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Freitag, 11.07.2014
Tag 2 - Anders als geplant
el Port de la Selva → Sant Pere de Rodes → Llanca → Vilmaniscle → Sant Quirze de Colera → Abzweigung von der Strasse
Das alte Kloster
(image by Alain Collet)

So, nun lief wirklich alles, aber auch wirklich alles anders als geplant. Mehr ist schief gelaufen als sollte und es wird wohl auch noch Sockentechnisch mehr schief laufen, aber irgendwie wird das schon klappen, klappen muessen. Nach Tag 2 kam ich nicht einmal mehr zum Schreiben, weshalb ich das am Ende von Tag 3 schreibe, der alles andere als erfreulich verlief.
Blick zurueck
(image by Alain Collet)

Es ist schon seltsam, wohin einen die Wege fuehren. Nach dem doch recht spaetem Aufstehen nach 9 Uhr machte ich mich erst mal an's Fruehstuecken. Ein bisschen was von der Wurst, dem Kaese und dem Baguette welches ich mir gestern kaufte, verdrueckte ich. Nicht viel, weil mein Koerper immer noch nicht an die Fressorgien in der Frueh gewohnt ist. Ich bin aber noch zuversichtlich, dass sich das bald aendern wird! Frohen Fusses lief ich zuerst zum Hotel um meine Schulden zu begleichen und war doch etwas erleichtert, dass es in der Tat doch nur 25 EUR waren.
Die alte Kapelle beim langen Strassenhatsch
(image by Alain Collet)

Nach dem kurzen Hatsch die Strasse entlang gab's sogleich die erste Ueberraschung: Der Weg fuehrte nicht gleich nach der Abzweigung nach rechts weg und damit den direkten Weg hoch zum Kloster sonder die Markierungen fuehrte mich die Strasse weiter entlang, um mich schliesslich etwas spaeter den Berg hinauf zu weisen. Das war jetzt wirklich der erste richtige Anstieg. 500 Hoehenmeter waren zu bewaeltigen und die Sonne liess ihre Strahlen auch schon auf mich wirken. Da ich immer noch nicht bei Kondition bin, waren doch einige kleine Zwischenpausen noetig, bis ich oben angekommen bin. Von der Ferne konnte ich dann schon das Kloster sehen, das sich fast auf gleicher Hoehe befand und ich machte mich sogleich auf die vllt. 10 Minuten Fussweg dorthin. Da das Kloster Eintritt verlangte, beliess ich es aber dabei, nur schnell ein Foto durch den Eingang zu machen. Sogar um in das Restaurant im Inneren zu gelangen, haette man Eintritt zahlen muessen. Die Markierungen fuehrten mich dann auch nicht wieder etwas bergab sondern auf gleicher Hoehe weiter was schon wieder nicht den Daten in dem Fuehrer entsprach. Die scheinen irgendwie viel an der Streckenplanung geaendert zu haben. So gelangte ich erst mal weiter rueber zu St. Helena, ohne HMs zu verlieren. Wirklich spektakulaer war diese alte Kapelle nicht, weshalb ich auch nicht verstand, warum der Weg umgelegt wurde. Vllt. stimmt aber auch irgendwas in dem Fuehrer nicht, der mir mittlerweile teilweise sowieso etwas spanisch vorkommt :-). Auf einem anderen Weg als geplant verlief der Weg dann wieder zusammen mit dem in dem Fuehrer angegebenen und beim Abstieg passierte es dann zum ersten mal bei der Tour: Ich knickte mit einem Fuss um. Da es aber keinen Knall machte, wie es beim Baender- oder Kapselriss der Fall gewesen waere sondern nur ganz leicht schmerzte, lief ich einfach weiter und der Schmerz verschwand nach ein paar Minuten. Der Abstieg war wie erwartet alles andere als angenehm aber nach dem bisher so kurzem Hatsch doch noch gut zu bewaeltigen.
Blick auf den langen Autobahnhatsch den Hang entlang
(image by Alain Collet)

