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Mittwoch, 16.07.2014
Tag 7 - Fast auf 2000 HM
Beget → Coll de la Boixeda → Mollo → Collada de Lliens → Setcases
(image by Julie Baudouin)

Eigentlich hatte ich ja vor, um 6:30 Uhr aufzustehen. Wohl wg. den diversen Getraenken am Vortrag beschloss ich dann nach einigem mal umdrehen doch erst um 7:00 Uhr aufzustehen. Dann machte ich mich langsam daran, meinen Rucksack zu packen. Irgendwie habe ich kein wirkliches System beim Packen. Jedes Teil, welches spaeter in den Rucksack soll, wird weiter entfernt hingelegt und die anderen werden eben gleich reingesteckt. Die Karten liegen alle nebeneinander um diese kompakt zu verstauen und mein Zelt ist auch laengs drin. Dann gab's Fruehstueck im Zimmer. Da der Wirt naemlich erst um 9 Uhr Fruehstueck anbietet, bekam ich eine kleine Box mit Fruehstueckszeug mit auf's Zimmer. So gab's ein Croissant, Marmelade, einen Apfel, einen Joghurt, zwei mini Muffins und eine mittlerweile kalte "heisse Schokolade" aus der wohl nicht mehr funktionierenden Thermoskanne. Das Packen des Rucksacks inkl. Vorbereitung der Trinkblase, das Fruehstuecken und der finale Check ob auch nichts verloren ging haben tatsaechlich wieder fast eine Stunde benoetigt. Da ist noch Optimierungsbedarf noetig. Frueher ging das auch schneller.
(image by Julie Baudouin)

Kurz vor 8 Uhr startete ich dann wieder in die heutige Etappe, wie ueblich als "Man in tight", da wieder etwas Strassenhatsch anstand. Doch wohin nur? Irgendwo hier gab's gleich um die Ecke eine rot-weiss Markierung. Die stellte sich jedoch fuer mich als falsch heraus, da es sich um einen anderen GR handelt, der nicht einmal in meiner Karte eingezeichnet war. Hm... ich dachte mir eigentlich auch, dass der Begriff GR nur in Frankreich gebraucht wird. Es wundert mich, dass die Spanier diesen auch uebernommen haben und vermutlich auch die Nummerierung mit den Franzosen eindeutig halten. Laut der Karte musste ich doch wieder an der Kirche vorbei und dann sah ich auch die erste weiss-rote Markierung sowie auch zwei Deutsche, welche gestern am Nachbartisch gesessen sind und nicht wussten, dass ich Deutscher bin. Sie begruessten mich dann auf Katalanisch oder Spanisch und ich meinte dann "Dann noch eine gute Reise" was die doch etwas ueberrascht hat. Naja, egal.
(image by Julie Baudouin)

Der erste Teil verlief dann kurz durch den Wald wobei der Wanderweg bald wieder auf die Strasse zurueckfuehrte. Dann waere der Weg wieder kurz von der Strasse weggegangen um wieder zur Strasse zurueckzufuehren und das ganze nochmal was mir doch etwas sinnlos vorkam. So entschied ich mich gleich auf der Strasse zu bleiben um nach 30 Minuten die Abzweigung zum Wanderweg zu nehmen, der nicht mehr zu dieser Strasse zurueckfuehrte. Durch teils etwas zugewachsene Wege verlief dann der folgende Weg. Schon seltsam, wenn man sich ueberlegt, dass an den Pflanzen die in den Weg reinhaengen wohl der Schweiss von hunderten von Wanderern gehangen ist. Die erste Etappe fuer heute bedeutete, ca. 600 HM nach oben zu steigen. Ganz allmaehlich stieg auch der Weg an und forderte jeden der HM ein. Durch wunderhuebsche Wanderwege entlang von saftigen, naturbelassenen Wiesen, ueber einen kleinen Fluss und vorbei an ein paar alten Haeusern gab es fuer den ersten Teil. Die Sonne versteckte sich immer noch hinter den Wolken was auch ganz gut war. Die Sonne hier ist schon seltsam. Sobald ein Woelkchen die Sonne bedeckt ist es hier zum Wandern ganz gut auszuhalten. Wenn aber die Sonne erst ihre Strahlen wirken laesst, wird es auf einen Schlag brutal warm.

