwas zu ersetzen. Danach warteten wir noch ein bisschen mit dem Abendessen und schon bald kamen noch zwei weitere Wanderer in die Maushuette. An irgendeiner von vorherigen Wanderern zurueckgelassenen Suppentuete befanden sich naemlich Knabberspuren. Julie und Ben futterten irgendein trockengefrorenes Zeug und ich konnte endlich die Dose Tomatensauce zusammen mit den Nudeln verputzen. Wieder mal bereute ich es nicht, dass ich auch wieder eine Dose Bier mitgenommen hatte. Alles zusammen wird mir morgen einiges an Gewicht einsparen.
Es ist angerichtet!
(image by Julie Baudouin)

Auch ohne Ofen ist die Huette selbst mit 5 Personen aber nicht mal so kalt. Schon seltsam, dass ich jetzt auf einmal auf einer Nothuette auf 2400 HM bin statt auf einer bewirtschafteten Huette. Es ist bisher (21 Uhr) immer noch gut auszuhalten. Der Wind heult uns hier gewaltig um die Ohren und die Kuehe umzingeln das Haus. Hoffentlich macht der Fuss morgen bei den laengeren Abstiegen keinen Aerger, sonst habe ich wirklich ein Problem.