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Samstag, 19.07.2014
Tag 10 - Viel Strecke und wenig Wanderwege, Adios Zehernaglos
Camping Can Fosses (Planoles) → Dorria → Coll de Malniu → Coll Marcel → Age → Puigcerda
Frueher morgen
(image by Julie Baudouin)

Das war heute schon wieder ein ganz schoener Hatsch. Viel Schotterstrassen und wenig Wanderwege... Aber morgen geht's dann wieder auf richtige Wanderwege.

Kurz bevor ich gestern in's Bett, also Zelt, gehen wollte, fing es auch schon ein bisschen zu Nieseln an. Ja Mist. Hoffentlich muss ich nicht mein Zelt morgen nass mitnehmen. Leider hat es dann in der Nacht nicht mehr aufgehoert, zu regnen. Ich glaube, dass das das erste mal war, dass ich mein Zelt unter Regenbedingungen benutzt habe und es hat prima dicht gehalten. Bevor ich schlafen ging, schaute ich mir noch den Zehernagel an, den ich mir vor einer Woche angehauen hatte. Dieser ist nicht einmal mehr blau. OK, dann runter damit. Absolut schmerzfrei konnte ich diesen abnehmen. So spare ich gleich wieder ein paar Gramm Gewicht! Dann musste ich auch noch das Geplaerr von dem Partyvolk um die Ecke aushalten, was aber gegen 12 Uhr auch zurueckging. Schlussendlich war ich dann doch selbst daran Schuld, dass ich nicht so gut geschlafen hatte. Das Zelt habe ich naemlich versehentlich direkt neben eine Strassenlaterne gestellt, sodass das Zelt immer erhellt war. Umbauen moechte ich das jetzt aber auch nicht mehr. Da aller guten Dinge 3 sind, durfte ich in der Nacht dann noch ein kotzendes Kind mit anhoeren, die es ein Stueck nach dem anderen vom Abendessen wieder hervorbrach. So, also alles in allem mit dem Regen eine ganz tolle Nacht im Zelt :-).

Als mein Wecker um 6 Uhr klingelte und ich draussen noch den Regen hoerte, stellte ich diesen gleich wieder ab und schlief weiter. Eine halbe Stunde spaeter hoerte ich dann schon Julie und Benjamin, die anscheinend unter Regen das Zelt zusammengepackelt haben. Meine Hoffnung auf eine regenfreie Zwischenzeit wurde dann aber erfuellt. So nahm ich erst mal mein Handtuch um das Zelt aussen abzutrocknen, sonst habe ich ein nasses Etwas in meinem Rucksack. Zum Frueckstueck gab's dann die Milchbroetchen sowie den O-Saft, welchen ich mir gestern noch eingekauft hatte und schon waren die Aufbruchvorbereitungen auch schon abgeschlossen und ich startete in den 10-ten Tag.

Der Blick in den Himmel verriet mir, dass es mit dem Regen evtl. noch nicht ganz vorbei sein koennte. Mich auf mein Glueck verlassend startete ich aber in die Etappe ohne Regenschutzzeug anzulegen. Der erste Teil des Weges verlief noch ganz schoen ueber eine kleine zugewucherte Forststrasse, welche schon Aehnlichkeit mit einem Wanderweg hatte. Nach vllt. 30 Minuten Gehzeit fing es dann doch wieder zu regnen an und ich konnte alles hinwerfen und schnell den Regenschutz anlegen. In der Regenjacke ist es aber ganz schoen schwuehl. Atmungsaktiv ist diese ueberhaupt nicht. Ich sollte diese 7 Jahre alte Ausruestung jetzt vllt. mal wirklich auswechseln. Auch mein Rucksack schaut nicht mehr ganz gut aus und hat viele durchwetzte Stellen und erst die Socken... :-). In Regenschutzmontur ging's dann weiter immer in leichter Steigung nach oben. Das Angenehme war schon, dass es im Vergleich zu gestern Mittag noch sehr kuehl und angenehm zu wandern ist.
Kuehe, die den Weg versperren
(image by Julie Baudouin)