Schon bald war ich am Zielort angekommen, allerdings deutlich langsamer als im Fuehrer angegeben. In dem Fuehrer wird anscheinend einfach angenommen, dass der Aufstieg als auch der Abstieg keine Aenderung bei der Gehzeit bewirken. Wie auch immer erspaehte ich schon in der Naehe des Ortseingangs einen Spar Supermarkt und holte mir gleich ein gekuehltes Wasser. Die Hitze macht mir wirklich zu schaffen, obwohl es teilweise bewoelkt ist und auch ein heftiger Wind tagsueber weht. Die Touristeninformation war gleich nebenan und ich fragte nach ein paar guenstigen Unterkuenften. Wie schon bei der Touristeninfo in el Port de la Selva wurde mir auch dieses mal nur ein Zettel mit zahlenden Unterkuenften in die Hand gedrueckt und das war's. Sowas habe ich ja noch nie erlebt. Scheint eine Spanische Eigenheit zu sein. Vor der Touri Info sass ich dann herum und ueberlegte, was ich machen sollte. Evtl. waere es naemlich besser, jetzt gleich ein Stueck weiter zu gehen um die morgige Etappe zu entschaerfen. Lt. Karte war das naemlich ein Autobahnhatsch bei dem nicht allzuviel HM zu machen waren. Nach 5 Minuten Bedenkzeit stand mein Entschluss fest: Das Entschaerfen der kommenden Etappe hilft definitiv, wie geplant morgen Abend in La Jonquera zu sein.

So ging's wieder zurueck in den Supermarkt um noch Wasser zu Kaufen. Dabei fielen mir auch noch 4 Dosen 0,33 l Bier auf, die schoen praktisch zusammenhingen. Die kamen auch gleich mit. Fuer das Essen hatte ich ja noch etwas vom heutigen Fruehstueck uebrig und Nudeln sowie Sosse aus Barcelona bis hierher mitgeschleppt. Passt also. In der Karte markierte ich mir noch separat die Wasserquellen, welche im Fuehrer angegeben wurden um keine zu uebersehen. Wasser ist bei dieser Tour naemlich das A und O. Da meine Jeans bereits im Schritt in Fetzen hing, wurde diese durch meine richtige Wanderhose ersetzt und landete im Muell. Da nun ein Autobahnhatsch anstand, bin ich auch gleich auf die Sandalen gewechselt und liess die Wanderschuhe wieder ueber meine Schulter baumeln. So ging's los zur Etappe 2, der 41 km Etappe, die bei mir doch noch laenger wurde...
Dort unten gab's frisches Wasser
(image by Alain Collet)

Von hinten brannte wieder die Sonne in meinen Nacken und der Weg wollte einfach kein Ende nehmen. Eine gefuehlte Ewigkeit stieg dieser sehr langsam den Hang hinauf in die Ferne ohne dass ich einen merklichen Wanderfortschritt feststellen konnte. Immer wieder ueberschaetzte ich die gefuehlt gelaufene Strecke mit der tatsaechlich gelaufenen. Bald fing ich auch noch das zaehlen der Schritte an. Irgendeine Beschaeftigung muss man sich bei einem solch monotonem Hatsch suchen um sich ein bisschen Abzulenken. Landschaftlich war auch relativ wenig geboten, da ich immer noch nicht in den wirklichen Pyrenaeen war. Nach vielen Schlangenlinien zweigte dann der Wanderweg der Abwechslung halber dann doch noch 1x ab zu einer kleinen Kapelle. Die Ueberlegung, dass ich mir bei dem kurzen, vllt. 100 Meter langem Abstieg den Fuss wg. fehlendem Knickschutz durch meine Wanderschuhe (klingt komisch, wenn ich vorher umgeknackst bin) verletzen koennte, war mir jetzt auch egal. Unten angekommen hielt ich gleich Ausblick auf die angekuendete Wasserquelle und nix gab's. Alles furz trocken. Nada. Sogar die Kapelle war zugesperrt. Aber machte nichts, weil ich auf diese Quelle nicht gezaehlt hatte. Weiter ging's wieder den Hang hoch durch ein bisschen Gestruepp durch, bis ich wieder oben auf der Autobahn angekommen bin. Unzaehlige Schritte spaeter und vorbei an in der Ferne stehenden verfallenen Haeusern gelangte ich dann endlich nach Vilamaniscle, wo ich sogleich am Anfang des Dorfes die Quelle fand. Frisches, relativ kuehles Quellwasser. Nicht mehr dieses verchlorte Leitungswasser, das ich bisher getrunken habe. Vermutlich 1/2 Liter habe ich gleich vor Ort getrunken. Die Sonne schien immer noch unbarmherzig herunter. Nach einem kurzen Aufenthalt ging's dann gleich weiter. Ich wollte naemlich noch weiter zu irgendeiner Kirche bei der es voraussichtlich schoene Campingplaetze geben wird.
Ein Feld auf dem Weg zur Ruine
(image by Alain Collet)