Immer weiter zog sich der Weg dahin, mal auf kleinen Wanderwegen, mal auf Forstwegen und dann zu Can Pujol. Ab diesem Punkt zog sich der Wanderweg, welcher eher einem Matschweg aehnelte, sehr steil in sehr vielen Kurven den Berg hoch. Das raubte mir fast noch meine letzte Kraft und ich fuehlte mich irgendwie erschlagen. Wg. dem naemlich immer noch feuchten (evtl. vom Tau?) Wald staute sich die Luft mit gewisser Luftfeuchtigkeit. Dafuer bedurfte ich ein paar Pausen mehr um auch diesen Anstieg zu schaffen und oben traf ich auch auf eine Bank, die besetzt werden wollte! 10 Minuten goennte ich mir, schliesslich hatte ich heute ja noch mehr vor.
(image by Julie Baudouin)

Ab der Strassenueberquerung wurde es interessant: Schon bald befand ich mich auf irgendwelchen Wiesen auf denen zig Wege wegzweigten. Nur war keine Wegmarkierung zu finden. Selbst die Wanderkarte brachte nicht mehr Informationen, weshalb ich auf gut Glueck irgendwo hinlaufen musste und von der Ferne konnte ich dann alsbald an einem Gatter eine weiss-rote Markierung erkennen. Prima. Das haette leicht schief gehen koennen. Die naechste Markierung war dann auch nicht zu erkennen, jedoch ein Gatter am anderen Ende des Feldes. Und nach diesem Gatter gab's wieder keine Markierungen und ich folgte dem naechstbesten Weg, der nach Mollo fuehrte. Bis die naechste Wegmarkierung kam, vergingen schon einige Minuten und immer wieder hatte ich ein sehr unangenehmes Gefuehl, weil ich einfach keine Lust hatte, wieder zurueckzulaufen. Das hat aber alles prima geklappt und ueber ein paar andere spaerliche Wegmarkierungen gelangte ich ueber weitere Wiesen zu der Aussicht, bei der ich den Zielort Mollo schon erkennen konnte. OK, nur noch 20 bis 30 Minuten dachte ich mir, da es auf gleicher Hoehe lag. So stapfte ich los um feststellen zu muessen, dass der Weg wieder nach unten fuehrt, statt auf gleicher Hoehe zu bleiben. Tja, so kann's auch laufen und jeden HM den ich jetzt absteige muss ich nachher natuerlich wieder hochlaufen. Irgendwie erinnert mich das an den Berliner Hoehenweg, bei dem man in der Ferne schon die eine Huette sieht, aber trotzdem noch ein paar hundert Meter runter und wieder rauf muss. Dann fuehrten mich die Markierungen auch noch auf einem anderen Weg als in der Karte weiter, aber OK, solange ich keinen allzu grossen Umweg machen musste und der Weg an dem huebschen Bach vorbeifuehrte. Dann ging's an den Aufstieg ueber, der einfach nur steil ueber irgendwelche feucht-glitschigen Steine nach oben fuehrte und immer wieder benoetigte ich eine Verschnaufpause. Halb ausgepowert setzte ich wie ein Zombie einen Schritt vor den anderen, atmete ganz bewusst um mehr Energie zu bekommen und erschreckte dann fuerchterlich vor einer Schlange, die direkt vor mir auf dem Boden lag. Eine schwarze Schlange mit gelben Punkten. Ja verdammt verka*** verhu*** Sch******!!! Dieses Drecksteil hat mich sogar so erschrocken, dass ich auf einem Stein ein bisschen ausgerutscht bin, da ich ja auch etwas zurueck gehen wollte. Bevor ich mich versah, war dieses Drecksviech dann aber zum Glueck auch schon im Gebuesch verschwunden. Widerlich!!!

Mit etwas Adrenalin den Adern schritt ich dann noch die letzten paar HM hoch nach Mollo und machte auf der naechstbesten Bank ein paar Minuten Pause. Genug Zeit hatte ich ja, da es nicht einmal 12 Uhr war und nachdem ich die eine Kehre weitergelaufen bin, war ich auch schon im Ortszentrum und fand auch gleich einen Quellbrunnen bei dem ich mir frisches Wasser holte und die anderen 2 Franzosen, die heute auch noch weiter nach Setcases wollen. Diese machten sich auch bald auf den Weg, wobei ich mir vom lokalen Supermarkt noch einiges zum Mittagessen besorgte: Spritziges Wasser, eine Orange, eine Aprikose, ein kleines Mini Baguette, geraeucherten Schinken, 2 Dosen Cola um mich mit Zucker zu versorgen da ich noch weitere 700 HM Aufstieg vor mir hatte sowie 2 Dosen Bier fuer unterwegs. Direkt vor der Brunnenquelle machte ich dann eine halbe Stunden Pause, zog meine Socken aus und machte es mir richtig gemuetlich. Leider konnte ich hier nicht ewig bleiben, auch wenn's sehr schoen gewesen waere. Nachdem ich alles verputzt hatte und die 2 Dosen Bier (Geplant als Abstiegshilfebier) sicher verstaut hatte, startete ich in die zweite heutige Etappe.
(image by Julie Baudouin)