Schneller als erwartet stiess ich auch auf Julie und Ben, die sich auf Wegsuche begeben hatten. Wir standen auf einem steilen Wiesenhang, bei der nur irgendwelche absolut zugematschten Wege in alle Richtungen abzweigten. Lt. der 1:50k Karte, welche aber nicht viel Deutungen zuliess, koennte evtl. weiter oben ein Weg sein. So hatschte ich eben steil den Huegel hinauf. Sicher war ich mir ja nicht, da ich Wegmarkierungen erwartet haette und ich keine Ahnung hatte, wie denn tatsaechlich der Weg nach oben gefuehrt hat. Unter dem Elektrozaun rollte ich mich mit meinem dicken Rucksack unten durch. Das ist in etwa wie der heisse Draht, nur dass man selbst einen Schlag bekommt. Ich war hoechst erfreut, als ich endlich an dem Fahrtweg oben ankam, ob das nun der GR11 war oder nicht, war mir da auch egal. Zu Julie und Ben rief ich dann runter, dass hier oben eine Strasse ist. Ob die das mitbekommen haben, weiss ich nicht, weil auch keine Rueckantwort kam. Aber die kommen schon alleine zurecht. So lief ich die Strasse weiter in das Dorf Dorria das wie ausgestorben war. Immerhin gab es hier aber eine Quelle, an der ich mir die Wasserflasche auffuellte. So hatte ich jetzt insgesamt ca. 4 Liter Wasser mit dabei - fuer alle Faelle, da es auf der weiteren Strecke keine einzige weitere saubere Quelle geben soll. Nun hatte ich eigentlich vor, meine Schlappen anzuziehen, da ein sehr langer Strassenhatsch bevorsteht, allerdings blieb ich wg. dem Regen und der nassen Schotterstrasse bei meinen festen Wanderschuhen und fing an, der Schotterstrasse nachzulaufen. Da ich die 1:50k Karte verwendete, hatte ich wieder das Gefuehl, ueberhaupt keinen Fortschritt zu machen. Jede Kehre versuchte ich auf der Karte wiederzufinden, um mich mit meinem Fortschritt anzuspornen, aber ganz im Gegenteil wurde mir wieder mal klar, dass es nur sehr schleppend vorangeht. Nicht umsonst ist die heutige Etappe mit 7 Stunden reiner Gehzeit angegeben. Ab und zu fuehrte der Weg sogar wieder etwas bergab, was meine Laune nicht gerade verbesserte.

Nach gut einer Stunde Schottergehatsche konnte ich dann in der Ferne schon etwas erkennen, was evtl. der Uebergang sein koennte, ueber den ich heute noch rueber musste. Kehre um Kehre lief ich den Wanderweg weiter, bis auf einmal die weiss-roten Markierungen nach links abzweigten. Konnte das stimmen? Auf der Karte war davon nichts zu sehen. OK, einfach mal den Markierungen nach. Das hat sich leider als nicht so vorteilhaft herausgestellt, da dieser sch**** Wanderweg mit Dornen zugewachsen war. So hatte ich mal wieder Blutende Wunden an den Beinen. Hoert das denn nie auf? Vor mir erkannte ich dann schon ein gelbes T-Shirt. Das kann ja eigentlich nur Alexandro sein, der gestern auf der unbewirtschafteten Huette uebernachten wollte, die er ueber irgendeinen versteckten Weg erreichen wollte. Als der Weg zur Schotterstrasse zurueckfuehrte (deshalb hat sich's fast nicht rentiert, diese zu verlassen), fragte ich ihn nach der Huette. Leider war er nicht so erfolgreich mit dem Finden der Huette und stieg nach Dorria ab. Aber da gab's doch keine Unterkunft! Doch meinte er, naemlich bei irgendeinem Waeschewaschbereich, der auch ueberdacht war. OK, so hat er also diese regnerische Nacht verbracht. Auch nicht schlecht. Gemeinsam gingen wir dann die Schotterstrasse weiter und irgendwie passte schon wieder was mit meiner Hose nicht. So blieb ich stehen, sagte Alexandro, dass ich meine Hose richten muss, weil ich mich sonst wundscheuere und probierte dann herum, wie denn die Strumpfhose die ich heute wg. dem vielen Strassenhatsch angezogen hatte, am besten sitzen wuerde. Da diese allerdings auch schon durchloechert war und diese Loecher wohl daran schuld waren, dass es wetzte, riss ich mir die Strumpfhose mit angezogenen Restklamotten vom Leib. Sah sicherlich nicht so elegant wie ein Stripteasetaenzer aus, tat aber verdammt gut. Von nun an, hatte ich fuer den Rest des Weges keine Probleme mehr mit der Hose.