Also weiter die Strasse entlang. Der Weg war wirklich alles andere als schoen. Erst eine breite Schotterstrasse, jetzt eine asphaltierte Strasse. Nein, mit Wandern in natuerlicher Umgebung hat das sicher nicht viel zu tun. Wieder mal fing ich an, die Schritte zu zaehlen um mir die Zeit zu vertreiben. Bei einem Feld mit Trauben probierte ich eine um diese anschliessend gleich wieder auszuspucken, da diese ganz schoen bitter war. Vllt. erlebe ich noch die Erntesaison mit und muss mir keinen Proviant mehr mitnehmen ;-). Der Weg zweigte dann bald von Rabos weg zum Sant Quirze de Colera ab. Ueber Rabos wuerde man nach Espolla kommen, was einen prima Zwischenstuetztpunkt anbieten wuerde und spaeter wieder auf den urspruenglichen Weg zurueckfuehren wuerde. Aber ich bleibe auf dem GR11. Als ich am Ende der Teerstrasse ankam, ging diese in eine Schotterstrasse ueber und von dort aus zu der Kirche oder dem Kloster. Leider musste ich auch ein Schild sehen, auf dem das Capmingzelt durchgestrichen war. Mist. Hier kann ich wohl nicht zelten. Obwohl es schon nach 18 Uhr war, ging ich noch zum Restaurant das eigentlich geschlossen haben sollte, und fragte nach Wasser. So konnte ich mir noch 1 l Sprudelwasser und 1,5 Liter stilles Wasser ergattern. Die 1,5 Liter Wasser nahm ich vorsichtshalber mit, da ja die Quellen bis auf wenige versiegt zu sein. Das Sprudelwasser trank ich schnell weg und nun stellte sich die Frage, was ich mache. Entweder hier illegal kampieren oder einfach weiterschauen. Da nicht mehr viele HM bis zum naechsten Tal zu machen waren, entschied ich mich fuer die 2-te Variante, auch wenn es schon relativ spaet war. Immerhin muss ich jeden Schritt, den ich heute mache, nicht mehr morgen machen.
Die Ruine, bei der ich eigentlich zelten wollte
(image by Alain Collet)

Wieder liess ich die Sandalen an und machte mich an den Aufstieg ueber eine Schotterautobahn von der der Weg alsbald abzweigte und spaeter wieder auf die Autobahn zurueckfuehrte. Oben auf dem Uebergang angekommen weht ein unglaublicher Wind. Wie schon beim erneuten Losmarschieren geplant, setzte ich mich oben hin und trank erst mal ein Bier. Die Fuesse brauchen ja schliesslich auch etwas Erholung. Der Abstieg war dann fuer die Beine immer schmerzlicher. Auch die Schultern begannen von der Dauerbelastung hoellisch zu schmerzen. Lange wuerde ich das nicht mehr aushalten. Beim Abstieg verpasste ich dann auch noch eine Abkuerzung, was aber auch keine grosse Rolle mehr spielte. Mein Ziel war ein Gehoeft, bei dem es auch eine Quelle geben sollte. So konnte ich beliebig viel Wasser, z. B. zum Abspuelen des Geschirrs, verschwenden. Kurz bevor ich dann auf der Fahrtstrasse herauskam, verstolperte ich mich dann mit den Sandalen und schlug mir eigentlich alle Zeher am linken Fuss an. Na Klasse. Das muss jetzt noch sein. Irgendeiner der kleineren Zeher machte sich dann mit einem Schmerz beim Biegen durch das Laufen bemerkbar, aber's hilft ja nix, weitergelaufen wird. Auf der Fahrtstrasse ging's dann eine halb Ewigkeit weiter. Es gab hier einfach keine Campingmoeglichkeiten. Ueberall stand etwas von "privada". Allmaehlich konnte ich auch nicht mehr und es war schon nach 21 Uhr. Die Daemmerung war schon deutlich fortgeschritten und ich musste mir endlich ein Nachtlager suchen. Auch bei dem Gehoeft mit der Quelle stand etwas von privada, sodass ich es dort erst gar nicht versuchte. Erst als der Wanderweg von der Strasse wegfuehrte, war direkt bei der Strasse ein kleiner Platz neben dem Wanderweg, der fuer mein Zelt passend war.