Die Sonne kam allmaehlich immer mehr heraus und die Wegmarkierungen im Dorf waren auch sehr spaerlich gesaeht. Im Dorf fand ich sogar eine Wegmarkierung, allerdings waren diese so gut wie nicht vorhanden, als ich aus dem Dorf herauskam. Bei einem Haeuschen und einer Quelle, bei der in der Karte eingedruckter Weg ueberhaupt nicht vorbeigehen sollte, fand ich dann eine weitere Markierung, welche allerdings darauf schliessen liess, dass ich nach rechts weiter sollte. Nein, das kann nicht stimmen. Wieder mal mit einem unguten Gefuehl bin ich dann einfach geradeaus weitergelaufen und die Sonne brannte von oben herunter. In der Ferne sah ich dann auch ein Haus und als ich ankam, konnte ich mit dem angeschriebenen Namen von dem Haus auch in der Karte meine Position mit Sicherheit feststellen um auf den GR11 wieder zurueckzukehren. Auf den Weg zum GR11 fand ich dann aber auch wieder rot-weisse Markierungen. Also irgendwo ist da gewaltig der Wurm drin, aber egal. Ich war jetzt auf dem richtigen Weg, der mich nun erst einmal relativ steil weiter nach oben schreiten liess. Zusammen mit der Sonne ist das gar kein Spass und ich suchte mir immer die Trinkpausen dort, wo ein Baum gerade seinen Schatten hingeworfen hatte. Ueber viele Bergruecken fuehrte der Weg danach weiter und weiter nach oben, ohne viel HM dazwischen zu verlieren. Die ganzen Berg- bzw. Huegelruecken waren auf magische Weise miteinander verschmolzen, sodass das moeglich war.
(image by Julie Baudouin)

Als ich dann auf der anderen Kartenhaelfte angekommen war wusste ich, dass ich nun ueber die Haelfte des Aufstieges geschafft hatte, warf meinen Rucksack hin, setzte mich und holte eine Dose Bier heraus. Ja, das brauch ich jetzt und auch meine Fuesse, die heute schon den ganzen Weg ueber in den festen Wanderschuhen gefangen waren. Aber auch diese Pause waerte nur 10 Minuten, da die Wolken sich am Himmel verdichteten und ich ein Sommergewitter befuerchten musste. So hatschte ich eben weiter und weiter, immer nur auf einem leicht ansteigenden Wanderweg, vorbei an Albinokuehen und einem Stier, hielt das Tempo relativ straff und gelangte dann an den Uebergang, den ich fuer den hoechsten Punkt hielt. Das war er aber nicht. Warum auch immer musste ich noch einmal auf den naechsten Huegel steigen, nachdem dann endlich der Abstieg wieder ueber irgendwelche Wiesen erfolgte, bei denen irgendwo mittendrin Holzpfeiler mit Markierungen angebracht waren, welche mehr oder weniger gut zu erkennen waren.

Statt der Empfehlung des Wanderfuehrers zu folgen, den steinigen Abstieg zu umgehen, freute ich mich schon darauf und schepperte mit grossen Schritten diesen wirklich gut zu laufenden Abstieg herunter. Irgendwann verlor ich dann wieder die Wegmarkierungen. Ein Blick in die Karte sagte aber, dass man einfach nur weiter runterlaufen muesste, um wieder auf den Forstweg zu kommen und so stuermte ich weiter die Wiesen herunter. Wieder auf dem Wanderweg lief ich weiter auf gleicher Hoehe bleibend um dann endlich steil ueber ein Waldstueck absteigen zu koennen. Die Haxen taten mir auch schon wieder weh und ich dachte an mein zweites Bier im Rucksack. Wenn ich das jetzt unten bis in's Dorf trage, hat das Mitnehmen auch keinen Sinn gemacht. So legte ich mich an irgendeinen Grashang, der mir gerade gemuetlich erschien, oeffnete die Dose Bier und schloss einfach mal die Augen um der Natur zu lauschen. Hm... vor allem hoerte ich die ganzen Fliegen, die um mich herumschwirrten. Aber auch nach 15 Minuten musste ich diese Erholung beenden, zog wieder meine Wanderschuhe an und machte mich an die letzten 30 Minuten Abstieg der ueber einen Waldweg erfolgte.
(image by Julie Baudouin)