Alexandro hatte ich auch bald wieder eingeholt und zwar genau an der Stelle, bei der der Weg von der Strasse weg hin zum Uebergang hochfuehrte. Jetzt fehlen nur noch 100 HM, dann sind die vllt. 800 oder 900 HM fuer heute erreicht dachte ich mir. Diese vermeintlich letzten HM verliefen teils sogar ueber einen Bach, bei dem die Markierungen angebracht waren. Auch nicht schlecht. Das letzte Mal, dass ich einen Bach hochgewandert bin, war in England mit Katharina. Die rot-weissen Markierungen fuehrten aber auch bald von dem Bach weg bis zu einem Punkt, an dem keine rot-weissen Markierungen mehr auftauchten. Das war mir aber dann auch egal, da es ja nur noch 50 HM nach oben zu schaffen waren und egal, wo man herauskommen wuerde, kann man ja zu dem Uebergang welcher hoffentlich deutlich hervorgehoben war, rueberlaufen. So stand ich dann auf einmal oben und musste nur noch ein paar Meter rueber zur Wiese, an deren Ende ein Zaun mit einem Gatter war, der den einzigen Durchgang darstellen konnte. Ein paar Meter hinter dem Gatter entschloss ich mich dann, bei einem Baum hinzusetzen um den hoechsten Punkt fuer heute zu feiern. Dafuer hatte ich naemlich *Trommelwirbel* Bier mit dabei! Alexandro setzte sich auch neben mich und so futterte ich noch den Rest von dem Baguette als auch von der Hartwurst aus dem Supermarkt in Queralbs. Dazu ein Bier. Mei geht's mir guad! Nur blieb nicht beliebig viel Zeit, da ich immer noch einen schnellen Wetterumschwung befuerchtete. So ging's nach 15 Minuten gleich wieder weiter. Erst mal etwas herunter und weit abseits des Weges meine Plastiktuete suchen, welche mir der Wind davongeweht hat, dann weiter die Schotterstrasse entlang runter, bis nach etwa 100 HM, als die Strasse das letzte Mal nach oben verlief. Diese 100 HM waren aber erstaunlich leicht zu schaffen und so befanden wir uns bald auf einer gruenen Wiese, da die Wegmarkierung dort oben nicht mehr auf dem Weg sondern mitten in der Wiese angebracht war.
Dorria, das erste und auch letzte Dorf vor dem hoechsten Punkt
(image by Julie Baudouin)

So, wo geht's nun weiter? Vor uns lag ein riesiger Haufen aneinandergereihter Baumreste hinter denen wir dann doch noch weit entfernt eine Markierung fanden. Dann weiter entfernt, etwas herabfuehrend nochmal eine, usw. Irgendwann meinte ich dann zu Alexandro, dass ich mir nicht mehr sicher bin, ob wir uns ueberhaupt noch auf der spanischen Seite befinden und dass es mir schon mal passiert ist, dass ich auf der franzoesischen Seite gelandet bin. Das haette jetzt zwar nicht viel ausgemacht, da sich der Umweg in Grenzen gehalten haette, trotzdem war ich etwas beunruhigt, da ich nicht schon wieder auf franzoesischer Seite landen wollte. Ein bisschen liefen wir noch weiter runter bis wir an einer weiteren Schotterstrasse herauskamen und dort kam mir ein Auto entgegen, bei dem ich gleich den Fahrer fragte, ob wir hier in Frankreich sind oder Spanien. Tja, die Beifahrerin fand das jedenfalls ganz lustig :-). Als ich dann Espaniol hoerte, war ich gluecklich und wir folgten weiter der Strasse.