Damit war der Schlafplatz festgelegt. Hier bekam mich niemand mehr weg. Nur ein bisschen windig war der Platz. Bevor ich etwas wichtiges uebersehe, schaute ich mich an dem Platz noch ein wenig um und auch hinter die Biegung, die der Wanderweg machte. Und da stand ploetzlich etwas gaenzlich unerwartetes: Frisches Trinkwasser, das in Flaschen abgefuellt war mit der Botschaft, dass es Kostenloses Trinkwasser sei und mit dem Gruss einer guten Reise. Ich nahm mir gleich den 5 Liter Kanister, da ich ja gleich das kochen anfangen wollte und war bis auf die ganzen Schmerzen am Koerper einfach nur gluecklich ueber das Wasser. Das Zelt war routinemaessig schnell aufgebaut, wobei ich die Karabiner nach den ersten Windboeen doch nochmal mit einem Stein tiefer in den Boden trieb. Ansonsten muesste ich wirklich befuerchten, dass der Wind mein Zelt wegweht.
Das Wasser zum mitnehmen! Herzlichen Dank!
(image by Alain Collet)

Als ich den Kocher angeworfen hatte, ist bereits der Vollmond aufgegangen und erhellte die Nacht. Allmaehlich wunderte ich mich darueber, warum ich eigentlich seit dem ganzen Tag nicht beim schiffen war. Anscheinend schwitze ich soviel aus, dass nichts mehr fuer die Blase uebrig blieb. Da musste ich dringendst mehr trinken und das tat ich auch: Es gab noch die 3 Dosen Bier zur Vorbereitung des Abendessens, zum Essen selbst und als Nachspeise. Das Abendessen war auch relativ schnell zubereitet. Nudeln rein, Abgiesen, Tomatensauce drueber, e voila, ein etwas seltsam schmeckendes Gericht, aber Hauptsache die Nudeln geben mir Kraft fuer morgen.

Als ich dann in's Bett gehen wollte, ist mir noch eine grosse und dick gefuellte Blase an meinem rechten Fuss aufgefallen. So geht das morgen auf keinen Fall weiter. Die reisst mir sonst ein oder vergroessert sich noch. Also hiess es wieder: Nadel und Feuerzeug raus, Nadel desinfizieren und Blase los! Warum das desinfizieren ueberhaupt noetig war, weiss ich auch nicht, da der Fuss sowieso total verdreckt war aber es macht zu viel Spass mit dem Feuerzeug herum zuspielen.

Beim Ausziehen der Sachen ist mir auch eine Blase an der Ferse aufgefallen, die nun offen ist. Das ist ein echter Mist. Schon nach dem zweiten Wandertag eine offene Blase.
Dann fiel mir auch noch auf, dass meine Socken Loecher hatten und damit meine uralten Socken waren. Das ist noch mehr Mist! Eigentlich dachte ich, dass ich 2 neue Paar Socken mitgenommen habe, aber ich habe ja noch das andere Paar... dachte ich zumindest, aber das kommt spaeter. Als ich dann einschlafen wollte, war das fast nicht moeglich, da immer noch die Fuesse pochten, wie wenn irgendjemand in den Fuessen innen drin herumhantiert. Zu allerletzt hat auch noch eine Muecke es geschafft in mein Zelt durch einen kleinen Spalt beim Reisverschluss einzudringen. Die wurde dann aber auch ordnungsgemaess platt gemacht. Irgendwann um 2 Uhr Nachts muss ich dann bei wehendem Zelt eingeschlafen sein. In der Nacht scheint der Wind doch schnell abzunehmen. Ich habe damit an diesem Tag sehr viel reingelaufen, weshalb ich morgen auf jeden Fall in La Jonquera ankommen muesste.