So gelangte ich nach Setcases, ein wunderhuebscher kleiner, aber leider auch touristischer Ort. Aehnlich wie Beget ist auch dieser Ort im alten Aussehen renoviert worden. Waehrend neben ihm ein grosser Fluss verlaeuft, so fliesst durch ihn ein kleines Baechlein. Eine Unterkunft konnte ich auch schnell ausfindig machen und zwar zum Schnaeppchenpreis: 28 EUR inkl. Fruehstueck. Das ist aus meiner Sicht wirklich fair dafuer, dass ich mein eigenes Doppelbett und mein eigenes Bad habe. Das ist in etwa auch der Uebernachtungspreis in einer Privathuette. Ich schaute mich zuerst mal im Dorf um, welches nicht so spektakulaer war. Auch die Suche nach einem Supermarkt scheiterte erst mal und ich fand wieder nur die 2 Franzosen, welche heute wieder kampieren wollten. Denen scheint das ja richtig Spass zu machen aber mir ist eine Matratze doch viel lieber. Wieder im Zimmer klopfte es dann an der Tuer und es wurde mir das Fruehstueck fuer morgen gebracht, da auch diese Besitzerin nicht vor 9 aufstehen wollte. Ja, das kann ich verstehen! Die weitere Suche nach einen Supermarkt war dann doch erfolgreich, sodass ich mir noch Bier, Cola, Wasser sowie eine Fluessigseife kaufen konnte.

Mein Bepanthen scheint auszugehen. Die kleine Packung haelt leider nicht lange. Ich muss beim naechsten Ort schauen, ob die eine Apotheke haben um mir Nachschub zu besorgen. Die leichten Schuerfwunden am Ruecken in Huefthoehe werden auch nicht unbedingt besser. Einen leichten Sonnenbrand an den Armen habe ich auch wieder abbekommen. Ich hoffte, dass ich schon braun genug bin, sodass ich keinen Sonnenbrand mehr bekommen wuerde. Nun darf ich mich doch wieder einschmieren weil es morgen bei ueber 2000 Metern voraussichtlich keine Baeume mehr vorhanden sind. Mittlerweile habe ich auch vergessen, welchen Wochentag wir haben. Hoffentlich komme ich nicht in irgendeine Ortschaft, bei der es nach einem langen Wandertag keine Unterkunft mehr gibt. Hochsaison scheint hier zumindest noch nicht zu sein, da im jetzigen Ort Setcases ja wirklich nichts los ist.
(image by Julie Baudouin)

In dem Restaurant von dem ich auch das Zimmer habe war ich heute auch der Einzige der dort gegessen hat und viele anderen hatten gleich geschlossen. Die Speisekarte gab's nur auf Spanisch oder Katalanisch, sodass ich auf gut Glueck bestellen musste. Es wurden Calamari als Vorspeise und Entrecote mit Pommes zur Hauptspeise. Leider war beides nicht wirklich so der Hit und ehrlich gesagt eher enttaeuschend. So eine grosse gute Portion Nudeln waere mir da lieber gewesen. Leider habe ich das noch nirgendwo bis auf den ersten Wandertag gesehen. Mittlerweile ueberlege ich mir auch, ob ich den GR10 auf der franzoesischen Seite noch machen sollte. Klar waere der schoen, aber irgendwie vermute ich, dass ich dann doch keine Lust mehr haben werde. Aber mal abwarten, wie meine Stimmung in 3 Wochen ist. Dann will ich naemlich am Atlantik sein.

Morgen wird's wohl auch eine leichtere Tour was die Gesamtzeit angeht, wenn auch mit sehr vielen Hoehenmetern, naemlich 1500 HM bei denen ich hoffe, dass die Sonne nicht allzu sehr scheint. Ansonsten wird's wieder wie im Kochtopf. Meine Blasen scheinen jetzt nach 6 Tagen auch allmaehlich auszutrocknen. Morgen muss ich diese voraussichtlich auch nicht mal mehr tapen sondern kann einfach ohne irgendwelche Tapes herumlaufen. Morgen komme ich auch auf den hoechsten Punkt des gesamten GR11 auf ca. 2800 HM. Ich bin der Hoffnung, dass sich die Wolken verziehen, wenn ich oben angekommen bin und ich eine schoene Aussicht geniessen kann.
(image by Julie Baudouin)