Allmaehlich drueckten die Schuhe schon wieder, weshalb ich beschloss, die Sandalen anzuziehen. Auch in meinem linken Fuss schmerzte irgendetwas, was hoffentlich durch die Sandalen verschwinden wuerde. Mit diesen ging es also weiter die Strasse runter, weiter runter und weiter runter. Viel gibt's hier wirklich nicht zu sagen, ausser, dass es irgendwann fuer vllt. 1 km neben einem kleinen Fluss entlang ging, welcher alles in 3 Meter Entfernung in einen Matschsumpf verwandelt hatte. Lust, die Sandalen auszuziehen hatte ich aber auch nicht. So entstand eine Art Jump'n'Run Spiel, bei dem ich nur ein Leben hatte. Sobald ich danebensteige, ist alles in den Sandalen Nass. Ein halbes Leben habe ich tatsaechlich verloren, da die linke Spitze des grossen Zehers tatsaechlich eingetaucht ist als sich ein vermeintlich fester Boden als Sumpf herausstellte. Ansonsten habe ich aber auch die schwierigsten Umstaende gemeistert, teils mit ein bisschen Umwegen. Alles nur, weil ich zu faul war, wieder die Wanderschuhe anzuziehen. Bald kamen wir auch wieder bei der Fahrtstrasse heraus, fuer die der kurze Wanderwegabschnitt nur eine Abkuerzung war. Immer noch standen 100-te HM bevor und das auf einer Schotterstrasse... Aber es hilft ja nix. Ich legte meinen monotonen Hatsch ein, bei dem sich mein linker Fuss schon immer mehr und mehr in Form eines Stechens in der Mitte des Fuss beschwerte. Tja, hilft nix. Klappe halten. Weiter und weiter folgte ich der Strasse herunter, Alexandro hinter mir lassend, da er etwas gemuetlicher unterwegs ist.
Gipfel! Aeh... Huegel!
(image by Julie Baudouin)

Ja verdammt, zog sich der Weg hin. Diesen Weg hochzulaufen waere wohl eine der groessten Qualen die man jemandem antuen koennte, da er stetig bergauf fuehren wuerde. Es wuerde keine einzige Verschnaufpause in Form von einer ebenen Strecke geben. Gluecklicherweise musste ich diesen Mist nur herunter, und zwar auf einer Schotterstrasse. Auf die Karte schauend meinte ich mal wieder, schon weiter zu sein als gedacht aber das endgueltige Etappenziel vor Augen zeigte mir auch, dass das noch lange nicht sein kann. Puigcerda konnte ich naemlich schon von weitem sehen mit seinem markanten Turm in der Mitte.

Nach einem ewig langgezogenem geraden Stueck Abstiegs schlaengelte sich der Weg dann herunter und kurz bevor er im Tal ankam, zweigte nochmal ein steiler Wanderweg ab, den ich auch mit den Sandalen nahm. Wie fuehlten sich wohl Schlangenbisse im Fuss an, fragte ich mich da und verdraengte den Gedanken auch gleich wieder. Hoffentlich sehe ich keine Schlange mehr, aber das wird sicher bald wieder soweit sein. Nach dem knackigem Stueck bergab war ich damit im Tal angekommen und nun hiess es: Asphaltstrasse laufen! Ja prima, als ob es nicht schlimmer kommen koennte. Das sind Zustaende wie in den ersten paar Tagen. Aber ich wusste ja auch, dass die kommenden 2 Tage sehr sehr geil werden, noch geiler als sehr sehr geiler Dorsch. Ich musste 2 Doerfer durchwandern und schon beim Ersten war ich sehr aufmerksam, ob sich darin irgendwo ein Restaurant befand, bei dem ich viel kuehles spritziges Wasser kaufen konnte. 1000 HM tiefer ist es naemlich tatsaechlich wieder deutlich waermer, auch wenn wir hier immer noch auf 1000 HM ueber dem Meeresspiegel sind.

Leider konnte ich weder ein Restaurant, noch einen Supermarkt finden sondern nur eine Bank bei der nebenan gleich eine Quelle war bei der man einen Knopf druecken musste. Passt, besser als nichts dachte ich mir. Nachdem ich dann mein ganzes Graffl abgelegt hatte, musste ich feststellen, dass doch kein Wasser herauskam, als ich den Knopf drueckte. Ja prima. Das ganze Ablegen der Sachen war nun umsonst. Trotzdem hielt ich ich dort noch 10 Minuten auf, um meinen Beinen etwas Erholung zu geben. Das war heute beim Abstieg doch ein ganz schoener Autobahnhatsch.
Ein langer Weg bis zum Ziel
(image by Julie Baudouin)

(Nun sitze ich gerade in der Huette von der naechsten Etappe und schreibe weiter.)
Dann ging's weiter nach Puigcerda, meinem Zielort in dem ich beim Bahnhof in der Naehe in ein Restaurant ging und mir ein spritziges Wasser und ein Bier bestellte. Das hatte ich mir jetzt ganz sicher verdient. Da das so gut geschmeckt hat, bestellte ich gleich nochmal eines. Dann stellte sich mir die Frage, ob ich nun weiter zum Campingplatz gehen sollte, oder doch hier bleibe. Kurzum machte ich mich auf den Weg zum Campingplatz und als ich aus der Stadt herausgehen wollte, stellte ich mir die Frage, warum ich heute eigentlich kein Hotelzimmer nehmen sollte. Ich war die letzten Tage im Zelt und ein schoenes Bett waere ja auch mal wieder was Schoenes. So begab es sich, dass ich umdrehte und zu dem Hotel bei dem ich im Restaurant war ging um nach einem Zimmer zu fragen. Dort war aber schon alles ausgebucht. OK, dann weiter zur naechsten Unterkunft. Soweit war das auch ganz gut, da direkt neben diesem Hotel der Rummel stattgefunden hat. Deshalb hatte ich damit gar nicht so grosse Probleme, weiterzulaufen. Allerdings musste ich in die Stadt hoch und ich war doch sehr ueberrascht davon, dass man hoch in die Stadt mit zwei Aufzuegen fahren konnte. Ich mit meinen Vorsaetzen, keine elektronischen Hilfsmittel zu verwenden konnte dann natuerlich die Treppe benutzen. Bei dem Hotel Viktoria irgendwas war ich dann auch schnell und konnte mir ein Zimmer fuer relativ teure 40 EUR ergattern. Das lag im dritten Stock und ich benutze ja keinen Aufzug. Na prima, also wieder Treppensteigen. Mein Fuehrer hat mich ja schon davor gewarnt, dass die Zimmer etwas in die Tage gekommen sind aber das was ich hier sah, war schon eher eine Bauruine. Das Waschbecken hatte lauter Macken, die Klospuelung war in die Decke eingebaut was ich irgendwie auch lustig fand, das Bett war uralt, die Fenster waren wohl aus den 50-ern. Aber ich hatte eine Unterkunft gefunden und entspannte mich erst mal eine halbe Stunde auf dem Bett liegend, ohne irgendetwas zu tun um dann das Standardprogramm zu starten: Duschen, Waschen, etc.

Schon seit laengerer Zeit schmerzte heute mein linker Fuss. Immer wenn ich die Zehen nach oben dehnte, fuehlte es sich an wie wenn jemand mit einer Nadel in einem der Gelenke bei den kleinen Fussknochen herumfuchtelte. Das wurde mit der Zeit auch nicht besser, weshalb ich im Hotelzimmer den Fuss erst mal mit Voltaren versorgte. So ganz viel half das aber auf Anhieb auch nicht, aber da kann ich auch nix machen. Dann machte ich mich auf die Suche nach einem Supermarkt und musste erstaunt feststellen, dass diese Stadt hier ja total ueberlaufen war. Die hatte ja hier und dort eine kleine Sehenswuerdigkeit, aber warum diese so total ueberlaufen war, ist mir bis heute ein Raetsel. Alexandro hatte ich ja seit der Haelfte des Abstieges nicht mehr gesehen. Jetzt lief er mir aber doch tatsaechlich ueber den Weg und laesterte auch erst mal kraeftig ueber die alte Baracke namens Hotel ab. Dann ging's bei mir weiter zum Supermarkt um mir ein bisschen Zeug fuer die kommenden 2 Tage zu kaufen. Es geht naemlich hoch in die Berge und das heisst wieder Selbstversorger spielen und vor allem nicht die Dose Bier fuer den Abend vergessen. So kaufte ich mir ein Brot, eine Wurst, 2 Orangen und ein paar Getraenke, wobei letzteres bis auf eine Dose Bier fuer den Abend gedacht war. Das spritzige Wasser trank ich schon im Supermarkt ohne bisher dafuer gezahlt zu haben, so Durst hatte ich nach spritzigem Wasser. Alexandro traf ich dann noch vor dem Hotel und machte mit ihm aus zu Abend zu essen, wozu wir um kurz nach 8 Uhr aufgebrochen sind. Irgendwann meinte er, dass ich nicht so rennen sollte. Ja, das ist wirklich eine seltsame Angewohnheit beim Wandern, dass ich immer schnell am Ziel sein will und richtig rennen war da auch nicht, sondern eher ein schnelles humpeln wg. meinem linken Fuss. Endlich bin ich hier mal mit einem Spanier unterwegs, der mir auch erklaert hat, wann, wo und wieviele Tappas [man] isst. Ich wuerde mir naemlich einfach 3 Tappas auf einmal bestellen, allerdings sieht das so aus, dass man Abends auch von Bar zu Bar tingeln kann um dann jeweils 1 Tappas zu essen. Ich wunderte mich auch bei ihm, warum er soviel Zeit hatte und die Antwort war wie bei Julie einfach: Er war Lehrer und es waren gerade Schulferien. Ja, die haben's wirklich gut mit den langen Ferien.
Der Zielort hinter dem Weizenfeld
(image by Julie Baudouin)

Zum Abendessen fragte sich Alexandro bei Einheimischen durch, wo es hier etwas gutes zu Essen gaebe. So kamen wir zu einem Restaurant, bei dem nur Einheimische drin sassen. Leider wurden wir immer wieder von lauter Musik von draussen unterbrochen. Das Essen war dafuer wirklich prima. Als Vorspeise holte ich mir Nudeln mit Bolognesesauce, als Hauptspeise ein Steak mit Kartoffeln und als Nachspeise Crema Catalana - wieder mal. Ich werde mich durch alle Crema Catalana durchfuttern um dann festzustellen, was die Beste ist und diese hier war bisher auch die Beste. Dann setzten wir uns noch ein bisschen auf eine Betonbank um auf das Festival herunterzuschauen und um 10 Uhr ging's in's jeweilige Gammelhotelzimmer. Dort durfte ich mir dann den ganzen Laerm von dem vllt. 200 Meter entfernten Festplatz anhoeren. Scheiss Technomukke, die unwahrscheinlich laut war. Beim Schreiben meines Tagebuchs und beim Trinken von den 2 Dosen Bier die ich mir noch fuer den Abend eingekauft habe, bin ich dann tatsaechlich einfach eingeschlafen und die 2-te Dose war nicht mal geleert. Natuerlich bin ich auch wieder aufgewacht durch die scheiss Technomusik - um ca. halb 2 in der Nacht. Hoeren die hier denn nie auf? So schloss ich das Fenster und versuchte dann wieder einzuschlafen. Damit konnte ich tatsaechlich noch ein paar Stunden Schlaf ergattern um einigermassen erholt in den kommenden Tag zu starten aber ich bemerke schon, dass ich momentan sehr stark am Schlafmangel leide.